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Jutta Müller (li8nks) und Evelyn Wenzel-Rupprecht.
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Jutta Müller (li8nks) und Evelyn Wenzel-Rupprecht.

Hanau Frauenhaus

„Existenz ist nicht gefährdet“

  • Wiebke Rannenberg
    VonWiebke Rannenberg
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Zwei Mitarbeiterinnen des Hanauer Frauenhauses sprechen im FR-Interview über Kürzungen, das Spendensammeln und gesicherte Zuschüsse. Die Existenz der wichithgen Einrichtung ist zwar nicht in akuter Gefahr, doch die Frauen müssen sich auf Zuschüsse verlassen können.

Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) hat angekündigt, dass die Stadt ihren Zuschuss für das Frauenhaus um 20 Prozent kürzen wird. Erinnert Sie das an 2004, als das Land bei vielen sozialen Einrichtungen den Rotstifts ansetzte?

Jutta Müller: Nein, auf keinen Fall, dieser Eindruck darf nicht entstehen, unsere Situation ist mit der Lage von 2004 überhaupt nicht zu vergleichen. Vor zehn Jahren war das Hanauer Frauenhaus in seiner Existenz bedroht, weil es geschlossen werden sollte. Auch gerade die Stadt Hanau hat uns hier unterstützt, weil sie mit uns seit 2009 einen Leistungsvertrag abgeschlossen hat, über den uns der Zuschuss zugesichert ist.

Evelyn Wenzel-Rupprecht: Die Kürzung des Hanauer Zuschusses von 5000 Euro ist zwar schmerzlich, die stecken wir nicht so einfach weg. Aber sie gefährdet nicht unsere Existenz. Bisher bekommen wir von der Stadt 25.000 Euro, dann werden es 20.000 sein. Unser gesamtes Budget liegt aber bei 320.000 Euro.

Müller: Aber wir hoffen natürlich, dass die anderen Kommunen im Altkreis Hanau und der Main-Kinzig-Kreis, die uns unterstützen, nicht auch ihre Zuschüsse kürzen. Die Zahlungen aus der öffentlichen Hand machen ungefähr 40 Prozent unseres Personaletats aus, aus Spenden bekommen wir rund 35 Prozent.

2013 bot das Frauenhaus Platz und Schutz für 93 Frauen und 103 Kinder, hinzu kamen zahlreiche Beratungen. Wie haben Sie vor zehn Jahren die Schließung abgewendet?

Müller: Letztlich hat uns die Spendenkampagne gerettet, die „Teamwerbung 3.0 Hanau“ mit dem Hanauer Anzeiger für uns konzipiert hat. Unter dem Motto „Wir brauchen kein Mitleid sondern Mittel“ sammeln wir bis heute Geld.

Wie machen Sie das?

Müller: Wir müssen die Menschen davon überzeugen, wie wichtig unsere Arbeit ist. Und das haben wir geschafft. In den vergangenen zehn Jahren ist das Thema Gewalt an Frauen hier in Hanau aus der Tabuzone herausgekommen. Inzwischen sind Firmen nicht nur bereit zu spenden, die Vertreter stellen sich auch gerne für ein Pressefoto zur Verfügung.

Wenzel-Rupprecht: Wir würdigen auch jede kleine Spende. Ich bedanke mich für jede Spende, auch für 20 Euro, schriftlich – sofern auf dem Überweisungsträger eine Adresse steht. Und bei größeren Spenden, so ab 200 Euro, verschicke ich auch den Jahresbericht. Der ist ein wichtiges Instrument der Werbung, wir gestalten ihn so, dass er nicht nur die Fachöffentlichkeit anspricht. Im Bericht 2013 zum Beispiel beschreibt eine 38-Jährige, wie sie als Kind die Zeit im Hanauer Frauenhaus erlebt hat.

Spenden allein können die Kosten nicht decken

Wer gibt Geld? Gibt es den typischen Spender, die typische Spenderin?

Müller: Nein, eigentlich nicht. Oft sammeln Menschen auf ihren Geburtstagen für uns. Oder Firmen verzichten auf Weihnachtsgeschenke. Oft spenden auch Frauengruppen, Gewerkschaften wie jetzt die IG Metall Hanau zum Internationalen Frauentag am 8. März oder kirchliche Gruppen. Auch bei den Hanauer Märchenfestspielen wurde in den vergangenen Jahren für uns gesammelt.

Wenzel-Rupprecht: Eine große Hilfe ist auch der Hanauer Stadtlauf, dessen Erlös immer an uns und das Frauenhaus in Wächtersbach geht. Das ist toll, die Stadt und der Kreis organisieren alles, wir haben damit keine Arbeit.

Also sind kommunale Zuschüsse gar nicht mehr nötig, weil Sie viele Spenden bekommen?

Müller: Das ist die Gefahr, dass dieser Eindruck entstehen könnte. Aber das stimmt auf keinen Fall. Wir brauchen die berechenbaren Einnahmen aus den Zuschüssen. Außerdem geht durch die Spendenwerbung und Betreuung sehr viel Zeit verloren, die wir besser für unsere Arbeit mit den Frauen und Kindern verwenden könnten.

Wollen Sie gegen die Kürzung protestieren?

Wenzel-Rupprecht: Das haben wir noch nicht entschieden. Mitte April treffen wir uns mit den fünf weiteren Hanauer Beratungsstellen, bei denen auch gekürzt werden soll. Außerdem hoffen wir, dass von der neuen Landesregierung unter Beteiligung der Grünen wieder Geld vom Land kommt.

Interview: Wiebke Rannenberg

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