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Rund 40 Bäume müssen im Kurpark Wilhelmsbad gefällt werden. Die meisten von ihnen sind Opfer der Trockenheit geworden.

Etliche Bäume durch Trockenheit geschädigt

Drama im Staatspark Wilhelmsbad

Drama im Staatspark Wilhelmsbad in Hanau: Etliche Bäume sind durch die Trockenheit geschädigt worden.

Wilhelmsbad – Eigentlich haben Christian Cersowsky und seine fünf Kollegen einen der schönsten Arbeitsplätze Hanaus.

Als Gärtner der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen sind sie zuständig für den rund 28 Hektar großen Staatspark Wilhelmsbad – ein Juwel des historischen Garten- und Landschaftsbaus. Doch dieses Juwel ist in ernster Gefahr.

Staatspark Wilhelmsbad und Wälder leiden unter Wetter

Was auch für die Wälder rings um Hanau zu konstatieren ist, gilt auch für den Staatspark. Etliche der bis zu 250 Jahre alten Bäume in dem Park leiden unter den Folgen des extremen Hitzesommers 2018 und der nach wie vor zu großen Trockenheit. Rund 40 Bäume sind nach Angaben von Gartenleiter Cersowsky so geschädigt, dass sie gefällt werden müssten.

Cersowsky und seine Kollegen haben in diesen Tagen ein besonders waches Auge auf den Baumbestand des Staatsparks. Neben den obligatorischen Baumkontrollen auf Basis einer systematischen Erfassung aller Kurparkbäume ab dem Alter von etwa 15 Jahren sind die Mitarbeiter angehalten, auch bei ihren täglichen Arbeiten die Bäume immer im Blick zu haben. Knapp 2500 Bäume des Staatsparks, so Cersowsky, sind in dem Kontrollsystem erfasst und werden regelmäßig überprüft – je schlechter der Gesundheitszustand eines Baumes, umso häufiger werde er in Augenschein genommen.

Erschreckende Kontrollen im Staatspark Wilhelmsbad 

Was Cersowsky und seine Kollegen bei ihren regelmäßigen Kontrollgängen sehen, ist erschreckend: Rund ein Fünftel aller erfassten Parkbäume gelten mittlerweile als gefährdet. Hauptsächlich betroffen seien Rotbuchen, deutet Cersowsky auf ein ehemals stattliches Exemplar am Rande des Kinderspielplatzes. Vom einstigen Grün des um die 90 Jahre alten Baumes ist nichts mehr geblieben, die Krone ist licht, mehrfache Rückschnitte von Ästen brachten keinen Erfolg.

Astbruch an einem Naturdenkmal: Rund 250 Jahre alt ist die Eiche, aus der unvermittelt zwei große Äste herausgebrochen sind. Astbruch ist eine Strategie der Bäume gegen die große Trockenheit. Das ist nicht ungefährlich.

Dieser Baum ist nur noch ein Fall für den Fällkran, der in den nächsten Tagen erstmals im Staatspark Wilhelmsbad zum Einsatz kommt. Mit dem Spezialgerät werden Bäume von oben her abschnittsweise gefällt.

Staatspark Wilhelmsbad: Drama offenbart sich erst beim Blick nach oben

„Doch trotz aller Kontrolle bleibt immer auch ein Restrisiko“, sagt der Wilhelmsbader Gartenleiter. Zum Beweis führt Cersowsky zu einer über 200 Jahre alten Eiche, einem Naturdenkmal. Der mächtige Baum hat in der Nacht zu Montag unvermittelt einen Ast von gut 40 Zentimetern Durchmesser „abgeworfen“, ein zweiter wurde durch das herabfallende Gehölz offenbar mit in die Tiefe gerissen. „Dieser Astbruch kam auch für uns völlig überraschend und war nicht vorhersehbar“, sagt Cersowsky und ist froh, dass niemand zu Schaden kam. Bereits vor Tagen hatte die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten in Hessen vor der Gefahr von Astbrüchen in den Staatsparks gewarnt und Besuchern geraten, am besten auf den Wegen zu bleiben und sich nicht zu lange unter den Bäumen aufzuhalten.

„Es tut in der Seele weh“: Christian Cersowsky

Dabei mag Spaziergängern der ernste Zustand vieler Staatspark-Bäume zunächst kaum auffallen. Das ganze Drama offenbart sich erst beim Blick nach oben. Dann sieht man, dass sich bei etlichen Bäumen die Kronen bereits merklich gelichtet haben und in den Baumwipfeln ganze Äste vertrocknet sind. Sicheres Zeichen dafür, dass die Bäume regelrecht verdursten. Von der Trockenheit geschwächt, werden sie zudem anfälliger für Pilzerkrankungen und Schädlinge – ein Teufelskreis. „Dieser Anblick tut einem in der Seele weh“, sagt Christian Cersowsky.

Ausbau der künstlichen Bewässerung im Staatspark Wilhelmsbad

Ein Ausbau der künstlichen Bewässerung im Staatspark Wilhelmsbad soll helfen, das Schlimmste zu verhindern. 2017 wurde damit begonnen, erste Leitungen und Zapfstellen anzulegen, an die nun Regner angeschlossen werden. Entnommen wird dafür Oberflächenwasser aus dem Teich im Staatspark, der durch den Braubach gespeist wird, der aber auch schon deutlich weniger Wasser führt. Mittelfristig geplant sei eine automatisierte Bewässerung, die nachts eingeschaltet wird, damit der Verdunstungsverlust möglichst gering bleibt.

Ein Fall für den Fällkran: Die Rotbuche unmittelbar neben dem Kinderspielplatz ist nicht mehr zu retten.

Zudem gibt es Überlegungen innerhalb der Staatlichen Schlösser und Gärten-Verwaltung, bei Nachpflanzungen in den Staatsparks künftig auf Baumarten zurückzugreifen, die mit der Trockenheit besser umgehen können. Damit allerdings würden „historische“ Baumarten aus den Parks ein Stück weit verschwinden.

VON DIRK IDING

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