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Seit 2017 gilt unter bestimmten Bedingungen ein Rechtsanspruch auf Cannabis-Medikamente.
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Seit 2017 gilt unter bestimmten Bedingungen ein Rechtsanspruch auf Cannabis-Medikamente.

Hanau

Cannabis-Patient siegt vor Sozialgericht in Frankfurt

  • Gregor Haschnik
    VonGregor Haschnik
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Ein Hanauer nimmt auf Anraten seiner Ärzte medizinisches Cannabis, doch seine Krankenkasse wollte zunächst nicht zahlen. Das Sozialgericht aber gibt ihm Recht.

Nach der Entscheidung des Sozialgerichts Frankfurt fühle er eine „riesige Erleichterung“, sagt Thomas Müller. Jahrelang habe er kämpfen müssen, während eine Art Damoklesschwert über ihm geschwebt habe. Bei einer Niederlage hätte er seiner Krankenkasse einen hohen fünfstelligen Betrag geschuldet, so der Hanauer. Geld, das der kranke Frührentner nicht hat.

Müller leidet an ADHS, was lange unter anderem mit gravierenden Schlaf- und Aufmerksamkeitsstörungen einherging, außerdem an chronischen Schmerzen, die durch Verletzungen bei Unfällen verursacht wurden. Seit 2018 wird er mit medizinischem Cannabis behandelt, sein Zustand habe sich dadurch stark gebessert, haben Müller und seine Ärzt:innen festgestellt. Doch die AOK Hessen lehnte seinen Antrag auf Übernahme der Kosten ab. Die Frankfurter Rundschau hatte den Fall öffentlich gemacht.

Der 1968 geborene Patient ging mehrfach gerichtlich gegen die Ablehnung vor. Nachdem er einmal vor dem Sozialgericht gescheitert war, gab dieses 2019 einem Eilantrag von ihm statt, den er mit neuen Belegen gestellt hatte. Die Kasse musste zahlen – vorläufig. Jetzt hat das Gericht auch im sogenannten Hauptsacheverfahren zu seinen Gunsten entschieden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Müller ist aber zuversichtlich, dass die AOK sich jetzt einverstanden erklärt, weil er kürzlich einen entsprechenden Brief erhalten habe.

Die Begründung des Sozialgerichts liegt der FR vor. Sie stützt sich unter anderem auf Befundberichte sowie ein psychiatrisches Gutachten und sieht die zentralen gesetzlichen Voraussetzungen für eine Kostenübernahme – bei denen Patienten seit 2017 einen Anspruch auf Versorgung haben – erfüllt. Die Kammer folgte im Kern der Argumentation der Mediziner:innen und des Anwalts von Müller, Volker Gerloff: Dass es sich bei Müllers ADHS um eine schwerwiegende Erkrankung handele, ist nach Überzeugung der Kammer durch die Befunde erwiesen. Das Cannabis-Medikament könne helfen, eine andere adäquate Therapiemöglichkeit bestehe offenbar nicht. Auch weil bei Standardbehandlungen Nebenwirkungen drohten: Wegen eines Aneurysmas könne Müller keine gängigen Mittel wie Ritalin nehmen, weil das den Blutdruck erhöht. Demgegenüber gebe es „ausreichend Indizien“ dafür, dass die Therapie mit Cannabis Aussicht auf Erfolg habe, heißt es im Urteil, „ohne relevante Nebenwirkungen“ und Hinweise auf Abhängigkeit. Die AOK hatte unter anderem die Schwere der Krankheit und die Wirkung des Cannabis-Medikaments in Frage gestellt beziehungsweise nicht ausreichend belegt gesehen.

Mittlerweile nimmt Müller Cannabis-Blüten und ein Extrakt ein, letzteres, um besser zu schlafen. Dank der Therapie sei seine ADHS-Erkrankung „in den Hintergrund getreten“. Er fühle sich besser, sei ruhiger. Geholfen habe ihm auch sein Hund: „Er ist wie ein Therapiehund für mich.“

Das aktuelle Urteil könne wegweisend für Cannabis-Patienten sein, die an ADHS litten, sagt Müller. Bislang seien ihre Anträge abgelehnt worden. Mit der von ihm gegründeten Selbsthilfegruppe „Cannabis Patientenhilfe“ will Müller andere Betroffene unterstützen.

Thomas Müller hat die Selbsthilfegruppe Cannabis Patientenhilfe gegründet.

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