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Alchemist der Moderne

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Glanzgold von Heraeus: Dem vor 150 Jahren geborenen Chemiker und Physiker Richard Küch gelang eine entscheidende Verbesserung der Rezeptur.
Glanzgold von Heraeus: Dem vor 150 Jahren geborenen Chemiker und Physiker Richard Küch gelang eine entscheidende Verbesserung der Rezeptur. © Heraeus

Mit seiner Hilfe wurde Heraeus zum Weltkonzern: Der geniale Erfinder Richard Küch legte mit seinen Ideen den Grundstein für den Aufstieg der Firma. Vor 150 Jahren wurde der Chemiker und Physiker in Salmünster geboren.

Von Alexander Polaschek und Ute Vetter

Einen genialen Tüftler und Erfinder feiert Heraeus dieser Tage: Richard Küch. Kaum ein anderer Entwickler des Konzerns fand und erfand so viele verschiedene Verfahren für industrielle und medizinische Anwendungen wie Richard Küch (1860–1915). Die Konzernleitung erinnert im Jahr 2010 zu Küchs 150. Geburtstag an das Erfindergenie.

„Die Erfindungen, die Küch bei Heraeus machte, waren entscheidend für den Erfolg und das Wachstum des Unternehmens“, betont Jörn Jahnke, Leiter des Geschäftsbereichs Ceramic Colours. Seine Entwicklungen seien bis heute in der Industrie und im Alltag anzutreffen. Etwa in Form von schönen, edelmetallhaltigen Dekoren auf Keramik und Glas.

Die Herstellung von Glanzgold, einer löslichen organischen Verbindung zur Verzierung von Porzellan, war bis in die 90er Jahre des 19. Jahrhunderts noch ein regelrechtes Geheimnis, das nur wenige kannten. Auch Heraeus musste zunächst die Firma des Apothekers August Herbst aus Arnstadt aufkaufen, der über spezielle Rezepte verfügte. Küch gelang es auf dieser Basis, Edelmetall-Glanzpräparate in wesentlich besserer Qualität zu entwickeln.

Küch, der sowohl als Chemiker wie als Physiker brillierte, hatte im Jahr 1890 die Leitung der Forschungsabteilung im Platinschmelze-Betrieb der Heraeus-Brüder übernommen. Kein Zufall: Die Drei waren alte Schulfreunde. Küch stammte aus Salmünster, die Familie zog nach Hanau um, als er neun Jahre alt war. Er besuchte die Hohe Landesschule, studierte dann in Marburg und Leipzig Mathematik, Physik, Chemie und Naturwissenschaft. Danach arbeitete er als Wissenschaftler in Berlin, bis ihn die Heraeus-Brüder engagierten.

Bereits im Jahr darauf reichte Heraeus das erste Patent der Firmengeschichte ein. Es betraf die Vergoldung von Platinblech. Allgemein bekannter ist ein anderes Produkt, dessen Entwicklung Küch maßgeblich bestimmte, die Höhensonne von „Original Hanau“. Diese UV-Hochdrucklampe basiert auf der von Küch entwickelten Methode, aus Bergkristall blasenfreies Quarzglas herzustellen. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern erfand Küch etliche weitere Verfahren und Anwendungen im Edelmetallbereich.

Küch stieg zum Mitgesellschafter der 1909 neu gegründeten W.C. Heraeus auf, deren Geschäfte er gemeinsam mit den Heraeus-Brüdern führte. Er wurde nicht sehr alt: 1915, mit 55 Jahren, erlag er einer Herzerkrankung. Dass er bis heute im Namen des Besucherzentrums von Heraeus präsent ist, unterstreicht seine Bedeutung für das Unternehmen. Hanau als auch Küchs Geburtsstadt Salmünster haben Straßen nach ihm benannt.

Auf Küchs Arbeit bauen mittlerweile mehr als 100 Jahre Erfahrung in der Entwicklung dekorativer Präparate für Glas und Keramik bei Heraeus auf. „Heute gehört unser Bereich zu den weltweit führenden Herstellern von Dekorationsmitteln für Keramik und Glas, die nach wie vor auf den von Küch entwickelten Grundprinzipien und Rezepturen basieren“, erläutert Jahnke.

Keramische Farben sind Rezepturen aus mehreren Komponenten, die auf Glas oder Keramik eingebrannt werden. Sie müssen sich für die jeweilige Methode, mit der die Farben aufgebracht werden sollen, eignen und auch nach dem Brennen noch gut aussehen. Die edelmetallhaltigen Präparate bestehen aus löslichen Edelmetallverbindungen oder Edelmetallpulvern, metallorganischen Haftvermittlern, Harzen und Lösungsmitteln.

Es gibt keinen Stillstand: „In den letzten Jahren wurden bei Heraeus aber auch ganz neue Grundrezepte und Verbindungen entwickelt, die auf synthetischen Rohstoffen basieren und die neue Möglichkeiten eröffnen, sagt Jahnke.

Bei der Entwicklung neuer Edelmetallpräparate gehen die Forscher heute noch ähnlich vor wie einst Richard Küch. Sie testen vielfältige Variationen von Rezepturen so lange, bis das optimale Produkt zur Verfügung steht. Einziger Unterschied: Hatte Küch alle Rezepturen und Versuche per Hand in seine Labornotizbücher eingetragen, so sammeln seine Erben ihre Testergebnisse in einer elektronischen Datenbank.

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