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Der zweijährige Oskar bestaunt eine Märklin-Modelleisenbahn der Spurweite H0.

Hanau

Eisenbahngeschichte in Spurweiten

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Das Puppen- und Spielzeugmuseum in Hanau zeigt die Sonderschau „Es rattert, dampft und schnauft ...“. Die Exponate sind zum Teil bis zu 130 Jahre alt.

Der Laie wirft sie oft in einen Topf, Kenner wissen hingegen sehr genau zwischen Spielzeug- und Modelleisenbahn zu unterscheiden. Das Hessische Puppen- und Spielzeugmuseum hat nun in der Sonderausstellung „Es rattert, dampft und schnauft ...“ beides zusammengebracht - fein differenziert und mit vielen Raritäten. Knapp 200 Jahre Eisenbahngeschichte en miniature werden gezeigt. Die Exponate sind selbst zum Teil bis zu 130 Jahre alt. Es handelt sich um Leihgaben aus dem Spielzeughaus Freinsheim bei Ludwigshafen, dem Nürnberger Spielzeugmuseum und von Privatsammlern.

Der blau-gelbe „Atomic Train“ mit seinen schwarzen aufgedruckten Bullaugenfenster besitzt eher die Gestalt eines Marzipanbrotes denn eines Zukunftszuges. Unter der Konservenblechkarosserie sorgt denn auch kein Nuklearreaktor für den Antrieb, sondern ein Schwungradmotor. Die Firma Höfler brachte in den 1950er Jahre diese Vision des rasanten Bahnfahrens in die Kinderzimmer. Zu einer Zeit als etwa Märklin handflächengroßes Zugmaterial schon für den detailverliebten Erwachsenen auf den Markt brachte. Die Ausstellungsmacher Frank-W. Blache und Joachim Wiebel verfolgen mit ihrem Konzept zwei Wege: die Entwicklung von der Spielzeug- zur Modellbahn und der Spurweiten - von der gartenbahntauglichen Größe 1, der kinderhandfreundlichen Spur 0, die Anfang der 50er Jahren von H0 abgelöst wurde, bis hin zum nur einen halben Zentimeter breiten Z-Gleis.

Das Programm

Vorführung alter Spur 0 Eisenbahnen mit Holger Meinel, 14. Nov., 10-12 Uhr und 14-16 Uhr, 15. Nov., 10-13 Uhr.

Mit dem Nikolaus unterwegs, Spur 0 + H0, mit Dieter Beckh, 5. Dez., 10-12 Uhr und 14-16 Uhr, 6. Dez., 10-13 Uhr.

Hessisches Puppen- und Spielzeugmuseum Hanau-Wilhelmsbad, Parkpromenade, Di.-Fr. 14-17 Uhr, Sa.+So. 10-17 Uhr.

Damit ergibt sich eine chronologische Darstellung, die von Nebenthemen begleitet wird wie Signaltechnik oder Antriebsarten sowie Geschwindigkeit, vom einst mit 20 Kilometer in der Stunde zwischen Nürnberg und Fürth zuckelnden „Adler“ bis zum pfeilschnellen japanischen Shinkansen. Im Laufe der Ausstellungsdauer bis September 2021 sollen weitere Themen wie Reisen seit Beginn des Eisenbahnzeitalters oder der Komfort einer Zugfahrt hinzugenommen werden, sagt Blache.

Natürlich spiegelt sich in den zum großen Teil erstaunlich gut erhaltenen Exponaten - vermutlich einst nur zur Weihnachten hervorgeholte Bahnen - nicht allein ein museumspädagogischer Auftrag wider. Der emotionale Faktor kommt ebenso nicht zu kurz. Da mag schon der Anblick der mit einer wunderbar illustrierten Zugszene bedruckte Kartondeckel ausreichen, um an den Moment des Öffnens erinnert zu werden.

Erinnerungen werden auch mit manchen Markennamen geweckt, etwa die Nürnberger Ottmar Beckh KG, deren Lichter 1969 erloschen. Ein Nachfahre habe mittlerweile einige Modelle der Blechspielzeugfabrik wieder zusammengetragen, so Wiebel. Stücke aus dieser Sammlung sind nun in der Sonderausstellung zu sehen. Bubenträume auf silberglänzenden Gleisen der Spur 1 oder 0 produzierte gleichfalls Bing. Das Nürnberger Unternehmen galt einst als weltgrößter Spielzeughersteller. Die Eisenbahnsets waren meist einfache Pressungen aus Blech, aber auch anspruchsvoll wie der knapp 100 Jahre alte, elektrisch angetriebene „Pennsylvania Lines“ mit seinem schwerem Metallgussgehäuse.

Der Firma Bing, die die Weltwirtschaftskrise der 20er Jahre nicht überstand, wird im Begleitheft zur Schau ein ganzes Kapitel gewidmet. Die Broschüre ist weniger eine Wiederholung der Ausstellung denn eine Ergänzung. Sie erklärt die Modellbahnspuren und berichtet über Eisenbahngeschichte, die Bedeutung der Bahn in den Weltkriegen und über technische Ausflüge wie die Vision von einer Monotrail- oder Schwebebahn.

www.hpusm.de

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