Bei einer Führung durch das Schloss Philippsruhe betrachten Besucher die Entwürfe für das Oppenheim-Denkmal.
+
Bei einer Führung durch das Schloss Philippsruhe betrachten Besucher die Entwürfe für das Oppenheim-Denkmal.

Oppenheim-Denkmal

Debatte über das Denkmal

Das Oppenheim-Denkmal in Hanau sorgt für Gesprächsstoff.

Von Anne Lorenc

Wer mitreden will, sollte sich sachkundig machen.“ Mit dieser Einstellung kam am Samstag eine Handvoll Interessierter zu einer Sonderführung ins Schloss Philippsruhe. Dort sind im Obergeschoss, in Räumen neben der Ausstellung von Bildern des Hanauer Malers Moritz Daniel Oppenheim alle Entwürfe zu sehen, die eingereicht wurden für das künftige Oppenheim-Denkmal auf dem Freiheitsplatz. Seit Anfang Dezember Jury und Magistrat die Stahl-Skulptur „Moritz und das tanzende Bild“ von Robert Schad zum Favoriten erklärt hatten, wird in der Stadt darüber diskutiert. Das Parlament wird Ende Januar entscheiden.

Als „gut informiert“ bezeichnete sich am Samstag Sibylle Lengler. Die Hanauerin hatte ihren Mann mit zur Sonderführung gebracht, damit er sich ebenfalls eine Meinung bilden könne, sagte sie. Die an Wochenenden angebotenen Führungen zu den sechs Entwürfen, die jeweils bis zu 20 Interessenten anlocken, sollen den Bürgern helfen, sich selbst ein Bild zu machen und zu einer fundierten Entscheidung zu kommen. Das erhoffte sich auch Cettina Colantonia von der Museumsverwaltung, die am Samstag die Modelle erklärte. „Bisher habe ich immer von Schads Entwurf überzeugen können“, sagt sie.

Die Jury hatte klare Vorgaben

Nicht strittig war unter den Besuchern, dass Oppenheim ein Denkmal an repräsentativer Stelle verdient habe und dass die rund 225 000 Euro inklusive Transport und Installationskosten vertretbar seien. „Wenn man immer danach gegangen wäre, dass Geld für Kultur besser an anderer Stelle auszugeben sei, dann hätten wir heute wohl noch nicht mal ein Grimm-Denkmal“, sinniert einer der Betrachter.
Schritt für Schritt leitet Cettina Colantonia ihr Trüppchen durch die Präsentation, erklärt jedes einzelne Modell, die Vor- und Nachteile. „Was hat das denn mit Oppenheim zu tun?“ fragt ein Mann in die Runde angesichts eines begehbaren steinernen Kubus mit rätselhafter Inschrift. Nichts, gibt Colantonia zu.

Jury und Magistrat, so lässt sich aus den Kommentaren der Fachfrau herauslesen, hatten klare Vorgaben bei der Ausschreibung. Der jüdische Maler, der 1799 in Hanau geboren wurde und 1882 in Frankfurt starb, hatte das Glück, in einer aufgeklärten zu Zeit zu leben und keinerlei Repressalien seines Judentums wegen zu erfahren.

Die Anwesenden sind überzeugt

Das Gegenteil war der Fall. Als Maler jüdischen Alltagslebens fand er internationale Anerkennung. Das Denkmal, so die Vorstellung, sollte die Lebensfreude und den Optimismus Oppenheims wiedergeben. Zugleich sollte das Denkmal aber auf „Hanauer Besonderheiten“ Rücksicht nehmen. Glatte Steinflächen wie beim Kubus oder einer ins Freie gestellten Rampe mit Stufen könnten als Aufforderung verstanden werden, meinte Calantonia: „Bitte, bemal,mich“.

Nach einer Stunde waren die Anwesenden überzeugt: Die Jury hatte aus dem Angebot das Beste herausgepickt. Eine 2,20 Meter große Männer-Gestalt in Biedermeier-Kleidung als Oppenheim, der auf „tanzende“ Stahlelemente blickt und durch sie hindurch auf das neue „Forum“, den künftigen geradwinkligen Einkaufs-Prachtbau auf dem Freiheitsplatz.

„Vielleicht könnte man ihn etwas drehen, damit er in Richtung Altstadt blickt“, schlug Sibylle Lengler vor. Aber die allgemeine Überzeugung war, dass die Doppelskulptur tatsächlich Leichtigkeit und Fröhlichkeit ausstrahle und außerdem „ein Spiegel unserer Zeit“ sei.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare