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Die Zahl der Ausbildungsverträge im Kreis ist überraschend angestiegen - unser Bild zeigt einen Straßenbau-Azubi beim Pflastern.
Die Zahl der Ausbildungsverträge im Kreis ist überraschend angestiegen - unser Bild zeigt einen Straßenbau-Azubi beim Pflastern. © Andreas Arnold

Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge ist im Vergleich zum Vorjahr sprunghaft gestiegen. Handwerk hat nicht mehr unbedingt goldenen Boden: Viele Meister klagen über die Schwierigkeiten, neue Lehrlinge zu finden.

Von Rebekka Sambale

Von „überraschenderweise unglaublich vielen“ abgeschlossenen Ausbildungsverträgen spricht Hartwig Rohde, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern. Vor Stimmungsmache und zu viel Lob warnt hingegen Anke Muth, Abteilungsleiterin Jugend des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Thüringen-Hessen. Der Hintergrund: Die IHK meldet für den Main-Kinzig-Kreis seit Jahresbeginn 159 Ausbildungsverträge mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Auf der Suche nach Gründen für diese Zunahme um etwa 15 Prozent verweist Rohde darauf, dass immer weniger Bewerbungen aus den östlichen Bundesländern kämen. Da sich dort die Ausbildungssituation entspanne, böten sich im Main-Kinzig-Kreis bessere Chancen für Jugendliche aus der Region.

Auch die Agentur für Arbeit verortet das Verhältnis von Bewerbern zu freien Ausbildungsstellen „auf einem ordentlichen Niveau“, wie Marco Schöppner, Teamleiter Berufsberatung der Arbeitsagentur in Hanau es formuliert. Allerdings warnt er vor verfrühter Euphorie. Denn das Berichtsjahr der Arbeitsagentur endet erst im September. Während die Bewerberzahl sich etwa auf dem Bereich des Vorjahres hält, gibt es bislang etwa 40 Prozent mehr gemeldete freie Stellen, wie Schöppner sagt.

Bedeutet die höhere Zahl an Meldungen aber auch tatsächlich mehr freie Plätze? „Nicht unbedingt“, erklärt Schöppner. „Es ist schwieriger, Jugendliche für die Ausbildungsplätze zu finden“, sagt er. Daher seien die Unternehmen auf verstärkte Öffentlichkeitsarbeit angewiesen. Der Trend hin zum Besuch von weiterführenden Schulen anstelle einer Ausbildung begünstige diese Entwicklung.

Schwierigkeiten, einen Azubi zu finden – davon kann Hansjörg Haas ein Lied singen. Er betreibt eine Autosattlerei und Polsterwerkstatt in Linsengericht und ist seit Jahren auf der Suche nach einem Auszubildenden. „Für die meisten Jugendlichen ist Handwerk der Abstieg“, sagt er, enttäuscht über die Vorurteile gegenüber seinem Beruf. Dabei seien die Zukunftsaussichten in handwerklichen Berufen gut. In den vergangenen acht Jahren beschäftigte Haas nur einen einzigen Azubi. Aussuchen konnte er sich den nicht – es gab nur die eine Bewerbung. „Jetzt muss ich meinen Betrieb verkleinern“, klagt Haas.

Diese Probleme haben große Unternehmen nicht. Heraeus stellt in diesem Jahr 93 junge Menschen neu ein, wie Ausbildungs-Leiter Wolfgang Flechtker mitteilt. Dabei zeichnen sich bestimmte Vorlieben ab. „Für einige Berufe im gewerblichen und kaufmännischen Bereich gehen die Bewerberzahlen sichtbar zurück“, so Flechtker. Chemielaborant sei hingegen ein sehr gefragter Beruf. Nachdem die Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr bei Heraeus „historisch hohe Bewerberzahlen“ brachte, sei nun wieder mit einer Anzahl auf dem vorherigen Niveau zu rechnen.

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