Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Vili Viorel Paun stellte sich dem Attentäter in den Weg. Am Kurt-Schumacher-Platz erinnert eine Gedenkstätte an ihn.
+
Vili Viorel Paun stellte sich dem Attentäter in den Weg. Am Kurt-Schumacher-Platz erinnert eine Gedenkstätte an ihn.

Hanau

Bildungsstätte und Mahnmal

Hanau will der Opfer gedenken und langfristig Respekt fördern

Die ersten bleibenden Zeichen hat die Stadt Hanau in den Wochen und Monaten nach dem rassistischen Terroranschlag gesetzt: Sie verlieh den Ermordeten beispielsweise posthum die Ehrenplakette der Stadt in Gold. Die Auszeichnung sei „gleichsam ein ewiges Mahnmal, wachsam zu bleiben und respektvoll miteinander zu leben“, sagte OB Claus Kaminsky (SPD). Und anders als in Dietzenbach gab es hier keine lange Diskussion über Ehrengräber für die in Hanau beigesetzten Said Nesar Hashemi, Hamza Kurtovic und Ferhat Unvar. Der Vorschlag wurde zeitnah umgesetzt. „Ihre Grabstätten werden als Ehrengräber gewidmet, damit ihre Gräber als Mahnung für zukünftige Generationen erhalten bleiben“, so Kaminsky.

Unumstritten sind solche Entscheidungen in der Stadt nicht. Neben viel Solidarität äußern Hanauer im Netz auch Hetzparolen. Aus der Politik gab es ebenfalls Gegenwind. So mahnte beispielsweise der Landtagsabgeordnete Heiko Kasseckert (CDU) im Sommer 2020, kaum sechs Monate nach dem Anschlag, eine „Rückkehr zur Normalität“ an und forderte, das Brüder-Grimm-Denkmal am Marktplatz nicht länger als Gedenkort zu nutzen.

Die Stadtspitze indes zeigt zumindest bislang eine klare Haltung: Die oben genannten Entscheidungen traf der Magistrat einstimmig. Das Gedenken und der damit einhergehende Einsatz gegen Hass und Ausgrenzung sollen fortgesetzt werden, am Jahrestag und darüber hinaus. Für den 19. Februar sind zahlreiche Aktionen, etwa von Vereinen, Firmen, Bürgern, Initiativen und Schulen vorgesehen. Das Weststadtbüro, das Jugendzentrum k.twon und die Initiative 19. Februar etwa planen einen „Korridor des Gedenkens“ zwischen dem Kurt-Schumacher-Platz, dem zweiten Tatort, und dem Juz sowie eine Gedenkaktion am Heumarkt, dem ersten Tatort. Aufgrund der Einschränkungen durch Corona werden die meisten Veranstaltungen jedoch digital stattfinden. Auf www.hanau-steht-zusammen.de wird ein Überblick geboten, gleichzeitig soll auf der Webseite eine Art „digitales Denkmal“ entstehen. Hierzu werden zum Beispiel Angehörige der Ermordeten in Videobotschaften sprechen und Nachrufe veröffentlicht. Bürger können ihre Anteilnahme in einem virtuellen Kondolenzbuch ausdrücken.

Das große Mahnmal für die Opfer soll zum zweiten Jahrestag fertig sein. Laut Martin Hoppe, dem Leiter des städtischen Fachbereichs Kultur, Stadtidentität und internationale Beziehungen, sind bis zum Ablauf der Ausschreibung 118 Bewerbungen eingegangen, überwiegend aus Deutschland, aber auch aus Europa, Japan und Brasilien. Hoppe spricht von einem breiten Spektrum an hochwertiger Kunst. Alles sei dabei, von eher traditionell bis abstrakt und modern, darunter eine ganze Reihe an unverwechselbaren Ansätzen. Sieben bis zehn Bewerber:innen werden nach einer Vorauswahl gebeten, ein Modell zu fertigen, das öffentlich vorgestellt und diskutiert werden soll.

Die ersten Instanzen, die entscheiden, sind ein Fachbeirat und eine Jury, der auch Hinterbliebene angehören. Sie werden sich coronabedingt wohl erst im April treffen können. Die letzte Entscheidung, auch über den Standort, treffen der Magistrat und das Parlament. Das Budget für die Künstler:innen liegt bei 75 000 Euro.

Das neue städtische Zentrum für Demokratie und Vielfalt (ZDV) hingegen ist schon weiter. Es strebt eine breite zivilgesellschaftliche Beteiligung an und wurde zu Beginn dieses Monats gegründet. Das ZDV mit Sitz am Hessen-Homburg-Platz im Stadtteil Lamboy solle ein „offenes Haus“ werden, in dem verschiedene Formate angeboten werden, um ein respektvolles Zusammenleben und Demokratie zu fördern. Als Koordinator fungiert Andreas Jäger, Leiter der städtischen Fachstelle Vielfalt. Neben Jäger werden auch Mitarbeitende der Programme „WIR – Vielfalt und Teilhabe“ und des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ sowie der Ausländerbeirat von hier aus wirken.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare