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Gedenken an die Opfer vor der Shisha-Bar am Heumarkt, einem der Tatorte in der Hanauer Innenstadt.
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Gedenken an die Opfer vor der Shisha-Bar am Heumarkt, einem der Tatorte in der Hanauer Innenstadt.

Attentat von Hanau

Hanau: Rassistischer Attentäter wollte noch mehr Menschen töten – Neue Details enthüllt

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Der Attentäter von Hanau bereitete seine Anschläge lange vor. Das geht aus Unterlagen hervor. Auffällig sind seine Internet-Recherchen über Schulen.

Hanau – Der rassistische Attentäter von Hanau, Tobias R., wollte noch mehr Menschen ermorden. Informationen in Unterlagen, in denen die Frankfurter Rundschau recherchiert hat, geben Aufschluss darüber, wie lange und detailliert R. den Terroranschlag vorbereitete und dass er dies nicht in der totalen Isolation tat, sondern diverse Kontakte knüpfte, einschlägige Internet-Seiten sowie Anlaufstellen besuchte.

Demnach wollte der 43-Jährige allein am Heumarkt im Hanauer Zentrum insgesamt „mind. 10“ Menschen töten, wie er zuvor auf einem Flipchart-Blatt notierte. R. ermordete in der Innenstadt Kaloyan Velkov, der in der Bar „La Votre“ arbeitete, Fatih Saraçoglu, dem er auf der Straße begegnete, und Sedat Gürbüz, den Besitzer des „Midnight“. Diese Morde verübte der Hanauer mit einer „Czeska“ – jenem Pistolentyp, die auch der NSU benutzte.

Auf einer Skizze schrieb Tobias R. „Drin anfangen“ über die beiden Lokale und fünf beziehungsweise zwei Tote als Ziel. Auf der anderen Seite des Karrees sind zwei weitere geplante Anschlagsorte eingezeichnet, in denen R. „1-2“ sowie „3-4“ Morde vorhatte.

Attentat von Hanau: Tobias R. plante, noch mehr Menschen zu töten

Dabei handelt es sich um eine weitere Bar, die R. nicht betrat, sowie einen Kiosk, den R. zwar kurz betrat, aber glücklicherweise dann, als ein Mitarbeiter gerade in einem anderen Raum war. Dass Tobias R. an den Orten nicht seine gesamten Mordpläne umsetzen konnte, ist wohl auch Vili Viorel Paun zu verdanken. R. bemerkte, wie der 22-Jährige ihn aus seinem Auto heraus beobachtete und so störte.

Bilder einer Überwachungskamera belegen, wie der 43-Jährige in Richtung des Mercedes von Paun schoss. Dieser stellte sich R. mit dem Auto in den Weg, um ihn aufzuhalten, wurde aber mit der Waffe bedroht. Er setzte zurück und fuhr R. hinterher, wählte den Notruf – kam aber wegen der mangelnden Besetzung und Weiterleitung nicht durch. Danach versuchte er es zwei weitere Male vergeblich, das erste Mal am Beginn der Philippsruher Allee. Von hier aus sind es noch etwa zwei Kilometer bis zum zweiten Tatort.

Hanau-Attentat: Fatale Panne bei Notruf-Nummer

Wäre die Polizei erreichbar gewesen, hätte sie von Paun genauere Informationen erfragen und dem 22-Jährigen sagen können, er solle Distanz halten. Gut zweieinhalb Minuten nach dem ersten Notrufversuch von Paun betrat R. den zweiten Tatort. Die Zeit hätte womöglich gereicht.

Am Kurt-Schumacher-Platz in Kesselstadt wird Paun von R. erschossen, durch die Windschutzscheibe. Dann ermordet der Attentäter im „Arena Bar und Café“ mit angeschlossenem Kiosk Mercedes Kierpacz, Gökhan Gültekin, Ferhat Unvar, Said Nesar Hashemi und Hamza Kurtovic.

Hanau-Attentäter: Neue Details zu seiner Planung

Die Anschläge plante Tobias R. weit im Voraus. So legte er eine Datei für seine Homepage, die im Oktober 2019 online ging und später voller rechtsextremer und verschwörungstheoretischer Inhalte war, bereits im Frühjahr 2019 an. Die Datei „Begründung“ stellte er am 22. Januar 2020 ins Netz. Komplett, mit allen Texten und Videos, war die Seite am 13. Februar, knapp eine Woche vor den Attentaten. In den Monaten zuvor recherchierte Tobias R. auf Seiten wie www.militaria.net oder www. 1944shop.com, traf sich mit Illustratoren und anderen Experten wegen seiner Webseite, informierte eine Detektei über seine Verschwörungstheorien und stellte deshalb die bereits bekannten Strafanzeigen. Auffällig sind auch seine Internet-Recherchen Ende Januar über Schulen. Waren sie potenzielle Anschlagsorte?

Etwa fünf Mal meldete sich R. für Schieß- und Gefechtstrainingseinheiten einer Sicherheitsfirma in der Slowakei an, für die Ex-Militärs arbeiten. Zweimal nahm er teil. Am 20. 9. 2019 wurde er von der Teilnahme am Kurs „Sturmgewehr“ ausgeschlossen. R. soll sich seltsam verhalten und auffällig geschwitzt haben. Und spätestens zwei Wochen vor der Tat begann R., intensiv Tatorte auszukundschaften. (Gregor Haschnik)

Angehörige der Attentat-Opfer sprechen im Spotify-Podcast* „190220“ über den Terroranschlag. *op-online.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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