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Hanau

Anschlag von Hanau: Verfahren zu Fluchttür eingestellt

  • Gregor Haschnik
    VonGregor Haschnik
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Die Staatsanwaltschaft sieht keinen hinreichenden Verdacht für eine fahrlässige Tötung. Die Angehörigen wollen die Ergebnisse prüfen lassen.

Die Staatsanwaltschaft Hanau hat die Ermittlungen zum Notausgang in der Arena Bar, wo während des rassistischen Anschlags Said Nesar Hashemi und Hamza Kurtovic ermordet wurden, eingestellt. Es liege kein hinreichender Verdacht auf eine Straftat vor, teilte die Behörde in einer 40-seitigen Erklärung mit.

Im Zuge des Verfahrens wurden etwa Zeugen vernommen sowie Aufzeichnungen der Überwachungskamera und Unterlagen des Ordnungsamtes ausgewertet. Angehörige und Überlebende hatten Anzeige gegen Unbekannt erstattet, weil es Hinweise darauf gibt, dass die Fluchttür verschlossen war und sich Betroffene womöglich deshalb nicht retten konnten. Daher stand der Verdacht der fahrlässigen Tötung im Raum. Er richtete sich gegen den Barbetreiber und die Polizei. Sie habe mutmaßlich angeordnet, den Notausgang geschlossen zu halten, damit ihr bei Razzien niemand entkomme, so ein Vorwurf. Ein weiterer: Im Gegenzug sollen die Ordnungshüter bei unrechtmäßig aufgestellten Spielautomaten nichts unternommen haben. Zudem wurde ein Umbau der Bar bemängelt: Durch ein neues Lager war demnach der direkte Fluchtweg vom Schankraum versperrt, man musste zunächst in Richtung Eingang laufen.

Die Staatsanwaltschaft kommt zu dem Ergebnis, dass „nicht mit hinreichener Sicherheit“ aufgeklärt werden konnte, ob der Notausgang an dem Abend geschlossen war oder nicht. Die Ermittler sehen hier widersprüchliche Zeugenaussagen: So bestätigten einige zum Beispiel, dass der Betreiber angeordnet habe, die Fluchttür stets zu versperren. Andere wiederum berichteten, sie habe sich zumindest teilweise öffnen lassen, wenn auch mit viel Kraft.

Für Absprachen zwischen der Polizei und dem Beschuldigten, der die Vorwürfe bestreitet, hätten sich „keinerlei Anhaltspunkte“ gefunden, auch nicht auf sichergestellten Handys des Mannes, so die Staatsanwaltschaft. Dagegen spreche auch, dass die Polizei bei einem Einsatz Ende 2017 einen verschlossenen Notausgang moniert und dies dem zuständigen Gewerbeamt gemeldet habe. Grundsätzlich habe sie sich bei den Kontrollen aber auf „betäubungsmittelrechtliche Verstöße“ und das Jugendschutzgesetz konzentriert.

Der später eingebaute Lagerraum sei nach Auskunft des Bauamtes 2019 genehmigt worden. Die Arena Bar entspreche dem aktuellen Baurecht, mit dem Eingang als erstem und dem Notausgang als zweitem Rettungsweg.

Bei dem Anschlag am 19. Februar 2020 wurden neben Hashemi und Kurtovic sieben weitere Menschen getötet: Sedat Gürbüz, Fatih Saraçoglu, Kaloyan Velkov in der Innenstadt, Vili Viorel Paun vor der Arena Bar im Stadtteil Kesselstadt und Gökhan Gültekin, Mercedes Kierpacz, Ferhat Unvar in dem Kiosk, der an die Bar grenzt und denselben Eingang hat. Hashemi, Kurtovic und die anderen in der Bar merkten nach den Schüssen in ihrer Nähe, dass ihr Leben in Gefahr ist. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft kann hier ebenfalls „nicht mit hinreichender Sicherheit“ festgestellt werden, dass sie sich hätten in Sicherheit bringen können, wenn der Notausgang geöffnet gewesen wäre. Die Ermittler geben an, dass den Opfern etwa fünf bis sechs Sekunden für eine gefahrlose Flucht durch den Notausgang zur Verfügung gestanden hätten. Dies hätte den Angaben zufolge möglicherweise nicht gereicht, auch weil elf bis 14 Meter zurückzulegen gewesen wären.

Ebenso wie andere flüchteten die beiden jungen Männer zum Lager, wo sie sich letzten Endes nicht vor dem Täter schützen konnten. Zu ihrer Laufrichtung schreibt die Staatsanwaltschaft, dass nicht sicher sei, ob sie ihrem „natürlichen Fluchtinstinkt weg von der Gefahr“ folgten. Oder ob sie davon ausgingen, dass der Notausgang verschlossen war.

Mehrere Annahmen, so ein Fazit der Behörde, seien rein „hypothetischer Natur“. Ein Kausalzusammenhang zwischen einem Schließen der Fluchttür und den beiden Morden sei nicht belegt, weshalb kein hinreichender Tatverdacht bestehe.

Die Hinterbliebenen wollten sich zunächst nicht zu den Ergebnissen äußern, sondern diese erst von ihren Rechtsanwält:innen prüfen lassen.

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