Hanau

Baurecht bremst Entwicklung von Wohngebieten in Hanau

  • schließen

Oberbürgermeister Claus Kaminsky sieht die Entwicklung von Wohngebieten in Hanau eingeschränkt.

Auf dem Gelände der ehemaligen Sportsfield Housing Area im Hanauer Stadtteil Wolfgang stehen 22 Wohnblocks mit rund 400 Wohneinheiten, die jahrzehntelang als Unterkünfte für US-Soldaten und ihre Familien dienten. In den vergangenen Jahren wurden sie teilweise als Flüchtlingsunterkünfte genutzt.

Aktuell sind sie nach Informationen der Stadt Hanau im Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). „Mit der Nutzung der vorhandenen Wohnungen könnte kurzfristig das Angebot an bezahlbarem Wohnraum in Hanau deutlich erhöht werden“, heißt es jetzt in einer Mitteilung der Stadt.

Allerdings hat die Sache einen Haken. Wie Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) weiter mitteilt, stehen der Entwicklung des Gebiets rechtliche Hindernisse entgegen. Wegen der Nähe zum Industriebetrieb Goodyear Dunlop ist ihm zufolge nämlich die Ausweisung eines Wohngebietes hier nach geltendem Baurecht nicht möglich. Die Lärm- und Geruchsimmissionen des angrenzenden Betriebs könnten nämlich die zulässigen Werte überschreiten. „Diese Beurteilung wird von der obersten Baubehörde des Landes geteilt“, betont der oberste Stadtentwickler Martin Bieberle.

Gleichwohl hat die Stadt Hanau vor kurzem ihren Erstzugriff auf das Areal erklärt und damit ihren Willen bekundet, dass Areal zu entwickeln.

Alle Möglichkeiten ausloten

„Es kann nicht sein, dass wir bei all der Wohnungsknappheit gut erhaltene Wohngebäude abreißen müssen“, sagt Kaminsky. Die Stadt werde jetzt alle Möglichkeiten ausloten, wie die Wohngebäude erhalten und dauerhaft nutzbar gemacht werden könnten.

Um das zu ermöglichen, fordert er eine Reform der bau- und immissionsschutzrechtlichen Regelwerke. „Wir brauchen mehr Planungshoheit“, sagt er. In der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt müssten die Städte im Ballungsraum selbst entscheiden können, an welchen Stellen es sinnvoll sei, Wohngebiete zu entwickeln, betont Kaminsky.

„Gerade angesichts des akuten Bedarfs an Wohnraum soll die Debatte aus rechtlicher und planerischer Perspektive weiter vertieft und angeschoben werden“, sagt Kaminsky. Einer der Kernpunkte der Vorschläge aus Hanau ist eine stärkere Unterscheidung von städtischen und ländlichen Räumen.

Weiterhin solle nach dem Vorschlag von Kaminsky zur effektiven Bekämpfung der Wohnungsnot in Ballungszentren zeitlich begrenzt eine „Experimentierklausel“ eingeführt werden. Diese soll Gemeinden bei der Bauleitplanung für Wohnbaugebiete eine Überschreitung der Grenz-, Richt- oder Orientierungswerte der maßgeblichen immissionsschutzrechtlichen Regelwerke ermöglichen, wenn es einen starken Druck auf dem Wohnungsmarkt gebe.  

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare