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Gemeinsam gegen den Erziehermangel

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Kita-Kinder.
Kita-Kinder. © FR/Müller

446 Erzieher und Erzieherinnen fehlen den Kommunen im Main-Kinzig-Kreis, um die gesetzliche Garantie bei den Krippenplätzen zu erfüllen Jugenddezernent André Kavai (SPD) will das Problem lösen - mit Abstimmung statt Wettbewerb.

Von Jörg Andersson

Im Prinzip hat die Stadt Gelnhausen ihre Hausaufgaben beim Ausbau der Kindertagesstätten nahezu erledigt. Die gesetzliche Vorgabe, bis 2013 einen Versorgungsgrad von 35 Prozent bei U-3-Plätzen vorzuhalten, erfülle man bereits jetzt, berichtet Bürgermeister Thorsten Stolz (SPD). 79 Erzieherinnen, davon drei Viertel Teilzeitkräfte, kümmern sich in städtischen Einrichtungen um den Nachwuchs, 622 Plätze gebe es derzeit, listet der Rathauschef auf.

So weit die Theorie. Um den Rechtsanspruch auf den Kita-Platz einhalten zu können, müsse die Quote wohl auf 55 Prozent erhöht werden, glaubt Stolz. Das deuteten Untersuchungen an, und in Gelnhausen sei die Nachfrage weiter hoch. Also sollen weitere 50 Betreuungsplätze geschaffen werden, die 13 zusätzliche Vollzeitstellen erforderten. „Das ist schon eine Riesenherausforderung“, sagt der Bürgermeister.

60000 Erzieherinnen würden deutschlandweit durch den Ausbau der U-3-Plätze sowie erhöhte Betreuungssschlüssel und zusätzliche Integrationsanforderungen bis 2013 benötigt. Im Main-Kinzig-Kreis sind es 446, hat Jugenddezernent André Kavai (SPD) errechnen lassen. Nachfrage und Angebot stehen in keinem Verhältnis. Fachkräfte fehlen überall, weiß der Kreisbeigeordnete, der am Donnerstag im Main-Kinzig-Forum ein Konzept gegen den Mangel vorgelegt hat.

„Kooperation statt Konkurrenz“ lautet die Maßgabe. Einen Wettbewerb um das qualifizierte Personal könnten sich die Städte und Gemeinden, denen droht, mit den künftigen Fixkosten für Betrieb und Unterhaltung alleine gelassen zu werden, nicht leisten, berichtet Kavai. Wenn eine Stadt wie Frankfurt nun mit einer besseren Bezahlung sowie einem Jobticket locke, verschärfe das den Wettbewerb eher. Der Konkurrenzdruck steige mit der Nähe zur Großstadt.

Während in ländlichen Gemeinden die Nachfrage zurückhaltender ausfallen könne, wie Kavai sagt, befürchtet Bürgermeister Klaus Schejna (SPD) in Rodenbach, auch mit einer Quote von 60 Prozent nicht ausreichend vorgesorgt zu haben. Und schon jetzt sei die Suche nach weiteren Erzieherinnen, vor allem im Teilzeitbereich und für Integrationsfachkräfte extrem schwierig.

In einem dreiseitigen Papier warnt Kavai vor einem für Eltern, Kinder und Steuerzahler ruinösen Wettbewerb und wirbt stattdessen für eine gemeinschaftliche Regelung, zumindest im Umfeld des Rhein-Main-Gebiets.

Zu den Lösungsvorschlägen zählt der Dezernent einen „Springerpool“, der auf Ebene der interkommunalen Kooperation Einstellungen und Einsatz der Kräfte erleichtern könnte. Konkret hat der Main-Kinzig-Kreis die Ausbildungskapazitäten an der Eugen-Kaiser-Schule in Hanau um eine Klasse von 50 auf 75 erhöht. Das müssen auch alle anderen Schulträger tun, fordert Kavai und meint damit nicht nur die Beruflichen Schulen in Gelnhausen.

Um trotz der zeitintensiven Ausbildung und dem eher bescheidenen Gehalt mehr Menschen für den Erzieher-Beruf zu begeistern, müssten zudem ausreichend Praktikumsstellen geschaffen werden. Weiter gelte es, Qualifikationskurse für Wiedereinsteiger anzubeiten, an deren Finanzierung sich Bund und Länder beteiligen müssten. Auch Programme für Seiteneinsteiger, insbesondere aus dem Bereich der Tagespflege, müssten aufgelegt werden. Schließlich sei es wichtig, berufsbegleitende Ausbildungsmöglichkeiten, Seminare, Stipendien und Ausbildungsdarlehen zu schaffen.

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