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Das Barocktheater im Kurpark Wilhelmsbad wurde 1781 vom Architekten Ludwig von Cancrin erbaut.

Comoedienhaus

„Das schönste und archaischste Theater“

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Das Comoedienhaus in Hanau feiert seine 50. Spielzeit nach Wiedereröffnung. Der OB fordert Landeszuschüsse für Sanierung des Traditionshauses.

Es sei „so klein – und doch so groß“. Man höre „jedes Glucksen“, als „würden die Zuschauer mit auf der Bühne sitzen“, sagt Klaus Krückemeyer, Leiter des RadioLiveTheaters von HR 2. Für Schauspieler Walter Renneisen ist es „das schönste“ und „archaischste Theater“. Nadine Kaufmann, Schülerin und Schauspielerin, sowie Regisseur Florian Hofmann beschreiben das Haus als „magischen Ort“ mit vielen Freiheiten, sich auszuprobieren.

Viele Künstler, die über das Comoedienhaus im Kurpark Wilhelmsbad sprechen, geraten ins Schwärmen, etwa über die Nähe zum Publikum oder die schlichte Eleganz. In diesem Jahr geht das Barocktheater in seine 50. Spielzeit nach dem Neustart am 3. Oktober 1969. Nachdem das 1781 errichtete Haus viele Jahre lang verfallen war, hatten sich in den 1960er Jahren das Land Hessen, die Stadt und der HR zusammengeschlossen, um es wiederzubeleben. Sie renovierten das einstige „Scheunentheater“, und schon bald diente das Comoedienhaus dem HR für seine mittlerweile eingestellten „Wilhelmsbader Produktionen“. Stars wie Charles Aznavour oder Gilbert Bécaud traten hier auf, ebenso wie zahlreiche lokale und regionale Künstler.

Jetzt wird das 50-Jährige gefeiert. Nicole Rautenberg, Geschäftsführerin der städtischen Betriebsführungsgesellschaft, und ihre Partner haben ein Programm zusammengestellt, das vielfältig und modern sein, aber auch an die Anfänge erinnern soll: Am 3. Oktober spielt die HR-Bigband ein großes Jubiläumskonzert, Orchestermanager Olaf Stötzler verspricht passend zum Namen des Hauses „unterhaltsame Musik“, unter anderem von Louis Armstrong und Duke Ellington. Am Tag darauf führt die Theatergruppe der Hohen Landesschule Friedrich Dürrenmatts „Die Panne“ auf. Das Stück über den Textilreisenden Alfredo Traps war am. 13. September 1979 in Wilhelmsbad uraufgeführt worden. Dürrenmatt war als Regisseur dabei. Andreas Kühnel, der nun Regie führt, möchte noch nicht viel verraten. Es werde eine umgeschriebene Neuauflage, mit Elementen aus der Hörspiel-, Bühnen- und Prosafassung des Werks. Kühnel hat dazu auch mit einem Schauspieler Kontakt aufgenommen, der 1979 auf der Bühne stand.

Walter Renneisen präsentiert am 5. Oktober Patrick Süskinds tragikomisches Einmannstück „Der Kontrabass“, über einen Musiker, der „einsam zweisam“ ist“, so Renneisen. Und Krückemeyer will mit „Sherlock und der Hund von Dartmoor“ Hörspiel „erlebbar, greifbar machen“ und „das Kino im Kopf zum Laufen bringen“.

Vor etwa zwei Jahren haben verschiedene Akteure aus Wilhelmsbad einen Arbeitskreis gegründet, um den Standort nach vorne zu bringen. Sie beteiligen sich unter dem Titel „Comoedienhaus & Friends“ mit Beiträgen. Der Förderverein, dem die Wiederinbetriebnahme des historischen Karussells zu verdanken ist, zeigt zum Beispiel einen Film über die Sanierung des wohl ältesten Karussells der Welt.

Das Comoedienhaus, in dem kürzlich ein neues Café eröffnet wurde, ist schön, doch der Sanierungsstau ist enorm. Nicht zuletzt die Technik muss erneuert werden. Um zu erfahren, was genau zu tun ist und wie teuer es wird, „treiben wir gerade eine Planungsstudie voran“, sagte Rautenberg auf FR-Anfrage. Wenn das Gutachten fertig ist, werden Gespräche geführt mit der Stadt Hanau und dem Land Hessen, das eine Förderung in Aussicht gestellt hat.

OB Claus Kaminsky (SPD) sicherte zu, die Stadt Hanau werde sich bei der Finanzierung „nicht vom Acker machen“, nahm jedoch auch das Land Hessen in die Pflicht, das als Eigentümer der Kuranlage auch eine „historische Verantwortung“ habe. Er hoffe, so der Kulturdezernent, dass sich die „Suchscheinwerfer“ des Landes zum Jubiläum auf das Comoedienhaus richten und dies zu einem hohen Zuschuss für die Erneuerung führt. Deren Kosten dürften einen ordentlichen Millionenbetrag ausmachen.

Das Theater

Das vom Architekten Ludwig von Cancrin errichtete Comoedienhaus wurde 1781 eröffnet. Es sollte den reichen Badegästen Unterhaltung bieten. Nach dem Ende des Kurbetriebs im 19. Jahrhundert wurde das Barocktheater kaum noch genutzt und verfiel.

Land, Stadt und HR sanierten das Haus in den 1960er Jahren, das am 3. Oktober 1969 wiedereröffnet wurde. Eigentümer ist das Land, geführt wird das Comoedienhaus aber von der städtischen Betriebsführungsgesellschaft.

Das komplette Jubiläumsprogramm steht auf www.comoedienhaus.de. gha

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