Deutsch lernen ist zunächst das Wichtigste.
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Deutsch lernen ist zunächst das Wichtigste.

Flüchtlinge

  • Uta Grossmann
    vonUta Grossmann
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Die Schlüchterner Flüchtlingsinitiative Brücken-Café hat mit zwei weiteren Preisträgern am Donnerstag die Auszeichnung für ehrenamtliches Engagement 2013 im

Die Schlüchterner Flüchtlingsinitiative Brücken-Café hat mit zwei weiteren Preisträgern am Donnerstag die Auszeichnung für ehrenamtliches Engagement 2013 im Main-Kinzig-Kreis erhalten. Das Brücken-Café bietet Deutschunterricht für Migranten an. Jeden Tag stehen Kurse für Anfänger und für Fortgeschrittene auf dem Programm. In diesem Umfang ist das Angebot in der Region einzigartig.

Die zentrale Flüchtlingsunterkunft des Kreises ist Hof Reith in Schlüchtern. Bis zu 150 Flüchtlinge leben in dem ehemaligen Schülerwohnheim am Rande der Stadt und warten darauf, dass über ihre Asylanträge entschieden wird. Das kann Monate oder gar Jahre dauern. In der Zeit haben die Menschen keinen Anspruch auf Deutschkurse. Erst wenn sie einen Aufenthaltstitel erhalten, können sie an einem Integrationskurs teilnehmen.

In diese Lücke springen Ehrenamtliche aus Schlüchtern und Steinau. Derzeit sind es 24, pensionierte Lehrer, ein Arzt im Ruhestand und Menschen, die noch im Berufsleben stehen. Sprache ist der Schlüssel zur Integration. Die Flüchtlinge sind dankbar für die Möglichkeit, ein wenig Deutsch zu lernen. Sie kommen auch bei Schnee und Regen aus Hof Reith ins Jugendbüro Check-in in der Innenstadt. Die Stadt stellt die Räume zur Verfügung.

Röhl lehrt sie das wichtigste Wort

Das Brücken-Café entstand 2005 aus einer Initiative der evangelischen Gemeinde. Sabine Dänner war damals im Kirchenvorstand. „Wir wollten eine interreligiöse, interkulturelle Begegnungsstätte schaffen“, erzählt sie. Noch heute veranstaltet das Brücken-Café vier Abende in Jahr, meist zu bestimmten Themen, die alteingesessene Schlüchterner und Migranten zusammenbringen. Die Deutschkurse gibt es seit 2006. Die evangelische Kirche, der Landkreis und der Verband Spessart regional unterstützen das Projekt. Clas Röhl koordiniert die Flüchtlingsarbeit. Dafür hat der Volkswirt bis November 2014 eine hauptamtliche Stelle, die mit Geld der Europäischen Union aus dem Leader-Programm für innovative Projekte im ländlichen Raum finanziert wird. Zudem unterrichtet er ehrenamtlich.

An einem Freitagmorgen unterrichten Röhl und die pensionierte Lehrerin Rosemarie Böttcher zwei Gruppen. Im Anfängerkurs sitzen junge Männer aus Eritrea, Äthiopien und Pakistan.

Röhl bittet jeden in einer Mischung aus Englisch und Pantomime, seinen Namen zu nennen und ihn an die Tafel zu schreiben. Dann lehrt er sie „das wichtigste Wort: danke“. Sagt es oft, rät er, die Menschen mögen das.

Er verteilt ein Arbeitsblatt mit einfachen alltagstauglichen Sätzen. „Es tut mir leid, ich habe nicht verstanden“, wiederholen die Flüchtlinge wieder und wieder, bis die schwierigen Worte ihnen flüssiger über die Lippen kommen.

Hin und wieder erhält das Café Spenden

Neu ist der Frauen-Treffpunkt, den das Brücken-Café jeden Mittwoch für Mütter und Kinder in Hof Reith anbietet. Ehrenamtliche um Corinna Brauckmüller organisieren die Treffen. „So erreichen wir Frauen, die die Flüchtlingsunterkunft selten verlassen“, sagt Brauckmüller.
Die Frauen sitzen beisammen, spielen mit den Kindern, verständigen sich mit Händen und Füßen, stricken manchmal oder naschen Plätzchen. Die Deutschen und die Flüchtlinge kommen sich näher, das baut Gefühle von Fremdheit ab.

Nicht alle Flüchtlinge können an den Deutschkursen teilnehmen. Einige seien depressiv, hätten aufgrund traumatischer Erlebnisse psychische Probleme, berichtet Röhl. Durch den Kontakt mit den Menschen erfährt er auch von gesundheitlichen Nöten, Neulich beobachtete er eine Frau, die offensichtlich krank war. Er konnte eine ärztliche Untersuchung organisieren, die Frau wurde im Krankenhaus operiert.

Hin und wieder erhält das Brücken-Café Spenden, zuletzt 1000 Euro von der Hermann Pusch Stiftung aus Steinau. Davon können Ausflüge bezahlt werden. Röhl würde gern Lehrbücher kaufen. Bisher müssen sie mit Kopien zurechtkommen, die die Stadt Schlüchtern stellt.

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