Claudia Slominski und Emmanuel Tauch in einer Werkstatt der Zeichenakademie.
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Claudia Slominski und Emmanuel Tauch in einer Werkstatt der Zeichenakademie.

Berufsakademie Hanau

Design und Innovation

  • Franziska Schubert
    vonFranziska Schubert
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Die Berufsakademie Hanau verzahnt das Studium mit einer kreativen Ausbildung. Die private Hochschule bietet von August an den neuen Studiengang Innovationsmanagement an.

Die tolle familiäre Atmosphäre, erinnert sich die Studentin Claudia Slominski, hat ihr beim Informationstag auf Anhieb gefallen. Seit zwei Jahren studiert sie an der Brüder-Grimm-Berufsakademie Hanau nun schon Produktgestaltung und lässt sich parallel an der Staatlichen Zeichenakademie Hanau zur Metallbildnerin ausbilden. Für sie seien die Studien- und Ausbildungsbedingungen in den knapp 20 verschiedenen Werkstätten, Maschinen- und Vorlesungsräumen ideal: „Durch die kleinen Gruppen lernen wir sehr intensiv und helfen uns auch untereinander“, berichtet die 20-Jährige.

Während es im Studium viel um Entwürfe und Design von Produkten geht, erlernt Claudia Slominski in der Ausbildung auch die handwerklichen Fähigkeiten, die verschiedenen Materialien zu bearbeiten. Bis zu sechs Wochen hat sie Zeit, um beispielsweise ein Produkt wie eine Leuchte, eine Schale oder eine Garderobe zu entwerfen und anzufertigen. „Obwohl das meist Einzelanfertigungen sind, achten wir darauf, dass man die Produkte auch seriell herstellen kann.“ Bei der Endpräsentation muss sie dann zudem begründen, wie sie zu dem Ergebnis gekommen ist.

Für die zwei Abschlüsse – Gesellenprüfung und Bachelor –, die Claudia Slominski in dreieinhalb Jahren erwirbt, müsse sie auch „Opfer bringen“. Andere Studierende „haben viel mehr Ferien als ich.“ Dass sie weniger Freizeit habe, störe sie aber kaum, da sie gern Produkte gestalte. Diese später einmal für eine Unternehmen oder eine Agentur „zu entwerfen und auf den Markt zu bringen“, sei ihr Berufsziel.

Akademieleiterin Nicole Simon bezeichnet es als große Herausforderung, was die Studierenden bis zu ihrem Abschluss leisten. „Dafür werden sie bei uns individuell gefördert und ausgebildet.“ Die Betreuung sei sehr gut – bei Kursen mit Teilnehmerzahlen um die 13 bis 30 Personen. Das habe sich mittlerweile herumgesprochen; sogar aus Berlin, Oldenburg und dem Tessin kommen die Bewerber. Neben der Abgabe einer Mappe müssen Interessenten ein Bewerbungsverfahren durchlaufen, manche auch noch zusätzlich bei der Zeichenakademie – denn ganz ohne handwerkliches Geschick ist man hier fehl am Platz.

Die Nähe zur Praxis und zum Beruf garantieren auch die Lehrenden, die einen entsprechenden Background mitbringen. „Dadurch sind wir auch stets nah dran an den Innovationen in der Industrie“, sagt Simon, die zudem eine Professur für Verpackungsdesign an der Fachhochschule Hildesheim innehat.

Internationalisierung, Industrie 4.0 und generell die Schnelllebigkeit seien wichtige Zukunftsaspekte für die Unternehmen. Die Fähigkeit, Innovationsprozesse in Unternehmen anzuleiten, sollen auszubildende Industriekaufleute in einem neuen Studiengang an der Berufsakademie ab August erlernen. „Es geht um die Kommunikation mit unterschiedlichen Berufsgruppen, Durchsetzungsfähigkeit und systematische Steuerung von Prozessen.“

Neben Designkenntnissen werden vor allem betriebswirtschaftliche Kenntnisse vermittelt. Auch wenn die Akademieleiterin weiterhin auf das Lernen in kleinen Gruppen setzt, plant sie, das Angebot an Studiengängen zu erweitern. „Schon jetzt bekommen wir viele gute Bewerbungen“, sagt Nicole Simon.

Die Ausstattung der Werkstätten und die technischen Möglichkeiten wie etwa 3D-Druck haben bei Emmanuel Tauch den Ausschlag gegeben, an der Berufsakademie Produktgestaltung zu studieren. „Ich habe mir verschiedene Goldschmiedeschulen angeschaut.“ Doch in Hinblick auf Ausstattung und die theoretischen Studieninhalte habe ihm die Ausbildung in Hanau am besten gefallen. Es sei schon etwas besonderes, eine so moderne Technik wie den Laser, mit dem man winzige Teile schneiden kann, ausprobieren zu können oder Bauteile mit dem 3D-Drucker herzustellen. Auch der Bezug zu Kunden und Käufern spiele im Studium eine große Rolle. Großen Spaß hat es Tauch beispielsweise gemacht, einen Premium-Pizzaschneider zu entwerfen. „Ich habe eine neue Funktionsweise entwickelt, sozusagen einen Fingerhut mit Klinge.“

Mit Bleistift und Papier

Studierende und Lehrende sind zudem gleichermaßen begeistert von den sanierten Räumlichkeiten der 1772 gegründeten Zeichenakademie. In den Werkstätten werden nicht nur Grundlagen wie Feilen, Sägen und Löten vermittelt, auch Gravur- oder Sandstrahlarbeiten sind hier möglich. Es gibt große Ziehbänke, um Draht zu formen, und sogar eine Schmiede mit Esse und Amboss, wo es dann beim Formen von Metall auch mal etwas lauter zugehen kann. In einem Raum sind die Auszubildenden gerade dabei, einen Würfel aus Messingplatten herzustellen. „Es muss sehr genau gesägt und gefeilt werden, aber nur Übung macht den Meister“, sagt die Betreuerin.

Neben den Seminarräumen gibt es noch eine schmucke Bibliothek mit kunsthandwerklichen Schätzen, darunter historische Meisterleistungen der Zeichentechnik sowie Zeitschriften aus dem 19. Jahrhundert. Aber auch an diesem Ort wird praktisch geübt: Statt der Internetsuche mit Google sollen die Studierenden lernen, mit seriösen Quellen professionell zu recherchieren.

Nicht nur das traditionsreiche Handwerk, auch das Zeichnen und Entwerfen mit Bleistift und Papier sowie der Modellbau werden an der Berufsakademie gepflegt. Denn gerade die Computerprogramme bieten den Designern oft nicht die Freiheiten, die sie zum Gestalten benötigen.

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