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Ein Amerikaner in Hanau

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Von: Detlef Sundermann

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JFK bei seinem Deutschlandbesuch 1963.
JFK bei seinem Deutschlandbesuch 1963. © Sascha Rheker

Eine Ausstellung über J.F. Kennedy und seine Epoche ist noch bis Sonntag im Neustädter Rathaus zu sehen. In ihr kommen auch Zeitzeugen zu Wort.

„Ganz dicht fuhr er an uns vorbei.“ Auf der gegenüberliegenden Seite, die ebenfalls mit drei Fotografien bestückt ist, heißt es in gleicher Handschrift: „Jack in dem Wagen, in dem er auch am 22. November 1963 gefahren ist.“ Mit dem geheimnisvoll klingenden „Er“ ist John F. Kennedy gemeint. Manches im Leben von JFK soll geheimnisumwittert gewesen sein. Erst Recht sein Tod, das Attentat von Dallas. Das Leben und Wirken des 35. Präsidenten der USA wird anlässlich des 50. Jahrestags seines Deutschlandbesuchs in einer Wanderausstellung im Neustädter Rathaus dargestellt.

Viele Schautafeln mit großformatigen Fotografien, Videostationen sowie Texte in Deutsch und Englisch bilden die Hauptelemente der Schau, die das Hessische Hauptstaatsarchiv kuratiert hat und die durch Hessen tourt. Die lokalen Erinnerungen an den 25. Juni 1963, als JFK auf dem Erlenseer Fliegerhorst hessischen Boden betritt, um für einen Empfang und Reden nach Frankfurt zu fahren, werden in einer Vitrine am Rande der Stellwandgalerie gezeigt.

Zwei Fotoalben, eines davon aufgeschlagen mit handschriftlichen Erläuterungen und dem ehrfurchtsvoll wirkenden „er“ für Kennedy sowie ein paar Devotionalien (etwa ein Schmuckteller oder ein Wasserglas mit dem Konterfei des Präsidenten) machen weitgehend den Inhalt aus. Danebenliegend eine Originalausgabe der Illustrierten „Bunte“ mit dem symbolträchtigen Porträt von JFK. Er blickt mit gefalteten Händen gen Himmel, als suche er jemanden. Bei dieser Bunte-Nummer war Kennedy bereits im Himmel. Tage zuvor ist er erschossen worden.

Neben der Vitrine läuft in einem kleinen Fernseher eine pfiffig gemachte Dokumentation von Schülern über den Besuch des charismatischen Kennedy, der sich vorgenommen hatte, den Kalten Krieg zu beenden, bei dem Hanau und der heutige Stadtteil von Erlensee, Langendiebach, zwei wichtige Namen waren. 15 000 GIs empfingen den Präsidenten auf dem Fliegerhorst, als er aus einem Hubschrauber stieg. Zur Darstellung der Macht waren 700 Panzer und Atomraketen platziert worden. Diese Machtdemonstration lässt die Geschichte glaubhaft werden, dass der von der Sommerhitze ausgeblichene Rasen auf dem Fliegerhorst mit grüner Farbe aufgefrischt worden seien soll, um dem hohen Besucher zu imponieren. Ob der strategischen Lage des Stützpunktes hätte sich ansonsten der Aufwand kaum gelohnt. Hanau lag am südlichen Abschnitt des Fulda-Gaps: Der Verteidigungslinie, wenn Russland über Thüringen in den Westen eingefallen wäre.

Was sich hinter dem Zaun des Fliegerhorstes am 25. Juni 1963 an offiziellen Handlungen abspielte, darunter ein Mittagessen mit 300 Soldaten im Kasino des US-Stützpunktes, zeigt lediglich die Landesausstellung.

Wer Berichte von Zeitzeugen sucht, sollte sich den Film ansehen, den Jugendliche der Bruchköbeler Heinrich-Böll-Schule produziert haben. Darin werden unter anderem Personen interviewt, die als Kind erlebt haben, wie sich der Fahrzeugkonvoi in offenen Limousinen (der Präsident hatte seinen Lincoln einfliegen lassen) von Langendiebach nach Frankfurt seinen Weg bahnte – nicht allerorts von großem Publikum begleitet. Der Tross hat bis heute seine Spur hinterlassen. Die John-F.-Kennedy-Straßen erzählen von dem Tag wie die noch heute vorhandenen Sprengschächte in Straßen und Brücken vom einstigen Fulda-Gap.

Die Aufarbeitung des Jahrestags durch das Hessische Hauptstaatsarchiv gibt sich sehr umfangreich. JFK als Kleinkind, JFK als Schüler, als Student, zu Beginn seiner politischen Karriere, die ob seiner Familie vorgezeichnet schien. Natürlich fehlt nicht das Privatleben, das mit Jackie und den gemeinsamen Kindern.

Die Zeitgeschichte umgibt die Darstellungen zur Person John F. Kennedy, was die Bedeutung des Präsidenten erklärt und warum er nicht nur als der Hoffnungsträger der amerikanischen Nation gesehen wurde, gleichwohl seine Präsidentschaft nur 1036 Tage dauerte. Die Ausstellung bietet einen kurzweiligen Spaziergang durch eine Epoche und eine Stippvisite, die einen Nachhall nicht nur in Straßenschildern gefunden hat. Denn während des Deutschlandbesuchs hielt Kennedy auch seine legendäre Berlin-Rede, die wie ein erhobener Zeigefinger gen Osten wirken sollte.

„John F. Kennedy in Hessen“ ist noch bis zum Sonntag, 15. September im Neustädter Rathaus von 10 bis 12 Uhr und von 14-17 Uhr und an Markttagen durchgehend geöffnet. Die Broschüre zur Ausstellung ist kostenlos.

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