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Nicht alle Fahrzeuge halten sich an das vorgegebene Schritttempo.

Stadtentwicklung in Hanau

Demo wegen neuem Quartier in Hanau

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In Mittelbuchen gibt es erneut Proteste – diesmal gegen Missstände beim Baustellenverkehr.

Schwere Baustellenfahrzeuge, die viel schneller als das vorgeschriebene Schritttempo fahren. Es teilweise müssen, weil sie sonst nicht den Hang hochkommen. Ein früherer Feldweg, der als Baustraße dient und unter den Lasten kaputt geht. Viele Kinder, die nicht immer konzentriert sind, müssen den Weg überqueren, um zur Grundschule zu kommen. Zwar wurde eine Ampel geschaltet, doch Fußgänger haben viel zu selten und zu kurz Grün.

Das und einiges mehr kritisieren die IG Bauvorhaben Mittelbuchen Nord-West sowie weitere Bürger an den Arbeiten für das neue Quartier in ihrem Stadtteil. Ortsbeirat Jürgen Keller (Grüne) hat deshalb eine Demonstration angemeldet. „Das Projekt wird durchgedrückt trotz der offensichtlichen Missstände, etwa der Gefahr für Schulkinder. Dagegen wehren wir uns“, sagt Keller, der selbst in der Nähe wohnt. Die Demonstranten treffen sich am Montag um 7.30 Uhr am Kreisel an der Wachenbuchener Straße und ziehen dann zur Büchertalschule.

Keller nennt weitere Kritikpunkte: Der Zufahrtsweg werde auch außerhalb der genehmigten Zeit, 7 bis 18 Uhr, genutzt. Anwohner litten unter Lärm und Dreck, Autos seien durch Baumaterialien beschädigt worden.

Die IG protestierte bereits während der Planung, auch wegen der Dichte der Bebauung sowie der befürchteten Verkehrsüberlastung, weil es nur eine Zufahrtsmöglichkeit zum Gebiet gibt. Die Stadt Hanau hielt dem entgegen, dass alle Vorschriften eingehalten, Probleme gelöst würden. Wohnraum werde dringend gebraucht. Der Ortsbeirat sprach sich gegen die Pläne aus, das Stadtparlament, in dem die Koalition aus SPD, Grünen, BfH, FDP eine deutliche Mehrheit hat, dafür.

Es laufen noch rechtliche Auseinandersetzungen. Geklagt hatte auch der BUND. Er kritisiert, das Schutzkonzept für den vom Aussterben bedrohten Feldhamster reiche bei diesem Projekt in keinster Weise aus und habe fatale Folgen – was der Bauträger Bien Ries und die Stadt zurückweisen. Die endgültige Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs steht noch aus. Die Stoppanträge lehnte das Gericht ab.

Auf dem Areal baut Bien Ries das Wohngebiet „Landgut“, rund 120 Einheiten. Geplant sind 30 Eigentumswohnungen und 90 Reihen-, Doppel- und Einfamilienhäuser.

Die Stadt teilt zu den Beschwerden auf FR-Anfrage mit, es gebe keine Alternative zu der Baustraße, bei den anderen Optionen wären Anwohner und Natur stärker betroffen. Auflagen, etwa zur Nutzungszeit, sollten die Belastung so gering wie möglich halten. Ein Sprecher räumt ein, dass die Regeln zu Beginn „nicht immer strikt eingehalten“ worden seien. Stadt und Bien Ries hätten aber umgehend reagiert, die Kontrollen ausgeweitet, die Straße ausgebessert und eine Fußgängerampel installiert. Die Sicherheit des Schulwegs sei nicht beanstandet worden. Bien Ries habe für 200 000 Euro einen Wachdienst beauftragt, nach dem Rechten zu sehen, und eine weitere Firma mit der Reinigung. Die Baustraße „wird noch ertüchtigt“. Zudem beginne Mitte März der Hochbau, dann müsse nicht mehr viel Erde abtransportiert werden.

Es gebe weiter große Probleme, die Maßnahmen reichten nicht, sagt Keller. So sei die Straße total überlastet, die Ampel falle phasenweise aus. „Wir wollen jetzt ein Zeichen setzen.“

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