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Wald-Kerbespaß auf knatternden Kisten im Kreis herum.

Hanau

Bewegte Bilder vom alten Hanau

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Das Kino Varieté des Kulturfonds Frankfurt-Rhein-Main zeigt zwei seltene Schwarzweiß-Film-Schätze von 1938.

Ausgelassenheit im Juni 1938 beim Lamboy-Waldfest, große und kleine Hanauerinnen und Hanauer vergnügen sich. Wenn auch die NSDAP und ihre Hakenkreuze mit einem Stand präsent sind, drehen sich Karussells, herrscht Hochbetrieb an Schießbuden und Würstchenbuden.

Zwei zehnminütige, nie gesehene Dokumente der Zeitgeschichte, ursprünglich auf 16-Millimeter-Film, inzwischen aber für die Nachwelt restauriert und digitalisiert, schauen sich am Sonntagmittag fast 300 Interessierte im Kinopolis an. Das Kino-Varieté des Kulturfonds Frankfurt-Rhein-Main macht in Hanau Station und zeigt Streifen, die bislang fast niemand zu Gesicht bekommen hat.

Es handelt sich um Schätze auf Zelluloid, die einst Franz Weber, Gründer des Hanauer Bildarchivs und erster Stadtfotograf, mit seiner Kamera eingefangen hatte.

Der weitere Film zeigt den Aufbau, die Vorbereitungen und den Betrieb der Hanauer Messe 1938 auf dem damaligen Parade- und heutigen Freiheitsplatz. Auf den Schwarzweiß-Bildern mit Patina wird mitunter etwas wackelig gewerkelt, gefeiert und sich freut. Die Streifen sind laut dem Kulturbeauftragten der Stadt, Martin Hoppe, nur deshalb erhalten, weil sie bei der Zerstörung Hanaus 1945 ausgelagert waren. Seit Kriegsende schlummerten sie im Archiv.

„Großartig, toll“, sind die Kommentare des erwartungsgemäß eher älteren Publikums zu den uralten Aufnahmen von der Waldbudenstadt im Lamboy-Wald oder dem Treiben auf der Hanauer Messe, gewissermaßen am Vorabend des Zweiten Weltkrieges. Immer wieder hat Weber launige Kommentare in die Stummfilme eingeblendet: „Stimmung beim neckischen Ballspiel“, zum Beispiel. Zuschauer Manfred Haas, Jahrgang 1944 und Ur-Hanauer, erkennt in den Streifen die Lamboystraße mit der Kaserne wieder, die einst eine prachtvolle Allee war. Oder Gebäude rund um den heutigen Freiheitsplatz, wie etwa das Finanzamt. „Das ist wirklich spannend.“

Doch Kino-Varieté wäre kein Varieté ohne Liveshow mit Akrobatik, Chansons und filmbegleitende Livemusik, eben dem Kino-Gefühl der 1920er-, 30er-Jahre gemäß. Es waren jene Zeiten, als das Kino noch das Fenster zur Welt war, mit Vorfilmen, Wochenschauen und Showeinlagen. „Das ist eine absolut gelungene Idee, das gibt es doch heute gar nicht mehr, außer vielleicht in kleinen Programmkinos“, so ein anderer Zuschauer. Das Hanauer Bildarchiv, das zu den größten in Deutschland zählt, feiert ihn diesem Jahr sein 85-jähriges Bestehen. Dazu läuft das ganze Jahr eine Ausstellung im Medienzentrum des Kulturforums.

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