Drogenpolitik

Cannabiswerbung vor Schule in Hanau

Von Detlef Sundermann

Die Grüne Jugend wird scharf wegen eines Wahlplakats kritisiert.

Wenn die Grüne Jugend derzeit in Hanau auf Plakaten zur Kommunalwahl im März mit „Frisches Gras für alle!“ wirbt, dürfen sich Bio-Viehbauern nicht angesprochen fühlen. Gemeint ist der legale Konsum und Besitz von Cannabis. Aber nicht nur deswegen steht die Nachwuchsorganisation der Grünen in der Kritik. Das Plakat, das eine Hanfpflanze zeigt, hängt vor einer Schule.

„Dieses Plakat ist Werbung für eine Droge, das halte ich für unverantwortlich und die Anbringung gerade vor weiterführenden Schulen mit vielen Jugendlichen für besonders perfide“, schreibt die ehemalige Schulleiterin Claudia Borowski. Sie fragt sich auch: „Was hat Cannabis (die Legalisierung des Besitzes und des Konsums von Haschisch und Marihuana) mit einer Kommunalwahl hier in Hanau zu tun?“

Auch die Wählergemeinschaft Bürger für Hanau (BfH) hat sich in einem Schreiben „entsetzt“ über das Plakat und vor allem die Wahl des Standortes geäußert. In der Schule gebe es „nicht nur Meister-Schüler, sondern eben auch schwierigstes Klientel, das aus verschiedenen Gründen an einer Regelschule keinen Abschluss machen konnte“. Den Jugendlichen ein „Legalize-Cannabis-Plakat vor die Nase zu hängen, sei der blanke Hohn“, so BfH-Fraktionschef Oliver Rehbein.

Verbotspolitik gescheitert

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Grünen-Oberbürgermeisterkandidatin Anja Zeller findet den Ort der Werbung nicht ideal. Es von dort abzunehmen, dazu sieht sie jedoch keinen Grund. „Es ist das Vorrecht der Jugendorganisation auch mal zu provozieren“, so Zeller. Illegaler Drogenkonsum sei kein populäres politisches Thema, in Hanau jedoch an Ecken und Plätzen sichtbare Realität, bemerkt sie. Mit dem Plakatmotiv werde der Finger in die Wunde gelegt. „Wir leben in einer Gesellschaft, in der besonders in der jungen Generation Cannabiskonsum zur Lebensrealität gehört.“ Laut Zeller sollen 40 Prozent der 18- bis 25-Jährigen bereits Cannabis konsumiert haben. Dies zeige ein Scheitern der restriktiven Verbotpolitik, heißt es. Eine kontrollierte Abgabe könne den Konsum regulieren und gesünder gestalten, die Entkriminalisierung entlaste die Polizei.

Peter Pfeifer von der Grünen Jugend argumentiert auf gleicher Linie und sieht mit dem Plakat das Ziel erreicht: „Die öffentliche Diskussion zur Drogenpolitik wurde angestoßen.“ Es sei durchaus ein kommunales Thema. „Frisches Gras“ bedeute zudem reines Cannabis für einen sicheren Konsum. Hanau könne etwa wie Frankfurt eine Stelle für Drug Checking einrichten, so Pfeifer zur FR.

Als „nicht so klug“, bezeichnet Nicole Freitag, Geschäftsführerin der AWO Main-Kinzig und zuständig für die Suchtberatung, die Wahlwerbung der Grünen. „Für unsere Klientel in der Suchtberatung ist der Cannabiskonsum das Normalste in der Welt, sie setzen ihn mit Alkoholtrinken gleich“, sagt Freitag. Allerdings schätzt sie die Wirkung von „Frisches Gras für alle!“ als sehr gering ein. Wer noch keinen Joint geraucht habe, werde wegen des Plakates kaum damit beginnen. Die Gründe des Einstiegs seien andere, wie Gruppenzugehörigkeit, Coolness oder Probleme, sagt Freitag.

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