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Der in Stein gehauene Schmerz über den Verlust eines Menschen, das Grab für eine Gattin auf dem Hanauer Hauptfriedhof.
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Der in Stein gehauene Schmerz über den Verlust eines Menschen, das Grab für eine Gattin auf dem Hanauer Hauptfriedhof.

Hanau

Auch ein Ort für Lebende

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
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Der Hauptfriedhof besteht seit 175 Jahren und ist heute eine grüne Oase im Stadtgebiet.

Friedhofgeschichten sind gewöhnlich was für den November mit seinen Totengedenk-Sonntagen. Aber der Hanauer Hauptfriedhof besteht nunmehr seit 175 Jahren. Anlass für die Friedhofsverwaltung, mit kleinen Veranstaltungen den noch Lebenden den Jubilar näher zubringen. Der gut 14 Hektar große Gottesacker zwischen zwei Wohngebieten, der Dunlop und dem Hauptbahnhof ist aber ebenso allein ein Besuch wert, um die baumreiche parkähnliche Anlage und vielleicht auch das Leben kennen zu lernen.

Zwei endlos wirkende Alleen bilden die Hauptachsen, von denen immer wieder Wege abgehen. Hohe Bäume werfen mit ihren breiten Kronen weitere Schatten. Eine größere Gesellschaft steht vor der Trauerhalle, unterhält sich im gedämpften Ton. Auf eine der Alleen eilt ein Pfarrer im Talar der Gruppe entgegen. Unweit brummt ein Aufsitzrasenmäher, den ein Friedhofgärtner geschickt übers Grün lenkt. Hier und da wird mit kleinem Gartengerät und Putzlappen die Ruhestätte in Ordnung gebracht. „Ein paar frische Blumen habe ich gebracht“ sagt eine ältere Frau und schaut auf das unscheinbare Baumgrab ihres Mannes. „Er ist seit einem dreiviertel Jahr tot, Lungenkrebs“, sagt sie. Sie komme jeden Tag. „Es ist sehr schön hier“, sagt die Frau.

Ein Friedhof - und davon nimmt sich der Hanauer Hauptfriedhof schon wegen seines Alters nicht aus - ist ein Sammelsurium an verschiedenen Gestaltungsempfinden, ähnlich einer Einzelhaussiedlung. Auf dem Hauptfriedhof ist die ganze Bandbreite zu finden, vom prachtvollen Mausoleum der Familien „Seitz-Körbel-Traxel“ bis zum Grab mit einfachem Holzkreuz, handgroßem Dauergrün und einem Keramikengel, auf dessen Sockel das Versprechen steht: „Du wirst immer in meinem Herzen sein.“

Die Ruhestätten erzählen in ihrer Andersartigkeit auch über die Menschen, an die dort innert wird, die Art des Steins, die Bepflanzung, der Grabzustand und die oft spärlichen Lebensdaten wie Name, Geburts- und Todesdatum. Nur 21 Jahre alt ist der Mann geworden, der nun unter einer großen, geschwungenen, hochglanzpolierten Marmorplatte liegt. Die süddeutsche Bestattungkultur, das Portraitfoto am Grabstein, ist auch dort vereinzelt zu entdecken, etwa auf dem Stein eines Artisten-Ehepaars. Steigende Rösser und Longiergerten sind zudem auf dem Grabmal grafisch eingearbeitet. Pferdedressur im „Circus Belli“ war ihr Metier.

Der Hauptfriedhof ist auch letzte Ruhestätte für bekannte Hanauerinnen und Hanauer, etwa Oberbürgermeister wie Herbert Dröse, der Industrielle Werner Canthal oder den Arbeiterführer und Hanauer SPD-Gründer Matthias Daßbach. „Begraben - aber nicht vergessen“ heißt es dazu auf einer Tafel am Eingang, die von den 41 bekannten Persönlichkeiten auf dem Hauptfriedhof berichtet und deren Grabstelle nennt. Auf der Tafel stehen auch die Namen Ferhat Unvar, Hamza Kurtovic und Said Nesar Hashemi. Sie wurden in der Nacht des 19. Februar 2020 mit sechs weiteren Menschen mit ausländischen Wurzeln in Hanau Opfer eines rassistisch motivierten Mörders. Die Ehrengrabmale der drei Getöteten sind zugleich eine Gedenkstätte - auch an die anderorts bestatteten Opfer. „Tot sind wir erst, wenn man uns vergisst“, sagte Ferhat Unvar zu Lebzeiten, jetzt steht es auf seinem weißen Grabstein.

Rebecka Happels Bestattung war die erste auf dem Gottesacker, der damals weit vor den Toren der Stadt lag.

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