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Hanau/Großkrotzenburg

Großkrotzenburg: Angeklagter gesteht tödliche Messerstiche in Flüchtlingsunterkunft

  • Gregor Haschnik
    VonGregor Haschnik
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Beim Auftakt im Prozess am Landgericht gesteht der Angeklagte die tödlichen Messerstiche. Im Gerichtssaal verhält sich der Mordverdächtige psychisch auffällig.

Bereits nach wenigen Minuten wird der Angeklagte auffällig: „Warum fragen Sie mich das alles?“, sagt Abdiqadir M. vorwurfsvoll zu Richterin Susanne Wetzel, als die Personalien festgestellt werden. Das stehe doch alles in der Akte. Die Schöffen und Zuschauer kennen diese nicht, erklärt Wetzel. „Warum machen Sie sich über mich lustig?“, lautet die nächste Frage. Alle hier seien Rassisten; er bleibe das nächste Mal im Gefängnis, die Anwälte würden ihn vertreten, so der 34-Jährige. Wetzel muss ihm mehrfach höflich, aber bestimmt Grenzen setzen: Er müsse kommen. Es gehe darum, die Tat aufzuklären. Das Gericht respektiere alle, unabhängig von der Herkunft.

Am Landgericht hat am Mittwoch der Prozess um die Tötung des 25-Jährigen Niaz A. in der Großkrotzenburger Flüchtlingsunterkunft begonnen. Dazu hat M. selbst keine Angaben gemacht, einer seiner Verteidiger erklärte jedoch, er gestehe „das äußere Tatgeschehen“, also die ihm vorgeworfenen tödlichen Messerstiche gegen A. im Januar. Er fügte hinzu, dass es in der Unterkunft oft Streit gegeben habe. Sein Mandant habe sich von afghanischen Geflüchteten, zu denen das Opfer gezählt habe, bedroht gefühlt.

Staatsanwalt Oliver Piechaczek wirft Abdiqadir M. Mord aus niedrigen Beweggründen vor: Demnach stach er mit einem Messer mit 20 Zentimeter langer Klinge auf Niaz A. ein, nachdem dieser ihn fragte, warum er das Gemeinschaftsbad nicht saubergemacht habe. M. verletzte den 25-Jährigen unter anderem an Herz und Lunge so schwer, dass A. am Tatort verblutete.

Kritik an Unterbringung

Der aus Somalia geflüchtete Angeklagte war schon wegen einer ähnlichen Tat – in einer Maintaler Unterkunft stach er nach einem Konflikt über die Zimmerbeleuchtung auf einen 19-Jährigen ein – zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Bewohner in Großkrotzenburg sollen Gemeindemitarbeiter wiederholt darauf hingewiesen haben, dass M. sich aggressiv verhalte, was die Mitarbeiter bestreiten.

Der erste Tatzeuge bestätigte in seiner emotionalen Aussage die wesentlichen Angaben der Staatsanwaltschaft: Er habe Streit gehört und auf dem Flur von Niaz A. erfahren, dass Abdiqadir M. Schmutz in der Dusche hinterlassen habe. Ein „Fuck you“ von M. habe A. mit denselben Worten erwidert. Der Zeuge riet dem späteren Opfer demnach, einen Betreuer anzurufen. Kurz nach dem Griff zum Handy sei die Situation eskaliert: Der Angeklagte habe gesagt, er werde A. töten. Der 25-Jährige sei ein Stück auf M. zugegangen, habe gesagt: „Wir sind hier in Deutschland. Du darfst das nicht machen.“ Auch der Zeuge habe versucht, die Stiche zu verhindern und appelliert: „Mach das nicht, Bruder.“ Doch der mutmaßliche Täter habe Niaz A. mehrfach mit enormer Wucht in die Brust gestochen. A. sei zum Notausgang geflohen, der sich nur sehr schwer habe öffnen lassen. Der Angreifer sei ihm gefolgt und habe erneut zugestochen.

„Wie ein Tier“, sagt der Mitbewohner schluchzend, woraufhin Wetzel ihn auffordert, sich bei der Wortwahl zu mäßigen, obgleich sie Verständnis für sein Trauma habe. Der Angeklagte sei „krank“, sagt der Zeuge, der seit der Tat nicht mehr zur Ruhe kommt. M. sei nicht bedroht worden. Er habe sich höchst merkwürdig verhalten, sei etwa häufig laut auf- und ab gelaufen, habe sich nicht an Regeln gehalten. Die Betreuer seien darauf hingewiesen worden. Niaz hingegen sei ein sehr friedlicher und fleißig arbeitender Mensch gewesen. „Wir hatten ein schönes Leben, haben auch Fußball geschaut und gekocht. Und dann musste Niaz vor meinen Augen sterben.“ gha

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