Erlensee/Neuberg

Großer Widerstand gegen Fusion

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Nachdem ein Zusammenschluss zwischen den Nachbarkommunen klar gescheitert ist, erscheint auch eine engere Kooperation unwahrscheinlich.

Während die Initiative „Neuberger für Neuberg“ am Sonntagabend zufrieden zusammensaß und den Blick nach vorne richtete, herrschte bei den Befürwortern einer Fusion zwischen den Nachbarn Erlensee und Neuberg tiefe Ernüchterung. Ein Scheitern schien zumindest in der 5500-Einwohner-Gemeinde Neuberg gut möglich. Doch das Resultat war – auch in der 14 000-Einwohner-Stadt Erlensee – eine herbe Niederlage für die Verfechter: In Erlensee stimmten von 11 028 Wahlberechtigten nur 3654 ab und davon 2191 gegen eine Fusion, was 60 Prozent entspricht. Damit wurde das Quorum nicht erreicht. In Neuberg votierten 80 Prozent mit Nein – bei einer Beteiligung von 70 Prozent der 4200 Wahlberechtigten.

Es ist nicht die erste geplatzte Fusion in Hessen: Bei den Gemeinden Steffenberg und Angelburg im Landkreis Marburg-Biedenkopf scheiterten die Pläne 2015, weil in Steffenberg die meisten Bürger dagegen stimmten. In den Odenwaldstädten Michelstadt und Erbach wurde ein Zusammenschluss bereits 2007 in beiden Orten abgelehnt.

Neubergs Bürgermeisterin Iris Schröder und ihr Erlenseer Kollege Stefan Erb (beide SPD) gingen 2017 mit ihrer Idee an die Öffentlichkeit. Laut einer von den Kommunen beauftragten Studie hätte ein Zusammenschluss deutliche Vorteile. So ließe sich durch Synergien jährlich gut eine Million Euro sparen. Zudem hätte eine 20 000-Einwohner-Stadt mehr Einfluss, etwa beim Land.

Andreas Weiß, Mitglied der Bürgerinitiative „Neuberger für Neuberg“ und für die CDU in der Gemeindevertretung, sieht sich und seine Mitstreiter durch das Ergebnis bestätigt: Die Initiative habe keine Ängste geschürt, sondern mit Argumenten überzeugt. Die Bürger seien nicht mitgenommen, die Risiken nicht beleuchtet worden. Darüber hinaus sei unklar, wie viel von dem eingesparten Geld in Neuberg – dem es alleine nicht schlecht gehe – ankäme. Laut Weiß gelte es nun, eine stärkere interkommunale Zusammenarbeit zu prüfen, mit Erlensee, aber auch mit anderen Kommunen. So könne man sparen und die Eigenständigkeit erhalten.

Doch ob es zu einer engeren Kooperation mit Erlensee – über Bereiche wie die Tagespflege hinaus – kommt, ist fraglich. Erb verweist darauf, dass der Verwaltungsaufwand dafür groß und der Ertrag recht gering sei. Er kritisiert, dass es bei Kooperationsprojekten schon ein unbegründetes Misstrauen von Neuberger Gemeindevertretern gegeben habe. Den Ausgang der Entscheide sieht Erb besonders in der „unterirdischen, Ängste schürenden Kampagne“ in Neuberg begründet, die auch „nach Erlensee geschwappt“ sei. Viele hätten sich gefragt, wieso sie zustimmen sollten, wenn es in Neuberg einen solchen Widerstand gibt. Die Initiative hätte sich durch nichts überzeugen lassen. Nichtsdestotrotz müsse das Votum selbstverständlich respektiert werden. Es sei lediglich ein Angebot an die Bürger gewesen.

Die Erlenseer Stadtverordneten hatten sich einstimmig für eine Fusion ausgesprochen, die Neuberger Gemeindevertreter lehnten eine Einheitsgemeinde ab. Zum Entscheid kam es dennoch, weil Unterstützer einer Fusion die notwendigen Unterschriften gesammelt hatten. gha

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