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Keines der insgesamt 16 Karussellpferde aus Wilhelmsbad gleicht dem anderen. Jedes hat eine andere Haltung, ein anderes Geschirr.
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Keines der insgesamt 16 Karussellpferde aus Wilhelmsbad gleicht dem anderen. Jedes hat eine andere Haltung, ein anderes Geschirr.

Karussell Wilhelmsbad

Die alten Farben leuchten wieder

Mehr als 80 Jahre lang standen die 16 Pferdchen und vier Prunkkutschen still - nun schreitet die Sanierung voran. Zwei Pferdchen sind schon restauriert, und in zwei bis drei Jahren könnte sich das Wilhelmsbader Karussell wieder drehen.

Von Andreas Zitzmann

Die gläsernen Augen – drei alte, ein neues – glänzen. Geschirr und Zaumzeug leuchten in Rot und Gold. Die Farben verbergen aber nicht, dass die beiden Pferdchen schon weit über 100 Jahre alt sind, die da in einem Raum des Fürstenbaus in Wilhelmsbad im Stroh stehen.

Nach jahrelanger Vorarbeit kommt nun Zug in die Sanierung des historischen Karussells, das Franz Ludwig von Cancrin 1779/80 im Park der Kuranlage errichtete. Karl Weber, Direktor der Staatlichen Schlösserverwaltung, und Stefan Bahn, rühriger Vorsitzender des Fördervereins für die Karussell-Sanierung, präsentierten am Freitag mit sichtlichem Stolz die ersten zwei nahezu komplett überholten Pferde – zwei von insgesamt 16, hinzu kommen vier Kutschen.

Die Pferde sind nicht so alt wie das Karussell, das weltweit das älteste ist. Als 1870/71 Franzosen in Wilhelmsbad untergebracht waren, kam es zu Zerstörungen, wie Weber erzählt. Ende des 19. Jahrhunderts wurden neue Reittiere beschafft. 1929 drehte sich das Karussell zum letzten Mal.

Mit schuld daran waren die Pferde – Ende des 19. Jahrhunderts waren viel mehr aufgebaut worden als zu Cancrins Zeiten. Auch ihr Gewicht schwächte die hölzerne Konstruktion derart, dass sich irgendwann nichts mehr drehte. Dennoch seien die etwa ponygroßen Pferde keine Schwergewichte, sagt Restaurator Hans Michael Langleiter der Frankfurter Rundschau. Jedes wiegt knapp 50 Kilogramm. Konstruiert sind sie aus Buche: Holzscheiben wurden fächerförmig auf ein Gestell montiert und dann beschnitzt. Die Pferde sind also hohl.

In der Erinnerung der Hanauer sind sie weiß und schwarz lackiert. Das war nicht ihre Ursprungsfarbe. Die hat der Restaurator nun freigelegt: Die beiden ersten sind Falben. Die anderen 14, Stuten und Hengste, haben unterschiedliche „Felle“: Rappen, Schimmel, Braune, Füchse. Was nun so neu erstrahlt, sind im Übrigen die Originalfarben, Langleiter hat sie lediglich von den anderen Lacken befreit und ausgebessert.

Dachschindeln verkauft

Die Sanierung eines Pferdes und einer Kutsche kostet jeweils 15.000 Euro. Für bislang sechs Pferde wurden Patenschaften übernommen, die jüngste am Freitag vom Förderverein selbst. Die Fördervereinsmitglieder Eberhard und Ingeborg Schmitt sind dafür verantwortlich. Sie haben 1500 der demontierten, originalen Schieferschindeln des Karusselldachs gereinigt und für zwölf Euro das Stück verkauft. Führungen brachten weitere 4000 Euro ein.

Das Karussell selbst werden die Restauratoren – größtenteils Firmen aus der Region – Ende September in Angriff nehmen. Beim Überprüfen der Statik gab es einige Überraschungen, die zu Verzögerungen führten. Bahn und Weber wollen sich nicht festlegen, wann sich das Karussell tatsächlich wieder drehen wird: „2012 oder 2013“ – nur nicht hudeln.

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