Hanau ist Teil der europäischen Theatergeschichte, die eine Wanderausstellung erzählt.
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Hanau ist Teil der europäischen Theatergeschichte, die eine Wanderausstellung erzählt.

Hanau

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  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Eine Ausstellung zu Theater und Geschichte Europas wird im Neustädter Rathaus mit Nachbau des Comoedienhaus gezeigt. Es ist die vorletzte Station in Europa.

Der Weg zu dem Europa, wie es sich heute zeigt, lässt sich vielfältig nachzeichnen. Eine Möglichkeit zeigt die gestern in Hanaus Neustädter Rathaus eröffnete Wanderausstellung „Die Geschichte Europas – erzählt von seinen Theatern“. Das Thema wird facettenreich von der Antike bis hin zur Gegenwart aufgespannt. Theater als Ausdruck nationalen Bewusstseins, als Medium zur Überschreitung von Landesgrenzen oder als Form von Demokratie sind nur einige Kapitel der Schau, die von „Perspectiv, Gesellschaft der historischen Theater Europas“, kuratiert wurde.

Die aufwendig gestaltete Ausstellung mit Schautafeln und Faksimiles, darunter Abbildungen und historische Textfahnen (Rollen) für Schauspieler, ist seit 2015 in mehreren Städten gezeigt worden, die an der „Europäischen Route Historischer Theater“ liegen. Und damit ergibt sich der Bogen nach Hanau. Im Staatspark Wilhelmsbad steht das älteste Kurtheater Deutschlands. Das 1781 erbaute Haus ist eine Station auf der Deutschland-Route.

„Für uns sind die Theater wichtig, deren Gebäude und Geschichte etwas erzählen“, sagt Carsten Jung, Generalsekretär bei Perspectiv. Die Wirkung des Theaters auf die Gesellschaft soll gezeigt werden. Selbst Feuerkatastrophen und Kriegszeiten mit Fronttheater werden hierzu exponiert. Die Wirkung der Stücke spielt hingegen eine untergeordnete Rolle.

Die griechische Antike mit ihrem Amphitheater zieht sich als roter Faden durch die Schau, die auch den Plenarsaal des Europäische Parlaments einschließt. „Wegen der ähnlichen architektonischen Gestaltung und der Theatralik mancher Redner“, sagt Jung ganz ironiefrei.

Die Demokratisierung des Theaters um 1900 füllt eine andere Abteilung der Schau. Es werden etwa Entwürfe für einen demokratischen Publikumsraum vorgestellt, in dem jeder Zuschauer die Aufführung gleich gut verfolgen kann. Keiner der Pläne ist verwirklicht worden, sagt Jung.

Sicherlich kein Relikt dieser hohen Ideale stellt das Wilhelmsbader Comoedienhaus dar. Erbprinz Wilhelm ließ das Gebäude nebst der Kuranlage mit Geld bauen, das er vom britischen König für das „Vermieten“ von Soldaten bekam. Im so genannten Scheunentheater sollten die gutbetuchten Kurgäste unterhalten werden. Um in der Ausstellung etwas von der Atmosphäre des 1969 nach aufwendiger Sanierung wiedereröffnete Theaters zu vermitteln, ist ein bisschen Comoedienhaus mit seinem bescheidenen Prunk (auf Holz gemalte Marmortäfelung und Säulen) nachgebaut worden. Auf dem Vorhang flimmert ein Endlosfilm mit Highlights aus der langjährigen Reihe „Wilhelmsbader Produktionen“ des HR. In dem kleinen Theater mit seinen 211 Plätzen gastierten einst viele Künstler, die bereits einen großen Namen hatten oder auf dem Weg zum Ruhm waren. Der jüngst verstorbene Götz George war so einer. Seine Autogrammkarte ziert heute das Entree im Comoedienhaus.

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