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Gold und Silber lieb’ ich sehr: das Ende 2019 modernisierte Foyer im Goldschmiedehaus am Altstädter Markt in Hanau. Foto: Monika Müller
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Gold und Silber lieb’ ich sehr: das Ende 2019 modernisierte Foyer im Goldschmiedehaus am Altstädter Markt in Hanau.

Hanau

„Besucher stärker miteinbeziehen“

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
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Christianne Weber-Stöber über die Zukunft des Goldschmiedehauses. Mitte Mai beginnt eine Befragung des Schmuckmuseums.

Ab Mittwoch, 12. Mai, bietet das renommierte Schmuckmuseum Goldschmiedehaus die Möglichkeit, über die Kommentarfunktion auf Facebook und Instagram Feedback, Wünsche und Anregungen zu posten, um an der Museumszukunft mitzuwirken.

Frau Weber-Stöber, aus welchem Anlass starten Sie die Befragung?

Die Idee entstand bei den Vorbereitungen zum Internationalen Museumstag am Sonntag, 16. Mai, mit dem ja ein breites Publikum angesprochen werden soll. Wir fordern die Leute auf, uns Anregungen für ein zukunftsorientiertes Museum mitzuteilen. Wir würden aber auch gerne wissen, welche Ausstellungen oder welche Angebote würden Sie sich künftig für unser Begleitprogramm wünschen. 2018 hatten wir bereits eine Besucherbefragung mit einem detaillierten Fragebogen. Diesmal gibt es von unserer Seite keine Vorgaben.

Was kam 2018 heraus?

Es besteht ein großes Interesse an historischem und avantgardistischem Schmuck. Gefallen finden ebenso Schauen zu ethnologischen Themen wie aktuell „Schmuck aus dem Osmanischen Reich“, die jedoch leider wegen des Corona-Lockdowns kaum Besucher hatte. Aus der Befragung haben wir somit manches mitgenommen.

Wie viele Besucher zählen Sie in „normalen“ Jahren?

Es sind zwischen 8000 und 10 000 Interessierte im Jahr. Das Haus präsentiert nur eine kleine Kunstfacette.

Unterliegt ein Nischenmuseum einem Quotendruck?

Ja, auch wir werden an den Besucherzahlen gemessen. Daher ist es nicht nur in der Corona-Zeit wichtig, stärker in den neuen Medien präsent zu sein, beispielsweise bei der Verleihung des Friedrich-Becker-Preises 2020 und mit der Sonderschau des Berliner Schmuckdesigners Carl Dau. Mehr als 30 000 Mal wurden die Videoclips zu dem Wettbewerb in den sozialen Medien geklickt. Rund 80 000 Klicks gab es auf der Plattform Klimt02 im Jahr 2020, auf der sich vorwiegend Künstler, Galeristen oder Museumsleute tummeln. Sicherlich, die beiden Zahlen sind winzig im Vergleich zur Click-Rate mancher Mode-Influencer. Aber als spezielles Museum können wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden sein.

Ist diese Form der Darstellung in Ihrem Haus institutionalisiert?

Die digitale Aufbereitung bedeutet zusätzliche Arbeit zu der bestehenden. Es gibt auch keinen Etat dafür. In diesem Jahr kann ich Mittel aus der Förderung der Sparkassen-Kulturstiftung dafür verwenden. Ansonsten muss ich Geld aus dem Museumsbudget nehmen. Videos und Marketing im Internet kosten eben was, wenn die Qualität stimmen soll. Gerade jetzt in der Zeit der Lockdowns ist es ganz wichtig, dass wir gut im Gespräch bleiben. Wenn ich jedoch sehe, welchen Aufwand etwa das Juwelenmuseum Diva in Antwerpen sich leisten kann, da gehen einem schon die Augen über.

Zur anstehenden Befragung: demokratisierte Museumsgestaltung oder kreative Ratlosigkeit?

In gewisser Weise wollen wir die Besucher stärker miteinbeziehen. Es ist jedoch nicht so, dass wir kein Konzept für ein zukunftsorientiertes Museum hätten. Wir arbeiten sogar mit sehr klaren Vorstellungen daran, vor allem an einer stärkeren Einbeziehung unserer eigenen Exponate. Aber wenn jemand eine Superidee hat, weil er die Anregung dazu woanders entdeckt hat, sollten wir uns dem nicht verschließen. In Gegensatz zu früher sind Zukunftsvisionen für Museen heute kurzlebiger – sie halten fünf Jahre. Die Interessen der Menschen ändern sich schneller, das ist gesellschaftlich bedingt. Wir sehen dies bei den Wechselausstellungen, die nicht im klassischen Sinn Schmuck thematisieren, sondern unter unsere weitfassende Sparte Metall fallen. Die Sonderschauen Feuerzeuge, Familienschätze und besonders Taschenuhren, die mit 8000 Besuchern in fünf Monaten die bestbesuchte Ausstellung war, zeigen dies.

Können die Beiträge der offenen Befragung nicht zu einer Popularisierung verleiten?

Das ist eine Frage, die seit Jahren in vielen Museen diskutiert wird – akademischer Tiefgang, dafür wenig Publikum oder Oberflächlichkeit und viele Gäste. Für das Goldschmiedehaus kann ich sagen, dass der gesteckte hohe Anspruch trotz Öffnung für neue Ideen erhalten bleiben muss, auch weil wir viel Fachpublikum haben. Aufwendige digitale Veranstaltungen lassen sich bei den gebotenen Voraussetzungen nicht umsetzen. Diesen Anspruch setzen wir etwa schon bei den Schmuckworkshops für Kinder um, die wir bewusst nicht als Bastelstunde bezeichnen, das sind sie auch inhaltlich nicht.

Mehr Events zu den Schauen?

Event und Information ist eine Kombination, die beim Publikum sehr gut ankommt. Hierzu zählt etwa die Reihe Kulturdinner, die wir mit anderen Hanauer Museen veranstalten. Geboten wird ein 3-Gänge-Menü, jeder Gang wird in einem anderen Museum eingenommen, vorab gibt es eine Führung.

Wie viel Wandel kann das Goldschmiedehaus verkraften?

Baulich ist der Wandel durch das denkmalgeschützte Haus begrenzt. Demnächst steht nach dem Foyer die Modernisierung der beiden Ausstellungssäle an. Dort werden wir beispielsweise eine bedingte Vitrinen- aber keine Raumklimatisierung installieren können. Der kunsthistorische Schwerpunkt wird bleiben, aber mit Zugang für alle an unseren Ausstellungen Interessierte. Das versuchen wir schon jetzt. In Kooperation mit dem IB haben wir Führungen für Menschen aus anderen Kulturen angeboten, leicht verständlich. Auch bei der Präsentation „Schmuck aus dem Osmanischen Reich“ hatten wir ein umfangreiches Angebot erarbeitet. Wir werden es nicht schaffen, ein zumeist völlig anderes Publikum in das Haus zu holen.

Interview: Detlef Sundermann

Christianne Weber-Stöber, promovierte Schmuckhistorikerin, ist seit 1 989 Geschäftführerin der Gesellschaft für Goldschmiedekunst im Deutschen Goldschmiedehaus Hanau. Zum Aufgabenfeld zählen internationale Ausstellungen, Wettbewerbe und Tagungen sowie Nachwuchsförderung. sun

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