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Im Dialog mit den Gottesdienstbesuchern, Pfarrerin Margit Zahn und Künstler Horst Keining mit seinen „Wortbildern“.

Kultur

20 Jahre „Kunst in der Kirche“ in Hanau

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Die Johanneskirche dient als Raum für zeitgenössische Kunst. Horst Keining zeigt „Wortbilder“.

So provokativ wie einst das grüne Bauzaunnetz, das die schlanken Betonpfeiler umspannte, um das Licht der sehr hohen Oberlichter einzufangen, wird es diesmal nicht. Auch wird der kubusförmige Gebetsraum der Johanneskirche nicht so eingenommen wie etwa vor Jahren von einem mittig schwebenden weißem Baumgerippe, unter dem auf einem Rund blendend weißer Sand verteilt war. „Kunst in der Kirche“ geht nunmehr ins 20. Jahr. Mit Horst Keining stellt aktuell ein Künstler der ersten Stunde in der Reihe aus. Seine „Wortbilder“ fügen sich augenscheinlich unauffällig in die Innenarchitektur der Kirche ein, sie verlangen vom Betrachter dennoch ein hohes Maß an Konzenration.

Vielleicht war es die Schlichtheit des Raumes, aber bestimmt Margit Zahns Interesse für zeitgenössische Kunst, dass diese Reihe entstehen konnte. „Von 1991 an gab es in der Kirche vereinzelt Ausstellungen mit Hanauer Künstlern“, sagt die Pfarrerin, die seit 1988 in der Gemeinde tätig ist. Kunst und Glaube, das passt zusammen, steht für sie fest. „Es gibt ganz viele gemeinsame Fragen, wie was bedeuten Dinge und Worte im Leben?“ Es gehe immer um Lebensfragen. Kunst und Religion beobachten Lebensumstände von Menschen und versuchten sie zu erfassen, so Zahn. Überdies bedeute Kunst und Kirche eine Unterbrechung des Alltäglichen, ein Innehalten und Hinsehen

Eine kongeniale Mitstreiterin erhielt Zahn in der Galeristin Ursula König, die ihre Galerie vis-à-vis zum Gotteshaus liegen hatte. „Frau König hatte mich angesprochen. Die Idee ist bei mir gleich auf großes Interesse gestoßen“, sagt Zahn. Es entwickelte sich ein verlängerter Ausstellungsraum. 

International renommierte Künstler nutzen Kirchenraum

International renommierte Künstler, die König mit Schauen vertrat, nutzen den Kirchenraum als zusätzliche Herausforderung, ihre Arbeiten zur Geltung zu bringen. Hide Nasu, der mit monochromen Tintenbilder in der Galerie vertreten war, füllte das Taufbecken mit tiefschwarzer Tusche. Es war wie ein Blick in die unendliche Tiefe, der durch die Reflexionen verstärkt wurde, beschreibt Zahn. „Viele Besucher waren begeistert davon.“ Der Japaner füllte das Becken nach dem Gottesdienst.

Der Kirchenraum und der Vorplatz wurden mit Bildhauerei, Licht- und Objektinstallation bespielt. Im Jahr 2007 verselbstständigte sich „Kunst in der Kirche“, gleich mit der Bildhauerin und Malerin Vera Röhm. Beim Artheon-Kunstpreis 2008 der Evangelischen Kirche kam „Kunst in der Kirche“ unter den zehn besten Projekten.

Nicht jedes künstlerisches Werk stieß in der Gemeinde auf Begeisterung. „Aber es kommt wie im Alltäglichen und im Glauben auf die Blickrichtung an, um die Schönheit, das Anregende zu erkennen“, sagt Zahn.

„Kunst und Kirche“ ist bis heute nie bloß Begleitmusik zum Gottesdienst gewesen, sondern ist ein Teil davon. Zur Vernissage gehört das Gespräch mit dem Künstler. So auch am Sonntag, als Horst Keining zu Gast war und mit Margit Zahn über seine „Wortbilder“ sprach. Keining verfremdete optisch Passagen aus dem Matthäus-Evangelium unter dem Ausstellungstitel „und der Wind legte sich“. Die zum Teil bis zur Unkenntlichkeit mit das Farbsprühpistole wiedergegeben Textausschnitte fordern Dechiffrierung. Wem die Worte des Apostels vertraut sind, wird sich damit vielleicht leichter tun.

„Und der Wind legte sich“ von Horst Keining ist bis 17. März zu sehen, Johanneskirche, Frankfurter Straße, geöffnet ist zu den Gottesdienstzeiten und auf Anfrage, Telefon 0 61 81 / 85 464.

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