TÜV-Kontrolle

Erhebliche Mängel festgestellt

  • Wiebke Rannenberg
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Bei einem Großteil der zur Beginn der Woche vom TÜV untersuchten Fahrzeuge wurden erhebliche Mängel festgestellt - Rund 40 Fahrzeuge müssen zurück in die Werkstatt. Ein TÜV-Prüfer hat sein Geständnis abgelegt.

Korrodierte Bremsleitungen, ausgeschlagene Radlager, ganz viel Rost und Bremsen, die schief ziehen. Das seien einige der Schäden, die die Experten von Polizei und Regierungspräsidium Darmstadt (RP) an Fahrzeugen festgestellt hätten, die sie zu Beginn der Woche untersuchten, sagte Kriminaloberkommissar Volker Kamm gegenüber der Frankfurter Rundschau.

41 der 50 Fahrzeuge hätten „erhebliche Mängel“, sagte Kamm, sie hätten keine TÜV-Plakette bekommen dürfen. Die Halter müssten die Wagen nun reparieren lassen und erneut beim TÜV vorfahren. Auch die Nummernschilder mit den TÜV-Plaketten und die Fahrzeugscheine seien einbehalten worden. Drei der Fahrzeuge seien sofort stillgelegt worden und durften den Hof nicht mehr verlassen.

Zwei Prüfer gegen die Vorschriften

Kamm leitet die Arbeitsgruppe Pentagon im Polizeipräsidium Südosthessen, die in Korruptionsfällen ermittelt. Dazu gehört auch der Vorwurf gegen zwei (inzwischen gekündigte) Prüfer des TÜV Hessen, die in der Hanauer Niederlassung arbeiteten. Ihnen wird zur Last gelegt, Autos die Prüfplaketten aufgeklebt zu haben, die sie aus Sicherheitsgründen nicht hätten bekommen dürfen – gegen Schmiergeld. Nach Angaben der Polizei hatte sich der TÜV selbst an die Staatsanwaltschaft gewandt, weil Unregelmäßigkeiten aufgefallen waren. Kamm geht davon aus, dass die zwei Prüfer schon „mehrere Jahre lang“ gegen die Vorschriften verstießen.
Vor einem Monat hatten die Polizisten in einer großangelegten Aktion die Hanauer TÜV-Niederlassung sowie eine Handvoll Werkstätten in Offenbach, Hanau und Umgebung durchsucht.

Die Fahrzeuge, die nun vom RP und der Polizei geprüft wurden, seien alle in den Wochen vor den Durchsuchungen von den beschuldigten Prüfern begutachtet worden, sagte Kamm.
Für die Überprüfungen hatte Kamm auf eine Überrumpelungstaktik gesetzt: Bereitschaftspolizisten klingelten morgens an den Haustüren der Halter und forderten diese auf, ihre Wagen sofort zur Untersuchung zu bringen.Noch auf dem TÜV-Gelände wurden sie von Polizisten befragt. Kamm sagte, die Leute seien „kooperativ gewesen“. Doch gegenüber der FR hatten Betroffene auch Kritik geäußert und sich zum Beispiel darüber beschwert, dass niemand ihnen den Verdienstausfall ersetzen werde.

Kamm verteidigte das Vorgehen: Es sei um die Sicherung von Beweisen und um die Sicherheit im Straßenverkehr gegangen. Die Halter seien „als Zeugen vernommen worden“. Bei Zweien habe sich aber der „konkrete Verdacht ergeben, dass Bestechungsgelder gezahlt wurden“.

Volker Kamm geht davon aus, dass die Ermittlungen und Vernehmungen in diesem Fall noch sechs bis acht Monate dauern werden. Die beiden Beschuldigten seien nicht in Untersuchungshaft, sagte er – auch deshalb, weil einer von ihnen ein Geständnis abgelegt habe.

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