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Bernhard Krönung glättet mit dem Skalpell eine Füllung am schlafenden Löwen.
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Bernhard Krönung glättet mit dem Skalpell eine Füllung am schlafenden Löwen.

Hanau/Fulda

Bis zu 16 Stützen im Löwen-Leib

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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In der Werkstatt von Metallbildhauer Bernhard Krönung werden die Philippsruher Tierplastiken saniert. Die Witterung und spielende Kinder hatten den Figuren zugesetzt.

Ach, wäre Landgraf Friedrich Wilhelm von Hessen-Rumpenheim (1820–1884) nur nicht der damaligen Mode der Bildhauerei gefolgt! Dann hätte er den wachenden und den schlafenden Löwen am Portal von Schloss Philippsruhe in Hanau statt aus Zink aus Bronze gießen lassen. Nun aber muss manches Kind sehnsüchtig nach den lebensgroßen Raubkatzen auf dem Sandsteinsockeln Ausschau halten und manche Hochzeitsgesellschaft ohne das tierische Beiwerk auf dem Foto auskommen - seit knapp zwei Jahren. Nach der Zwischenlagerung im Schloss befinden sich die beiden Löwen seit vergangenem September zur Sanierung in der Werkstatt des Metallbildhauers Bernhard Krönung. Denn die Plastiken aus dem Atelier des renommierten Berliner Bildhauers Christian Daniel Rauch (1777-1857) hatten 2017 bei einer Untersuchung erhebliche Schäden gezeigt, wegen der Witterung und weil Kinder - erlaubterweise - mit Freude auf den Löwen Platz nahmen.

Der wachende Löwe liegt nun gestützt von einem Holzgerüst auf der Seite. Ein Scheinwerfer leuchtet den hohlen Körper aus. Durch die nicht besonders große Öffnung in der Bodenplatte passt Krönung Stahlstützen an. „Bei der letzten Restaurierung in 2006 wurden schon zwei Stützen eingezogen“, sagt er. Doch die reichen nicht, damit das Versprechen von Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD), Kinder sollen weiterhin auf den Löwen sitzen dürfen, ohne Sorge eingelöst werden kann. „Bis zu 16 Stützen pro Löwe werden es am Ende sein“, sagt Krönung. Anders als Bronze zählt Zink zu den weichen Metallen, zudem weist die Metallhaut der Tiere eine Wandstärke von lediglich vier bis sechs Millimetern auf.

Friedrich Wilhelm, der nach dem Deutsch-Deutschen-Krieg von 1866 nicht mehr der nächste Regent von Hessen-Kassel werden konnte, aber deshalb keineswegs verarmte, ließ im Zuge des großen Schlossum- und -ausbaus von 1875 bis 1880 die tierischen Symbole des Absolutismus‘ installieren. Rauchs Löwen waren keine exklusiven Anfertigungen, sie stehen als Duplikat aus dem Atelier Rauch auch andernorts, etwa auf dem Invalidenfriedhof in Berlin.

Die Hanauer Löwen haben es nicht nur im Rücken. Der Guss erfolgte in vielen Einzelteilen, die zusammengelötet worden sind. „Aus wie vielen Teil ein Löwe besteht, lässt sich nur mit viel Aufwand ermitteln, vor allem bei der Mähne“, sagt Krönung. Die Stöße - Kanten, an denen sich die Gussstücke treffen - sind kaum sichtbar verlötet. Doch über Jahre wurden sie zu Schwachstellen, durch die etwa Regen drang. Viele gelbe Aufkleber mit dem handschriftlichen Vermerk „Bruch“ oder „Riss“ markieren nun die Schadstellen. Mit welchem Material sie geschlossen werden, soll Betriebsgeheimnis bleiben. Zusätzlich werden die Stöße von Innen quer zur Naht mit speziellem Kunststoff stabilisiert. Das tausendfache Berühren von Händen und die Witterung haben über 140 Jahre die schützende Lackschicht längst entfernt.

Bernhard Krönung gilt als bundesweite Adresse in seiner Branche. Mit der Familientradition, den elterlichen Hof im Fuldaer Stadtteil Lüdermünd zu übernehmen, brach er. Stattdessen ging er nach Kassel, um dort Metallbildhauerei zu studieren. Nach seiner Rückkehr baute Krönung den Hof zu seinem Atelier um, wo ihm seine Frau Katharina beiseite steht.

Als Sachverständiger und Baubetreuer bei regionalen wie bundesweiten Projekten etwa bei der Restaurierung des Niederwalddenkmals bei Rüdesheim, den Dachfiguren am Frankfurter Römer oder eines historischen Brunnens in Hannover hat er sich hervorgetan. In Hanau bearbeitet Krönung neben den Löwen aktuell auch das Balkongeländer des historischen Neustädter Rathauses, das derzeit von Grund auf saniert wird.

Lange soll es nicht mehr dauern, bis der wachende und schlafende Löwen wieder das Schlossportal zieren. Doch zuvor werden die Plastiken lackiert, mit einem konventionellen Lack. Über Jahrzehnte hatte die Oberfläche den optischen Charme von Regenrinne. Bei früheren Restaurierungen sei allenfalls ein Wachs als Wetterschutz aufgetragen worden. Zink sei ohnehin ziemlich witterungsbeständig.

Die ursprüngliche Farbe der Löwen lässt sich mangels Farbfotografien aus dem 19. Jahrhundert nicht rekonstruieren, wohl aber an den wenigen, kleinen Stellen etwa am Löwenmaul, wo sich Reste von rötlich-braunem Lack befinden. „Man nahm damals gern ein Kupferbraun, damit die Plastik edler aussieht - in Anlehnung an Bronze“, erläutert Krönung. Die Farbreste bilden jedoch keine Referenz. Wie der Farbton am Ende aussehen wird, wird zusammen mit der Stadt entschieden. Bei zügiger Einigung könnten die Löwen schon im Sommer wieder vor dem Schloss wachen.

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