Mike Arushek serviert im Brückenkopf. Bier trinken, unterhalten und lachen ist nicht zu laut.
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Mike Arushek serviert im Brückenkopf. Bier trinken, unterhalten und lachen ist nicht zu laut.

Hanau Gastronomie Brückenkopf

Brückenkopf in Gefahr

  • Wiebke Rannenberg
    vonWiebke Rannenberg
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In der Hanauer Kultkneipe Brückenkopf wird es vorerst keine Konzerte mehr geben. Der Grund: Nachbarn beschweren sich über die Lautstärke. Die Entscheidung, keine Konzerte mehr zu geben, kann für die Gaststätte existenzgefährdend werden.

In der Hanauer Kultkneipe Brückenkopf wird es vorerst keine Konzerte mehr geben. Der Grund: Nachbarn beschweren sich über die Lautstärke. Die Entscheidung, keine Konzerte mehr zu geben, kann für die Gaststätte existenzgefährdend werden.

Die Beschwerden über zu laute Konzerte liefen schon seit Monaten, doch erst in der vergangenen Woche zogen die Betreiber die Notbremse: In der Kultur-Kneipe Brückenkopf wird es vorerst keine Konzerte mehr geben.

Kurz zuvor hatte ein Mitarbeiter des Immissionsschutzes des Main-Kinzig-Kreises an einem Samstagabend seine Messgeräte in der Wohnung eines Nachbarns aufgebaut, während nebenan eine Band spielte.

Das Ergebnis: „Es besteht Handlungsbedarf“, sagt Kreissprecher John Mewes eher zurückhaltend. Die Immissionsrichtlinie werde „deutlich überschritten“, wurde Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) kürzlich deutlicher und kündigte an, dass die Stadt helfen wolle, eine Lösung zu finden.

Am heutigen Mittwoch wollen alle zuständigen Ämter von Stadt und Kreis über die Lärmprobleme im Brückenkopf diskutieren. Danach wollen Vertreter der Stadt mit den Brückenkopfbetreibern und den Nachbarn sprechen. Die Entscheidung, vorerst auf Konzerte zu verzichten, kann für die Kneipe an der Wilhelmsbrücke existenzgefährdend werden. „Auf die Dauer können wir das nicht durchhalten, die Konzerte tragen stark zu unseren Einnahmen bei“, sagt Gregor Wilkenloh. Wenn Konzerte verboten würden, „dann müssten wir zumachen“.

Treffpunkt der Linken

Seit Januar ist Wilkenloh Vorsitzender des Vereins „Bürgertreff für Kommunikation, Information und Kultur“, der die Kneipe seit 30 Jahren betreibt. Gegründet zu Beginn der 1980er Jahre, bot das Lokal „fortan der ,linken‘ Szene Hanaus und allen anderen Bewegten einen Diskussionsraum“, heißt es in der Selbstdarstellung. Zwar habe „die politische Leidenschaft mit der Zeit etwas an Schwung verloren, Treffpunkt ist der Brückenkopf aber immer noch“, schreiben die Macher. Bis heute arbeiten nicht nur die Vorstandsmitglieder ehrenamtlich, auch einige der rund 60 Vereinsmitglieder stehen regelmäßig hinter der Theke. Aus dieser Geschichte heraus gehörten Konzerte und Veranstaltungen auch zum Selbstverständnis des Vereins und der Kneipe, sagt Wilkenloh. Regelmäßige finanzielle Unterstützung von der Stadt oder anderen Stellen gebe es nicht. Nur wenige Veranstaltungen würden gesponsert.

Wieso die Lautstärke erst jetzt zum Problem wird, könnte an zwei Umständen liegen: Zum einen soll der Nachbar noch nicht lange dort wohnen. Zum anderen habe der Brückenkopf, sagen Beobachter, immer mehr Konzerte ins Programm genommen. Wilkenloh ist sich da nicht ganz so sicher, sagt aber, dass es Dezemberveranstaltungen wie das sogenannte Adventssingen und „Harrys Last Ball“ erst seit etwa fünf Jahren gebe.

Doch für regelmäßige Konzerte habe die Gaststätte keine Genehmigung, sagt Ute Wolf, Pressesprecherin der Stadt. Zwar dürfe jede Gaststätte „ein paar“ Musikveranstaltungen im Jahr anbieten, doch das dürfe ein gewisses Maß nicht überschreiten.

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