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Anschlag von Hanau: Polizei weist Kritik zurück

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Von: Gregor Haschnik

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Das Polizeipräsidium Südosthessen hat sich zu Erkenntnissen der Rechercheagentur Forensic Architecture zum Einsatz in der Tatnacht geäußert.

Nachdem die Frankfurter Rundschau in ihrer Donnerstagsausgabe über neue Erkenntnisse der Rechercheagentur Forensic Architecture (FA) zum Anschlag von Hanau berichtet hatte, hat das Polizeipräsidium Südost-hessen Kritik auf Anfrage weitgehend zurückgewiesen, ist auf mehrere Vorwürfe aber nicht richtig eingegangen. Eine an Innenminister Peter Beuth (CDU) gerichtete Bitte um Stellungnahme blieb bislang unbeantwortet.

FA hatte unter anderem Aufnahmen eines Polizeihubschraubers sowie Kommunikation per Funk ausgewertet und kam zu dem Schluss, dass „die Polizei bei ihren Bemühungen, das Haus des Täters sicher zu umstellen und ihm die Möglichkeit zur Flucht zu nehmen, entscheidend versagt“ habe. So sei das Täterhaus nicht dauerhaft von allen Seiten gesichert worden. Zudem deutet ein FA-Experiment darauf hin, dass SEK-Beamte entgegen ihrer Aussagen die Schüsse im Haus gehört haben müssten. Auch wurde die Hubschrauberbesatzung nicht richtig eingebunden und erhielt wichtige Informationen wie die Anschrift des Täters nicht.

Die Polizei teilt dazu mit: Nach Verifizierung der ersten Hinweise sei „innerhalb kürzester Zeit“ das Täterfahrzeug gegen 22.50 Uhr – die ersten Schüsse wurden kurz vor 22 Uhr abgegeben – durch Zivilkräfte an der Halteranschrift festgestellt worden. Bis zum Eintreffen weiterer Einsatzkräfte und der Spezialeinheiten hätten sie auch das Wohnhaus gesichert. Es könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass sich Polizist:innen im Rahmen der Annäherung und Sicherung sowie Zugriffsmaßnahmen auch in der Nähe anderer Gebäude befunden hätten.

Erst habe man am Täterhaus „eine kommunikative Lösung“ angestrebt, aber parallel die „Zugriffslösung“ vorbereitet. Nach Aufklärungsmaßnahmen des SEK, die notwendig und umfangreich gewesen seien, sowie erfolglosen Kontaktversuchen sei um 3.03 Uhr der Zugriff erfolgt. Man habe mögliche Szenarien wie Sprengfallen oder einen Schusswechsel berücksichtigen müssen. Ein „schnelles und somit stark risikobehaftetes Vorgehen“ sei nicht geboten gewesen.

Der Polizeihubschrauber sei „ein wertvolles und effektives Einsatzmittel, da hiermit auch größere Bereiche aufgeklärt und im Bedarfsfall Maßnahmen am Boden koordiniert werden können“. Daher sei der Hubschrauber zur Aufklärung eingesetzt worden und beim Abarbeiten von Hinweisen. Diese hätten sich nicht nur auf das Umfeld der Wohnung des Tatverdächtigen bezogen, sondern auch auf andere Orte. Dazu passt jedoch nicht, dass die Besatzung so gut wie gar nicht in die Kommunikation eingebunden war. Zu den Schüssen im Haus könnten keine Angaben gemacht werden, „da hier das inzwischen abgeschlossene Ermittlungsverfahren des Generalbundesanwalts berührt wird“.

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