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Bei der Fernwärme in Hanau ist Bewegung drinnen.

Hanau

Fernwärme in Hanau wird teurer und klimaneutral

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Die Stadtwerke Hanau stellen sich auf das Ende des Kohlekraftwerks Staudinger ein.

Laut dem Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg entsteht an 55 Standorten in Deutschland Fernwärme aus Kohleverstromung, einer davon ist das Kraftwerk Staudinger bei Hanau. Die Stadtwerke Hanau (SWH) beziehen durchschnittlich drei Viertel der Fernwärme von Staudinger. Nun wird nach einem Ersatz gesucht, sagt SWH-Geschäftsführerin Martina Butz. Zum einen läuft der Vertrag mit dem Kraftwerksbetreiber Uniper nur noch bis Ende 2024, zum anderen bleibt wegen des vom Bund beschlossenen Kohleausstiegs ohnehin spätestens von 2038 an Block 5 für immer kalt. Hinzu kommen die steigenden Preise für CO2-Zertifikate. Staudinger soll mit rund 2,6 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr mit zu den größten CO2-Emittenten in Deutschland zählen (europäisches Schadstoffregister, 2013).

Die Hanauer Fernwärmeverbraucher werden die Entwicklung bereits ab April auf der Abrechnung und bei der Vertragsdauer ablesen können. Der Tarif wird um 5,3 Prozent auf 8,11 Cent pro Kilowattstunde Wärme steigen. Für einen vierköpfigen Haushalt wird Wärme damit um rund 100 Euro im Jahr teurer. Ein moderater Anstieg, so Butz. Die Anhebung wäre wegen der Emissionszertifikate für Staudinger noch deutlich höher ausgefallen, wären die SWH nicht auf klimaneutrale Fernwärme umgeschwenkt, heißt es.

Rund 1200 private und gewerbliche Kunden, damit ist nicht der einzelne Verbraucher gemeint, sondern etwa Wohnanlagen, beziehen von den Stadtwerken Hanau (SWH) Fernwärme.

Die Versorgungsquote liegt laut SWH in der Innenstadt bei 30 Prozent, in der Weststadt, die in der 1960er Jahren geplant wurde, bei 80 Prozent.

Die Versorgung wird mit dem Kraftwerk Staudinger und zwei Heizwerken der Stadtwerke gesichert. sun

Das CO2, das im Kohlekraftwerk Staudinger und SWH-eigenen gasbefeuerten Heizwerken für die benötigte Fernwärmemenge entsteht, wird künftig zu hundert Prozent von zertifizierten Klimaschutzprojekten etwa in Schwellen- oder „Dritte Welt“-Ländern ausgeglichen, erläutert Butz. Für die Realisierung von zertifizierten Klimaschutzprojekten nutzen die SWH die Dienste der Hamburger Agentur Klima-Invest Green Concept.

Neukunden bekommen gleich „Fernwärme Plus“, Bestandskunden erhalten neue Verträge. Auch Industriekunden sollen zur Jahresmitte neue Kontrakte bekommen, hier müssen zum Teil langfristige Lieferverträge abgelöst werden, heißt es. Über die Änderungen in den Großkundentarifen wurden keine Angaben gemacht. Die Verträge werden künftig auf zwei Jahre begrenzt, um die Tarife so schneller der Marktentwicklung bei den Gaspreisen und dem Handeln von Emissionswerten anpassen zu können, so Butz. Nach Jahren der sinkenden Erdgaspreise zieht die Preiskurve seit Anfang 2019 wieder an, berichtet das Vergleichsportal Verivox. Überdies kann sich der Umbruch in der Versorgungsstruktur der Hanauer Fernwärme bald auch im Tarif niederschlagen. Die billige Kohle wird durch das teurere Erdgas ersetzt werden müssen.

Laut Butz ist derzeit unklar, wie es Ende 2024 weitergeht. Eine Lösung soll in diesem Jahr gefunden werden. Es stünden Gespräche mit Uniper bevor. Viele Varianten seien denkbar, vom Ausbau einer autarken Versorgungsstruktur der SWH unter Einbeziehung von Industrieabwärme und regenerativen Energien bis hin zu einem großen Blockheizkraftwerk für Erdgas auf dem Staudinger-Gelände unter Beteiligung der SWH, so Butz. Offen ist auch, ob die Gemeindewerke Großkrotzenburg mit im Boot sein werden. Sie beziehen eigenständig von Staudinger Fernwärme. Dort zahlt der Kunde knapp fünf Cent pro Kilowattstunde, eine Tariferhöhung sei in diesem Jahr nicht vorgesehen, heißt es auf Anfrage.

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