Stefan Erb von der SPD kam in Erlensee auf 80 Prozent der Stimmen.
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Stefan Erb von der SPD kam in Erlensee auf 80 Prozent der Stimmen.

Main-Kinzig Bürgermeister SPD

Gestalten und sparen

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Die SPD-Bürgermeister von Erlensee, Stefan Erb, und Wächtersbach, Andreas Weiher, möchten ihre Städte voranbringen. Das soll trotz Haushaltssanierungen gelingen.

Er sei zufrieden mit dem Ergebnis der Wahl, sagt Erlensees alter und neuer Bürgermeister Stefan Erb (SPD). Er betrachte die rund 80 Prozent Zustimmung bei der Wahl am Sonntag als „Bestätigung für meine Arbeit“. Dass sein Kontrahent, der parteilose Jonny Nedog, auf Anhieb fast 20 Prozent holte, gebe ihm dennoch zu denken, sagt Erb: „Darunter waren wohl viele Protestwähler.“ Der 40-Jährige betont, er habe – im Gegensatz zu Nedog – nichts versprochen, was er nicht halten kann: „Wir müssen nun mal unseren Haushalt sanieren. Ich muss Einschnitte vornehmen – will unsere Stadt aber trotzdem voranbringen.“ Erlensee hat ein Jahresdefizit von 3,3 Millionen Euro.

Höhere Gewerbesteuer

Deshalb, so Erb, seien eine höhere Grund- und Gewerbesteuer nicht zu vermeiden, ebenso wie geringere Zuschüssen für Vereine. Auch an der geplanten Erhöhung der Kita-Gebühren „führt wohl kein Weg vorbei“, sagt der Bürgermeister. Die Stadt erhofft sich dadurch Mehreinnahmen von mindestens 80 000 Euro pro Jahr. Um etwa 16 Prozent sollen die Gebühren steigen. Die Ermäßigung für Eltern mit mehreren Kindern steht ebenfalls zur Debatte. „Ich bin dagegen, die Ermäßigung zu streichen. Außerdem könnten wir die stärkere Belastung der Eltern mit einer Staffelung nach Einkommen etwas gerechter verteilen“, sagt der Sozialdemokrat. Das Parlament soll demnächst über die Gebühren entscheiden.Gleichzeitig, sagt Erb, wolle er „nicht ans Eingemachte gehen“ und in die Entwicklung der Stadt investieren: in die Infrastruktur, die Bürgerhäuser, seniorengerechtes Wohnen und ein Ärztezentrum. Einen deutlichen Aufschwung soll der Stadt das Fliegerhorst-Areal bescheren: „Ich bin zuversichtlich, dass wir noch in diesem Jahr den ersten großen Kaufvertrag mit einem Logistik-Investor unterschreiben.“

In Wächtersbach hat Andreas Weiher mit 72,5 Prozent Zustimmung einen ähnlich hohen Sieg gelandet wie Erb. Weihers Hauptkonkurrentin, Saskia Götzl von der CDU, kam lediglich auf rund 23 Prozent. Auch Weiher, der seit 2009 Erster Stadtrat ist, muss sparen. Er will ein Jahresdefizit von einer Million Euro ausgleichen und Altschulden abbauen. „Wir werden bei der Sanierung von Straßen und Plätzen sparen müssen“, sagt Weiher. Zudem könnten freiwillige Leistungen gekürzt werden. Tabu seien jedoch Einschnitte bei der Kinderbetreuung und der Feuerwehr, so Weiher. Investieren wolle er unter anderem in den Bahnhof und das Radwegenetz der Stadt.

Mittelfristig erhofft sich Weiher von der geplanten öffentlich-privaten Partnerschaft mit dem Handelskonzern Globus wichtige Impulse: Die Stadt soll ihr Rathaus und das Bürgerhaus abgeben, damit der Konzern sein Warenhaus erweitern kann. Gleichzeitig soll Globus eine Halle auf dem Messegelände bauen sowie das marode Wächtersbacher Schloss sanieren und an die Stadt vermieten – die dort das Rathaus unterbringen will. Die Opposition hatte das Projekt scharf kritisiert, weil sie der Ansicht ist, dass die Stadt dabei draufzahle. Weiher verteidigt die Pläne: „Würden wir selbst sanieren, wären die Kosten deutlich höher. Außerdem wird das Schloss die Stadt beleben.“

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