Tobias R. tötete am 19. Februar neun junge Hanauer mit Migrationsgeschichte.
+
Tobias R. tötete am 19. Februar neun junge Hanauer mit Migrationsgeschichte.

Hanau-Attentat

Empörung über BKA-Bericht

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
    schließen

Laut dem Berichts des BKA war der Hanau-Attentäter angeblich vor allem Verschwörungstheoretiker, kein Rechtsextremist. Angehörige der Opfer und Überlebende sind fassungslos.

Die vorläufige Einschätzung des Bundeskriminalamtes (BKA), der Hanauer Attentäter Tobias R. sei vor allem von Verschwörungstheorien, nicht von Rechtsextremismus geprägt gewesen, hat Kritik und Empörung ausgelöst. Hermann Schaus, Innenexperte der Linken im Hessischen Landtag, sagte der FR, die Bewertung des BKA sei überhaupt nicht nachvollziehbar und verharmlosend. R. habe eindeutig eine rechtsextremistische Tat begangen und sie mit entsprechenden Parolen begründet. Zudem „wollte er Angst und Schrecken verbreiten“, so Schaus. „Deshalb muss er als Rechtsterrorist eingeordnet werden.“ Ob sein ganzes Vorleben dazu passe – ob und wie lange er zuvor beispielsweise in ein festes rechtsextremes Netzwerk eingebunden war –, spiele keine Rolle, betont Schaus. Letzten Endes stehe fest: „Er hat sich radikalisiert und seine Anschlagspläne umgesetzt.“

Der 43-jährige R. hatte am 19. Februar in Hanau gezielt neun Menschen mit Migrationsgeschichte ermordet. Danach tötete er seine Mutter und sich selbst. Am Wochenende machte der Rechercheverbund von WDR, NDR und SZ Teile eines Abschlussberichts zur Tat öffentlich, an dem das BKA arbeitet. Demnach sieht das Fazit bislang so aus: R. habe ein rassistisches Verbrechen begangen, sei jedoch kein Anhänger einer rechtsextremistischen Ideologie gewesen. Seine Opfer habe er so ausgewählt, damit seine Verschwörungstheorie von einer totalen Überwachung durch einen Geheimdienst mehr Beachtung finde. In diese Vorstellung habe er sich hineingesteigert, offenbar bis zur Paranoia.

Es seien keine Hinweise auf eine „typisch rechtsextreme Radikalisierung“ gefunden worden. Die rechtsextremen Äußerungen in seinem sogenannten Manifest habe der Attentäter erst spät ergänzt, heißt es. Darin schrieb er unter anderem, bestimmte „Volksgruppen, Rassen und Kulturen“ müssten „komplett vernichtet“ werden, weil sie „in jeglicher Hinsicht destruktiv“ seien.

Der BKA-Bericht hat Angehörige von Opfern sowie Überlebende enttäuscht und fassungslos gemacht, wie die FR von Unterstützern erfuhr. „Ihr könnt es so drehen, anders drehen oder auch umdrehen, aber die Wahrheit könnt ihr niemals verbergen: Es war ein rassistischer Mord an neun unschuldigen Menschen in Hanau“, schrieb Kemal Kocak dazu. In seinem Kiosk ermordete R. fünf Menschen, verletzte weitere lebensgefährlich. Tobias R. sei zu 100 Prozent ein Rassist gewesen. „Redet es nicht schön, sondern tut was dafür, dass so was nie wieder passiert“, so Kocak. Ihm drängt sich die Frage auf, wie das BKA reagiert und welche Schlüsse es gezogen hätte, wenn der Täter „ein Muslim oder ein Ausländer“ und die Opfer „neun unschuldige Deutsche“ wären.

Auch die „Initiative 19. Februar Hanau“, die die Aufklärung vorantreiben will und Angehörigen hilft, übt Kritik. Deutschland habe seit Jahrzehnten ein Problem mit rechtem Terror. Dazu gehöre, Nazis nicht zu erkennen und zu benennen: „Es reicht offensichtlich nicht mal, neun Menschen aus rassistischen Motiven zu töten, um vom BKA als Rechtsextremist eingestuft zu werden.“ Das sei unglaublich. Die rechtsextreme Gesinnung des Täters sei unzweifelhaft in seiner Tat und dem „Manifest“ dokumentiert. Es verwundere nicht, dass Anschläge nicht verhindert würden, wenn die Behörden „selbst jetzt nicht verstehen wollen“, dass sie ihre Kriterien anpassen müssten. „Die organisierten Glatzköpfe mit Springerstiefeln sind die Faschisten von gestern.“ Man müsse nicht mit ihnen Kontakt haben, um rechtsextrem zu sein. Und psychisch krank und ein Nazi zu sein schließe sich nicht aus.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

503 Service Unavailable

Hoppla!

Leider ist unsere Website zur Zeit nicht erreichbar. Wir beeilen uns, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es gleich nochmal.