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Begegnung mit dem Hanau-Attentäter: Er ließ sich in Frauenkleidern filmen

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Von: Pitt von Bebenburg

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Ein bayerischer Polizist widerspricht im Hanau-Untersuchungsausschuss einer Ex-Prostituierten, die den späteren Hanau-Attentäter traf. Er ließ sich in Frauenkleidung filmen.

Wiesbaden/Hanau – Ein bayerischer Polizist hat der Darstellung einer ehemaligen Prostituierten widersprochen, die Behörde sei im Jahr 2018 möglichen Hinweisen auf eine Gewaltandrohung und den Waffenbesitz des späteren Hanau-Attentäters Tobias R. nicht nachgegangen. Der bayerische Streifenpolizist berichtete am Montag im Hanau-Untersuchungsausschuss des Hessischen Landtags, dass sich die Situation damals ganz anders dargestellt habe, als sie von der Frau beim Bundeskriminalamt (BKA) geschildert worden war. „Von Waffen war nie die Rede von der Dame“, sagte er. Und: „Von Todesangst war uns nichts bekannt.“

Die Sexarbeiterin war im März 2018 in ein bayerisches Ferienhaus gefahren, wo sie von Tobias R. erwartet wurde. Im Jahr 2021, also nach den von Tobias R. in Hanau verübten rassistischen Morden, sagte sie beim BKA aus, R. habe sie damals schon in „Todesangst“ versetzt. Er habe den Gruselfilm „Psycho“ mit ihr nachstellen wollen. Sie habe tanzen sollen, als wäre es das letzte Mal, und er habe sie dabei filmen wollen.

Polizei fährt zum späteren Attentäter von Hanau

Sie hätte sich dafür eine Perücke anziehen sollen. Zudem habe er ein Gewehr und ein Messer dabei gehabt. Die Frau benachrichtigte damals ihren Lebensgefährten, der die Polizei alarmierte. Der Polizeiobermeister, der am Montag in Wiesbaden aussagte, wurde daraufhin zu dem Ferienhaus beordert, ebenso wie ein zweiter Streifenwagen.

Erinnerung an die Terroropfer von Hanau vor dem Hessischen Landtag (Archivbild)
Erinnerung an die Terroropfer von Hanau vor dem Hessischen Landtag (Archivbild) © Rolf Oeser

Er sagte aus, dass der Streit bereits geschlichtet gewesen sei. Tobias R. sei nicht aggressiv aufgetreten. Und die Frau habe nicht den Eindruck erweckt, „als wäre sie in Panik“. Allerdings sei sie „danach nicht bei dem Kunden“ geblieben, sondern nach Hause gefahren.

Bei dem Streit sei es nach Angaben der Prostituierten darum gegangen, dass Tobias R. sie habe filmen wollen, sie dies aber abgelehnt habe. Der Polizist schaute sich nach eigenen Angaben daraufhin die Videos an, die R. angefertigt hatte. Darauf sei nicht die Frau zu sehen gewesen, berichtete er, sondern R. selbst, der sich mit Frauenperücke, Kleidern und künstlichen Brüsten habe filmen lassen. „Es war ihm sichtlich peinlich“, sagte der Streifenpolizist.

Polizei findet beim späteren Attentäter von Hanau nur einen Joint und Sexspielzeug

Die vier Beamten hätten die Ferienwohnung durchsucht und einen angerauchten Joint gefunden, aber keine Waffe, berichtete der Polizist weiter. Wenn von Waffen die Rede gewesen wäre, wäre die Polizei ohnehin stärker aufgetreten als mit zwei Streifenwagen, sagte er. Aufgefallen sei ihm lediglich eine Tüte mit Sexspielzeug, auch eine Damenperücke und Damenkleider.

Tobias R. ist der spätere Attentäter von Hanau. Er erschoss am 19. Februar 2020 neun Menschen mit Migrationsgeschichte, seine Mutter und sich selbst. (Pitt von Bebenburg)

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