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„Bühne für die Tiere“ und ein Ort der Zusammenkunft, so sieht Matthias Kohn sein August-Gaul-Denkmal.

Hanau

Großauheim hat ein neues Herz

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Der Rochusplatz wurde nach Neugestaltung am Sonntag feierlich eröffnet. Der renommierte Bildhauer August Gaul hat dort ein Denkmal erhalten.

Nach gut einem halben Jahr des Umbaus ist am gestrigen Sonntag der Rochusplatz im Stadtteil Großauheim mit viel Publikum feierlich der Öffentlichkeit übergeben worden. Die Fläche am östlichen Ende der Hauptstraße erhielt nicht nur eine neue Gestalt. Zu Ehren des renommierten Bildhauers August Gaul, dessen Wiege unweit entfernt in der Haaggasse stand, steht auf dem Rochusplatz nun auch ein Denkmal, das der Aachener Künstler Matthias Kohn schuf. Gauls Geburtstag jährt sich am morgigen Dienstag zum 150. Mal. Der mit Tücken und Protest behaftete Umbau des Platzes schlug mit 1,3 Millionen Euro zu Buche. Rund 100 000 Euro mehr als geplant, weil sich im Boden ungeahnte Hinterlassenschaften der US-Armee befanden.

„Wir übergeben heute den Platz an die Großauheimerinnen und Großauheimer, so wie sie ihn gestaltet haben wollten“, sagt Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) in seiner Rede in Anspielung auf die Einmischung der Großauheimer bei der Gestaltung ihres Zentrums. Seit 1852 markiert ein mehrere Meter hohes Sandsteinkreuz mit Jesus-Figur dran den Platz der Glaubensprovinz des Bistums Mainz, das zur Verehrung des heiligen St. Rochus aufgestellt wurde, dem Schutzpatron der Pestkranken. Wie der Verkehr künftig um die Fläche geführt, die Aufenthaltsqualität verbessert und es grüner wird, wurde zwischen Bürgern, Politik und Verwaltung zum Teil kontrovers diskutiert.

Der Umbau stand mit auf der 2013 gestarteten Agenda für den Stadtteilentwicklungsprozess. Die Großauheimer konnten ihren Willen beim Platz durchsetzen, dessen markante Möbilierung neben dem Gaul-Denkmal zwei aus Holzlatten bestehenden Sitzbänke kombiniert mit Liegen und einem antiquiert erscheinenden Uhrtürmchen besteht. Den Anlieger war zudem Fortuna hold und sparte ihnen viel Geld. Noch vor Baubeginn strich die Stadt die Straßenbeitragssatzung, weil das Land dies zuließ.

Nach Jahren wird dort wieder an einem der berühmtesten Söhne Großauheims erinnert. August Gaul, 1921 in Berlin gestorben, markierte mit seinen Tierplastiken die Moderne in der deutschen Bildhauerei. Mit 18 Jahren zog er gen Berlin, um sein Talent zur Geltung zu bringen. Ein bekanntes Objekt war die „Stehende Löwin“, die schmückte nach dem Krieg den Rochusplatz, wegen häufiger Beschädigung wurde die Plastik abgebaut. Heute ist sie im Museum des Stadtteils zu sehen.

Matthias Kohn hat mit seiner Plastik eine Reminiszenz an Gauls Leitmotiv Tiere geschaffen. Der Aachener nahm sich Gauls Plastiken zur Vorlage und fügte diese als Negativrelief in den Betonring ein. „Der Betonkörper dient nur als Bühne für die Tiere“, sagt Kohn der FR. Das Denkmal sei keine Kunst, die allein wegen der Kunst gemacht worden sei. Es sei für die Bürger da und übernehme eine soziale Funktion, die sich in dem Namen der Plastik widerspiegelt, „Begegnungen“. Meine Arbeit benötigt einen belebten Ort, so der 35-Jährige.

Der gelernte Steinbildbhauer mit Studium für Handwerk und Design in Aachen konnte mit seinem Konzept die Bürgerjury überzeugen. Mit seinem Entwurf setzte er sich gegen 61 Mitbewerber durch. „Matthias Kohns Denkmal für August Gaul sicher die Identität von Großauheim nach innen prägen und das Image nach außen schärfen“, meint nicht nur OB Kaminsky. Ein Großauheimer bemerkt, „seit dem Platzumbau tut sich wieder was in der Hauptstraße“.

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