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Hanau

Anschlag von Hanau: Vater des Attentäters angeklagt

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Die Staatsanwaltschaft Hanau wirft dem 73-jährigen Vater des Attentäters rassistische Beleidigung vor. Teilnehmende einer Mahnwache soll er als „wilde Fremde“ bezeichnet haben.

Die Staatsanwaltschaft Hanau hat am 2. Februar Anklage gegen Hans-Gerd R., den Vater des Hanau-Attentäters Tobias R., erhoben. Die Behörde lege einem 73-jährigen Hanauer, bei dem es sich nach FR-Informationen um Hans-Gerd R. handelt, rassistische Beleidigung zur Last, teilte Oberstaatsanwalt Dominik Mies am Mittwoch auf Anfrage mit. „Konkret wird dem Angeschuldigten vorgeworfen, in einer Eingabe an die Staatsanwaltschaft Hanau Teilnehmende einer Mahnwache, die Ende Dezember in Hanau stattgefunden hat, als ‚wilde Fremde‘ bezeichnet zu haben“, sagte Mies.

Solche rassistischen Äußerungen seien nicht tolerabel und würden von der Behörde „mit aller Konsequenz“ verfolgt. Weitere Angaben, etwa zur Identität des Angeschuldigten und weiteren Beteiligten, machte der Oberstaatsanwalt nicht. Beleidigung kann mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe geahndet werden.

Der 43-jährige Tobias R. hatte am 19. Februar 2020 aus rassistischen Motiven die Hanauer Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtovic, Vili Viorel Paun, Fatih Saraçoglu, Ferhat Unvar sowie Kaloyan Velkov ermordet. Anschließend tötete er offenbar seine Mutter und sich selbst.

In seiner bei der Hanauer Staatsanwaltschaft eingegangenen Anzeige, die sich konkret gegen Hinterbliebene richten soll, schrieb Hans-Gerd R. nun, die Teilnehmer der Mahnwache sollten das „Maul halten und sich dem Deutschen Volk und dem Grundgesetz vom 23. Mai 1949 unterordnen“. Gleichzeitig warf er der Polizei vor, sie habe ihn nicht richtig vor den „wilden Fremden“ geschützt.

An der angemeldeten Veranstaltung am 29. Dezember in der Nähe von R.s Haus hatten vor allem Überlebende des Anschlags, Angehörige der Ermordeten sowie Nachbarn von Hans-Gerd R., der die Vorwürfe gegen sich und seinen Sohn zurückweist, teilgenommen. Kurz zuvor hatte der „Spiegel“ berichtet, dass R. in Vernehmungen, Anzeigen und Anträgen dieselben rassistischen Ansichten und Verschwörungstheorien wie sein Sohn vertreten hat. Auch die Frankfurter Rundschau hat die Dokumente ausgewertet: Demnach gibt Hans-Gerd R. an, sein Sohn sei von einer weltweit aktiven Geheimorganisation getötet worden. Danach habe ein Agent die Anschläge verübt. Die Gedenkstätten, die an die Opfer erinnern, stellen für Hans-Gerd R. Volksverhetzung dar, weshalb er fordert, sie zu beseitigen.

Er bezeichnet die Opfer als „Täter“ und hat beantragt, ihm die Tatwaffen auszuhändigen. Während seine „Rasse“ benachteiligt werde, würden bestimmte Volksgruppen nicht nur bevorzugt, sondern zum Aufruhr motiviert, mit dem Ziel, sein Land zu destabilisieren. Die Rechte seiner Familie und seines Landes würden verletzt, schreibt R. in einem Brief an den Generalbundesanwalt und fügt hinzu: „Eine Wiederherstellung wird mehrere Menschenleben einfordern.“ Es werde niemals gelingen, aber „es muss in der noch verbleibenden Lebenszeit des Unterzeichners damit begonnen werden“.

Für die Hinterbliebenen ist dies eindeutig die Ankündigung einer Straftat. Sie kritisieren scharf, von der Polizei nicht vor Hans-Gerd R. gewarnt worden zu sein, derweil nach dem Anschlag Angehörige eine Gefährderansprache erhielten und aufgefordert wurden, sich von R. fernzuhalten.

Während der Mahnwache war R. mit seinem Schäferhund aus dem Hause gekommen und wollte in Richtung der Teilnehmer gehen, wurde aber von Polizisten davon abgehalten.

Als Reaktion auf die Anklage wegen rassistischer Beleidigung teilte Hamza Kurtovics Vater Armin auf FR-Anfrage mit: „Unser Verdacht und unsere Befürchtungen haben sich damit verstärkt.“ Hans-Gerd R. habe keine Angst, sich rassistisch zu äußern. Es sei zu befürchten, „dass er der geistige Brandstifter des Terroranschlags ist“. Durch seine Äußerungen und sein Benehmen rechtfertige er die Tat seines Sohnes.

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