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Brinkmann-Weiß engagiert sich in vielen kirchlichen Gremien. Seit 2016 ist sie Mitglied des Rats der Landeskirche.

Hanau

Gestalterin in Zeiten des Umbruchs

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Claudia Brinkmann-Weiß hört als Dekanin des Kirchenkreises auf. Sie wird bei der Landeskirche Dezernentin für Diakonie und Ökumene.

Der Abschied falle ihr schwer. „Es waren 15 erfüllte Jahre“, sagt Claudia Brinkmann-Weiß, Dekanin des Kirchenkreises Hanau, mit Wehmut in der Stimme. Trotz schwieriger werdender Bedingungen habe sie „viel Gestaltungsraum gehabt, gerade bei den Themen, die mir besonders am Herzen liegen: interreligiöser Dialog, Ökumene, Diakonie“.

Die Felder wird Brinkmann-Weiß weiter bearbeiten, aber als Dezernentin für Ökumene und Diakonie in der Leitung der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck. Dort wird die Theologin zu den acht Dezernenten zählen. Sechs Jahre wird sie noch tätig sein, dann geht die Mutter und Großmutter in Ruhestand. Von einer Traumstelle will Brinkmann-Weiß nicht sprechen. Da sie sich Hanau und der Basis verbunden fühle, habe sie mit sich gerungen, als ihr die Funktion angeboten wurde. Die Aufgabe, die sie im Dezember antritt, sei aber sehr reizvoll – eben weil die Dekanin sich dort um ihre zentralen Anliegen, die sie schon seit Studienzeiten verfolge, kümmern könne. Dienstsitz ist Kassel. Brinkmann-Weiß wird oft pendeln, weil sie in Hanau wohnen bleibt. Hier sind sie und ihre Familie verwurzelt.

Brinkmann-Weiß’ Nachfolge im Kirchenkreis ist bislang nicht geregelt. Martin Lückhoff – der zweite Dekan – wird ihre Aufgaben übernehmen, zumindest vorerst. Dass die Stelle nachbesetzt wird, ist nicht sicher.

Neben Lob gibt es aus den Gemeinden auch kritische Stimmen zur Entwicklung in den vergangenen Jahren, besonders zur Fusion der Kirchenkreise Hanau-Stadt und Hanau-Land 2014 und zu Kürzungen. Der Dialog mit anderen Religionen stößt ebenfalls nicht auf ungeteilte Zustimmung, weil teilweise auch Vertreter mit erzkonservativen bis extremen Positionen am Tisch saßen.

Zu letzterem sagt die Dekanin: „Das ist die Herausforderung des Dialogs“, etwa beim Runden Tisch der Religionen, zu dem die Stadt einlädt. „Einerseits klare Trennlinien ziehen, wo es notwendig ist. Andererseits nicht alle von vornherein ausschließen und trotz unterschiedlicher Ansichten im Gespräch bleiben.“

Auch wenn noch viel zu tun sei – Fortschritte sieht Brinkmann-Weiß auch in der Ökumene in Hanau, zum Beispiel in Form des gemeinsamen Gottesdienstes zum Bürgerfest. Als weitere Erfolge bewertet sie die von ihr geförderten Partnerschaften mit den Kirchen im syrischen Homs und dem südafrikanischen Madikwe sowie die mehr als 100 Meter lange Tafel der Toleranz in der Hanauer Altstadt – ein ungezwungenes Festessen unterschiedlicher Konfessionen und Nationalitäten. Für Brinkmann-Weiß sind diese Tafel, aber auch der Kirchenladen in der Innenstadt oder die Diskussionen im Evangelischen Forum Beispiele dafür, wie es in Zeiten knapper Kassen gelungen sei, „auf gesellschaftliche Entwicklungen zu reagieren, relevant und öffentlich wahrnehmbar zu bleiben“.

Die Umbrüche in der Kirche belegen die Zahlen des Kirchenkreises für die vergangenen 15 Jahre: Die Anzahl der Mitglieder sank von insgesamt 85 000 auf 68 000. Fünf von 50 Pfarrstellen wurden abgebaut, etwa genauso viel wurde bei den nicht-theologischen Mitarbeitern gestrichen. Das Sparen sei schmerzhaft, aber notwendig gewesen, da sich die Mittel nun mal an den Mitgliederzahlen orientieren, so Brinkmann Weiß. Der Rückgang werde sich fortsetzen, nicht zuletzt wegen des demografischen Wandels und weil viele Menschen keine so starke Bindung zu Institutionen mehr hätten.

Die finanziellen Einschnitte beziffert sie auf 2,5 Prozent pro Jahr. Deshalb sei die Fusion richtig gewesen: Gemeinsam hätten Hanau-Stadt und Hanau-Land mehr Personal und Geld und könnten mit einer Stimme sprechen. Den gleichen Schritt werden die Diakonien Hanau und Main-Kinzig gehen. Die Diakonie - etwa in der Flüchtlingshilfe oder der Schuldnerberatung - betrachtet Brinkmann-Weiß als besonders wichtig für die Zukunft. „Mit diesem Engagement identifizieren sich die Menschen.“ Darüber hinaus müsse beispielsweise über niedrigschwellige Angebote wie Mitgliedschaften auf Probe nachgedacht werden. „Das Bedürfnis nach Spiritualität ist nach wie vor groß; Themen wie Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung sind hochaktuell.“ Doch mit am wichtigsten sei es für die Kirche, sich nicht von Rückschlägen lähmen zu lassen, sondern zuversichtlich zu bleiben: „Wir haben schließlich eine frohe Botschaft zu verkünden.“

Die Dekanin wird während eines Gottesdienstes am Sonntag, 26. November, 17 Uhr, in der Johanneskirche (Frankfurter Landstraße 17) verabschiedet.

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