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Der Hirzwald, hier bei Hanau-Mittelbuchen, leidet unter Hitze und Trockenheit.  

Hanau

Hitze und Trockenheit schaden Hanauer Wald

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Hitze und Trockenheit verursachen schwere Waldschäden – das wird den Forst in Hanau  nachhaltig verändern. Besonders betroffen ist die Buche, der das Klima nicht mehr bekommt.

Der Klimawandel ist schon am Parkplatz zum Hirzwald sichtbar. Ein Teil der Fläche ist werden Astbruchgefahr gesperrt. Der 145 Hektar große Hirzwald südlich des Hanauer Stadtteils Mittelbuchen wird sich in den kommenden Jahren voraussichtlich drastisch verändern. Lichtungen werden vermutlich geschlagen, um viele nicht mehr zu rettende Bäume herauszuholen und so Platz zu machen, etwa für junge Eichen.

Der zweite trockene Hitzesommer hat ein Waldsterben ausgelöst. „Uns hat das Ausmaß und Tempo überrollt“, berichtet Forstamtsleiter Christian Schaefer bei einem Ortstermin. Er spricht von einem „Waldsterben 2.0“, für das der Hirzwald, zum Teil besonders geschütztes Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH), exemplarisch stehe. Im Vergleich zum sauren Regen der 1980er Jahre haben die Ursachen heute globalen Ursprung. Abhilfe lässt sich zudem nicht mehr so schnell wie einst schaffen. Schaefer sieht eine Lösung im Umbau der Wälder vor allem im westlichen Kreisgebiet.

„In den Kronen fängt es an“, sagt Schaefer und zeigt auf das trockene Laub. An einigen Buchen ist kaum noch ein grünes Blatt am mächtigen Stamm zu erkennen. Hoffnungslos verloren sind die, deren Rinde bereits am Kronenansatz abplatzt. Die Quote der absterbenden Buchen lag in früheren Jahren bei 0,01 Prozent. Heute sei nicht jede tausendste Buche betroffen, sondern jede 50., sagt Schaefer.

Der Baum, der einst dem nahen Stadtteil seinen Namen gab, hat in der Region um Hanau kaum noch eine Zukunft. Olaf Gold, Revierleiter für Hanau, erklärt dies mit dem Klimawandel, die für den heimischen Wald mittlerweile zu einer Katstrophe geworden ist. Die Jahre 2018 und 2019 hatten das Rekordjahr 2003 in Hitze und Trockenheit bei weitem geschlagen, so Gold. „Noch nie war es in der Vegetationszeit so trocken gewesen“, sagt Gold. Die Durchschnittstemperatur im Bezirk des Forstamtes lag rund 1,5 Grad Celsius über den bisherigen Jahresschnitt.

Die Plätze der absterbenden Bäume werden vor allem die tiefwurzelnde Eiche und Douglasie sowie als geringfügige Beigabe Lärche und Wildkirsche einnehmen. Gold warnt davor, Bäume aus warmen Regionen zu wählen. Dies könne nur nach umfänglicher Erforschung möglicher Folgen für den Bestandswald geschehen. Gleich, ob fremde oder heimische Hölzer, die Wiederaufforstung ist kein schneller Prozess.

Allein die hüfthohen Jungbäume auf einer fußballfeldgroßen Schonung im Hirzwald werden zwei bis drei Menschengenerationen brauchen, bis sie annähernd die stattliche Größe erreichen, die der Altbestand hat. Der künftige Wald wird laut Gold durch den Klimastress auch nicht mehr so alt werden, nur noch 100 statt 150 Jahre im Durchschnitt. Makulatur geworden ist nunmehr die Aussage von Hessen-Forst, dass trotz intensiver Holzwirtschaft die Biomasse Wald von Jahr zu Jahr zunehme. „Das gilt jetzt nicht mehr“, sagt Schaefer.

In dem kommenden Jahren sollen 25 Hektar in Schaefers Bezirk aufgeforstet werden. Die erheblichen Kosten haben die Waldbesitzer zu tragen, sprich die Kommunen. Der Bund sei nunmehr gefordert, hierbei finanzielle Unterstützung zu leisten, schon mit Hinblick auf die Pläne der Bundesregierung, Millionen Bäume zur Absorbierung von CO2-Gas zu setzen, so Schaefer. Laut Schaefer, muss das Land den Stellenabbau im Staatsbetrieb Hessen-Forst zurücknehmen, um die kommenden Aufgaben zu bewältigen.

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