Hanau Gesundheit

Gemeinsam gegen Lungenleiden

  • schließen

Das Klinikum Hanau und die Thoraxklinik des Universitätsklinikums Heidelberg arbeiten künftig zusammen. Die Diagnose und die meisten Operationen sollen in Hanau stattfinden, die komplexeren Eingriffe werden in Heidelberg gemacht.

Das Klinikum Hanau und die renommierte Thoraxklinik des Uniklinikums Heidelberg bauen ein überregionales Lungenzentrum auf. Anfang Oktober wollen die Fachärzte mit der gemeinsamen Arbeit in der Brüder-Grimm-Stadt beginnen. Mit der Kooperation wollen die beiden Kliniken mehr Patienten aus dem Main-Kinzig-Kreis und dem bayerischen Untermain gewinnen, wo etwa 700.000 Menschen leben.

„Wir waren in der Lungenchirurgie bereits gut aufgestellt. Jetzt haben wir die in Deutschland führende Thoraxklinik als Partner gewonnen“, sagt André Michel, ärztlicher Direktor des Klinikums Hanau. Mit mehr als 2000 Operationen pro Jahr ist die Heidelberger Thoraxchirurgie, die mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum kooperiert, die größte in Deutschland. „Diese Erfahrung senkt auch die Komplikationsrate“, sagt Michel.

Die Diagnose und die meisten Operationen bei Betroffenen aus der Region sollen in Hanau und damit wohnortnah stattfinden, komplexe Eingriffe sollen in Heidelberg durchgeführt werden. Zur Nachsorge könnten die Patienten wieder nach Hanau zurück. „Das hat den Vorteil, dass die gesamte Behandlung in einer Hand liegt und genau abgestimmt werden kann“, sagt Felix Herth, Chefarzt der Heidelberger Pneumologie und Beatmungsmedizin.

Die Heidelberger und die Hanauer Experten werden sich hauptsächlich um Patienten mit Lungenkarzinom kümmern, aber auch um jene mit chronischen Erkrankungen, etwa der sogenannten Raucherlunge, Brustfellentzündung oder Problemen mit der Luftröhre. Sie sollen zudem die kleinen Patienten in der Hanauer Kinderklinik behandeln, die mit Missbildungen an der Lunge zur Welt gekommen sind.

Neue Methoden anwenden

Das Klinikum Hanau sorgt für die Infrastruktur. Es stellt Betten und Kapazitäten im OP zur Verfügung. An vier Tagen in der Woche sollen Lungenfachärzte aus Heidelberg in Hanau sein und mit den Ärzten des Klinikums zusammenarbeiten. Die Leitung des Zentrums übernehmen Felix Herth und Hendrik Dienemann, Chefarzt der Thoraxchirurgie des Uniklinikums. Für die Versorgung in Hanau sind die Chefärzte Peter Langer (Klinik für Allgemein-, Viszeral und Thoraxchirurgie) sowie Christof Weinbrenner (Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie, Nephrologie und internistische Intensivmedizin) verantwortlich. Die Hanauer behandeln bislang etwa 1800 Lungenpatienten und operieren 350-mal jährlich.

Ein wesentlicher Vorteil des Zentrums liege in seiner disziplinübergreifenden Ausrichtung: „Wir legen großen Wert darauf, dass sich Spezialisten aus mehreren Fachrichtungen um einen Patienten kümmern“, sagt Dienemann. Die Heidelberger Klinik erhofft sich von der Kooperation auch, ihre Forschungsziele früher zu erreichen, indem sie neue Therapien bei mehr Patienten anwenden kann. Diese könnten im Gegenzug auf die aktuellsten Methoden zurückgreifen, so Herth. Die Heidelberger haben in der Vergangenheit unter anderem eine Behandlung des Lungenemphysems mit dem Endoskop entwickelt.

Das Jahr 2013 schloss das Klinikum Hanau mit einem Verlust von 750.000 Euro ab. Die Kooperation mit Heidelberg ist nicht die erste: In der Urologie arbeitet das Klinikum mit dem Universitätsklinikum Frankfurt zusammen. Darüber hinaus ist ab 2015 eine enge Zusammenarbeit mit den kommunalen Kliniken in Aschaffenburg und Alzenau-Wasserlos geplant, um das Klinikum Hanau aus der Verlustzone zu holen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare