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Am Ende der Kundgebung in Hanau kam es zu Handgreiflichkeiten zwischen Kurden und vorwiegend sehr jungen türkischen Nationalisten. Polizeikräften gelang es aber rasch, beide Seiten zu trennen.

Provokationen in der City

Schlägereien zwischen Türken und Kurden in Hanau von Polizei verhindert

Wohl nur dem Einsatz starker Polizeikräfte ist es zu verdanken, dass es am Freitagabend in der Hanauer Innenstadt nicht zu Massenschlägereien zwischen Türken und Kurden gekommen ist.

Hanau – Eine Gruppe von rund 50 meist jungen Türken störte eine angemeldete Solidaritätskundgebung auf dem Freiheitsplatz in Hanau für die Kurden in Nordsyrien, das von der türkischen Armee angegriffen wurde.

Gut zwei Dutzend Organisationen – neben kurdischen Vereinen auch viele deutsche Gruppierungen, vom Deutschen Gewerkschaftsbund über Flüchtlingshelfer bis hin zu Pax Christi – hatten zu der Kundgebung aufgerufen, zu der rund 300 Menschen gekommen waren. Viele von ihnen trugen Fahnen und Zeichen der Kurdenmiliz YPG.

Demo in Hanau: Polizei verhindert Schlägerei zwischen Türken und Kurden

Rednerinnen und Redner verurteilten scharf den „völkerrechtswidrigen Angriff“ der türkischen Armee und islamistischer Milizen auf die Menschen in Rojava, einer von Kurden aufgebauten, bislang autonomen Region in Nordsyrien. Von gezielten Angriffen auf die Zielbevölkerung und „Massakern“ war die Rede. In Sprechchören wurde Präsident Erdoğan als „Faschist“ bezeichnet.

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Starke Polizeikräfte sicherten die Kundgebung auf dem Freiheitsplatz ab. Dennoch gelang es türkischen Nationalisten nach knapp einer halben Stunde, die Kundgebung mit Sprechchören zu stören. Kurdische Teilnehmer ließen sich provozieren, sodass beide Gruppen aufeinander losgingen. Mit massiven Kräften gelang es der Polizei, beide Seiten im letzten Moment zu trennen und die Türken in die Fahrstraße zurückzudrängen. Dort hielten unter anderem berittene Polizeikräfte die Störer in Schach, während auf dem Freiheitsplatz die Solidaritätskundgebung zunächst weiterging.

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Hanau: Viel Polizei - Demo für Kurden in Nordsyrien

Ursprünglich hatten die Veranstalter der Kundgebung auch einen Demonstrationszug durch die Hanauer Innenstadt angemeldet, der im Anschluss an die Kundgebung stattfinden sollte. Dieser Demonstrationszug war vonseiten der Versammlungsbehörde auch genehmigt worden. Der Zug sollte vom Freiheitsplatz über die Hammerstraße entlang der Marktplatz-Südseite durch die Nürnberger Straße bis hin zum Kurt-Blaum-Platz führen.

Aufgrund der Gefahrenlage untersagte die Versammlungsbehörde jedoch in enger Absprache mit der Polizei den Zug durch die Innenstadt. Die Polizei musste nach den Worten des leitenden Polizeidirektors Jürgen Fehler davon ausgehen, dass sich abseits der in der Fahrstraße festgesetzten Gruppe junger Türken weitere Störer in der Innenstadt aufhielten, die den Demonstrationszug hätten angreifen können. Noch dazu hatte es auch aus der Gruppe der Kurden vereinzelte Attacken gegen Polizeibeamte gegeben. Es kam zu zwei Festnahmen auf türkischer und kurdischer Seite.

Hanau: Demo-Zug verboten - Polizei setzt Gruppe junger Türken fest

Der Untersagung des Demo-Zuges war eine heftige Diskussion mit den Veranstaltern der Solidaritätskundgebung vorausgegangen, die der Polizei vorwarfen, sie seien nicht in der Lage, eine „angemeldete Demonstration vor einer Gruppe türkischer Nationalisten zu schützen“, wie es Thomas Lutz vom Hanauer Zentrum für Traumapädagogik formulierte. Lutz, der nach der Verfügung der Versammlungsbehörde von einer „Schande für Hanau“ sprach, erklärte schließlich die Kundgebung für beendet. Doch erst nach und nach entspannte sich die Situation.

VON DIRK IDING

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Bei einer anderen Demonstration in Hanau gingen rund 1000 vornehmlich junge Menschen im Rahmen des globalen Streiks für Klimaschutz auf die Straße.

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