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Pfarrhaus der Wallonischen Gemeinde in der Französischen Allee, daneben die Paradiesgasse.

Hanau

Bildband mit unbekannten Ansichten aus Hanau

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Ein Bildband mit Fotografien von Johannes Koltermann ist über die Hanauer Altstadt erschienen. Gezeigt werden Ansichten aus den Jahren 1935 bis 1939.

Johannes Koltermann ging vor gut 80 Jahren mit unverstelltem Blick und der Kamera in der Hand durch Gassen, Straßen und auf Plätzen der Hanauer Altstadt. Der Nachwelt hinterließ er auf diese Weise seltene fotografische Dokumente. Mit den meist unbekannten Aufnahmen aus drei Mappen hat der frühere Leiter der Hanauer Museen und heutige Publizist Richard Schaffer-Hartmann einen Bildband zusammengestellt, der zudem mit 20 historischen Fotografien des ersten Hanauer Stadtfotografen Franz Weber aus dem Archiv des Medienzentrums der Stadt ergänzt hat. 

Das Buch „Alt-Hanau - Bilder, die Geschichte erzählen“ zeigt Hanau vom Marktplatz bis zur Vorstadt in den Jahren 1935 bis 1939. Es sind die letzten Momente der alten Herrlichkeit, bevor der Krieg sie am 19. März 1945 in Schutt und Asche legte.

Blick auf die Fahrgasse/Ecke Langgasse, aufgenommen 1938.  

Mit der Publikation sei ein lang geplantes Projekt nunmehr verwirklich worden, sagt Schaffer-Hartmann. Mit dem 175-jährigen Bestehen des Hanauer Geschichtsvereins 1844 seien die Mappen mit den Bildern aus Koltermanns Kamera hervorgeholt worden. Bislang seien die Aufnahmen nur vereinzelt für Veröffentlichungen genutzt worden. Das Bildmaterial besteht aus Papierabzügen im Format sechs Mal neun Zentimeter. Negative seien in den Mappen, die Koltermann 1950 dem Geschichtsverein schenkte, nicht enthalten.

Laut Schaffer-Hartmann sei Koltermann als fotografischer Laie zu Werke gegangen, aber nicht dilettantisch. Er zeige die Altstadt zumeist ohne die Sehenswürdigkeiten, die seinerzeit die tausenden Hanau-Postkarten schmücken, die meist die in den Kasernen aus der Kaiserzeit stationierten Soldaten als Mitteilungsträger nach Hause schickten. So bediente Koltermannn den Auslöser etwa im Schlosshof, vor der Kohlenhandlung in der Dechaneigasse, in der schmalen Neue Gasse, am Johanneskirchplatz und der Hospitalstraße, wo gerade Radler durch die Szene huschten. Trotz des damals bereits reichlich mit nationalsozialistischen Symbolen bestückten öffentlichen Raums habe Koltermann darauf geachtet, diese nicht mitaufzunehmen, so Schaffer-Hartmann.

„Alt-Hanau – Bilder, die Geschichte erzählen“, Wartberg-Verlag, 72 Seiten. 16,90 Euro.

Warum Koltermann (1887-1963) all diese Aufnahmen machte, lässt sich nur vermuten. Als er 14 Jahre alt war, zog die Familie von Spandau nach Hanau. Er besuchte die Hohe Landesschule und studierte Geschichte. In den Schuldienst wollte er. Jedoch entkam er dem Ersten Weltkrieg mit schweren Verletzungen, von denen er dauerhaft gezeichnet war. Untauglich als Lehrer, reichte es nur noch für die Aktenarbeit im Schulkollegium. Dennoch verlor er nicht seine Leidenschaft für die Geschichte; 1920 promovierte er in Marburg. Laut Schaffer-Hartmann soll Koltermann mehr als 30 Aufsätze über die Geschichte der früheren Hanauer Grafschaft geschrieben haben.

Mit dem Bildband, der in Zusammenarbeit mit Geschichtsverein, Medienzentrum und Stadt Hanau entstand, „ist dem alten Hanau wieder ein Denkmal gesetzt worden“, sagte Kulturamtsleiter Martin Hoppe bei der Buchvorstellung.

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