Hanau

Eltern gründen Waldorfschule

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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In Hanau ist eine neue Waldorfschule entstanden. Der Unterricht beginnt nach den Sommerferien mit zunächst zwei Klassen.

Die Schullandschaft in Hanau wird nach den Sommerferien um eine Facette reicher sein. Die Elterninitiative des Hanauer Waldorfkindergartens darf eine Freie Waldorfschule gründen. Gestartet wird als Zwergschule mit den Klassen 1 und 3. Die private Bildungseinrichtung soll jedoch zügig wachsen, an ihr sollen einmal alle Abschlüsse gemacht werden können.

„Endlich, nach zwei Jahren und zähem Ringen, haben wir vom Staatlichen Schulamt die Genehmigung erhalten“, sagt Mitinitiatorin Gundula Pfältzer. Das Projekt habe den Eltern der Kita schon seit vielen Jahren auf den Nägeln gebrannt. Die nächsten Waldorfschulen stünden in Dietzenbach, Frankfurt, Oberursel und Bad Nauheim und damit immer eine Stunde Fahrzeit entfernt, so Pfältzer. Überdies seien etwa in Frankfurt ob der Nachfrage kaum Plätze zu bekommen. Dass sich die Mühe der Schulgründung lohnt, um die Waldorfpädagogik der Kita fortzusetzen, steht für Pfältzer außer Zweifel. Die Ärztin mit drei Kindern im Alter von ein, drei und fünf Jahren besuchte in Weimar selbst eine Waldorfschule. „Ich habe dort sehr viel für das Leben gelernt, mehr als in einer Regelschule“, sagt sie.

Der letzte Versuch in Hanau, eine Schule nach der Pädagogik von Rudolf Steiner auf die Beine zu stellen, liegt vier Jahre zurück. „Wir haben die Vorarbeit von damals aufgenommen und uns mit der Landesarbeitsgemeinschaft Freier Waldorfschulen beraten sowie uns Hilfe aus Dietzenbach geholt, die unsere Patenschule geworden ist“, sagt Pfältzer.

Ohne diese Unterstützung sei es nicht zu schaffen gewesen. Pfältzer bezieht in ihr Lob ebenso die Stadt Hanau ein, die einen ehemaligen Trakt der Tümpelgartenschule mit vier Klassenräumen zur Verfügung stellt. Das Schulamt habe strenge Auflagen zu den Räumen gemacht. Zudem sichert die Stadt mit einer Bürgschaft über 400 000 Euro für die kommenden vier Jahre den Betrieb. Erst nach dieser Zeit erhält die Neugründung finanzielle Förderung vom Land als Ersatzschule.

Die Räume der Tümpelgartenschule können für ein Jahr genutzt werden, weil nach der Aufgabe der Haupt- und Realschule dort ein Bildungszentrum entstehen wird. Für die Initiatoren der Waldorfschule ist der endgültige Standort bereits fest geplant.

Auf dem Gelände einer ehemaligen US-Kaserne im Stadtteil Wolfgang wird ein Gebäude entstehen. Das Konzept sieht vor, dass die Schule mit der Zahl der Klassenjahrgänge in drei Abschnitten wächst. Eine Turnhalle, die als Aula genutzt werden kann, kommt hinzu. Die für Waldorfschulen typische Asymmetrie des Gebäudes werde es im gewissen Maß geben. Der Architekt habe Erfahrung im Bau von diesen Schulen, heißt es. Das Hauptbaumaterial werde voraussichtlich Holz sein, so Pfältzer. „Es muss eine Schule werden, in der sich die Schüler wohlfühlen.“ Ein Investor wird den Bau finanzieren, der elterngeführte Schulverein ist Mieterin.

Nach Ende der großen Ferien am 15. August geht es zunächst mit zwei Klassen los, jedes Jahr solle eine neue hinzukommen, heißt es. Für den Beginn sind vier Lehrerinnen mit Qualifikation in der Waldorfpädagogik unter Vertrag. Zu den Besonderheit dieser Schule gehört nicht nur, dass Persönlichkeit und Kreativität gefördert werden, sondern ebenso Sprachen. Daher wird ab der ersten Klasse Englisch und Spanisch unterrichtet. In Hanau wird auf eine reduzierte Klassenstärke von 25 Schülern statt 36 gesetzt. Die Kinder müssen zuvor weder eine Waldorf-Kita besucht haben noch in Hanau wohnen.

Laut Pfältzer wird die Schule bis 2032 alle Jahrgänge bis zum Abitur bieten können. Die Jugendlichen sollen auch die Option eines Haupt- und Realschulabschlusses haben. Die Finanzierung des Schulbetriebs erfolgt, neben Spenden für die Anfangsphase, nach einem Dreisäulenmodell: Schulgeld, Land sowie Eltern und Lehrer im Trägerverein, die sich verschiedentlich engagierten, um Ausgaben zu reduzieren, etwa beim Gestalten der Klassenzimmer, so Pfältzer. Das Schulgeld beträgt durchschnittlich 320 Euro pro Monat, 90 Euro kommen für optionale Nachmittagsbetreuung hinzu. Für das wahlweise vegetarische Mittagessen in der Schule werden vier Euro pro Mahlzeit genommen.

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