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Bürgermeister Klaus Büttner in der Kläranlage, die modernisiert werden soll. 

Main-Kinzig

Gemeinden streiten über Kosten für Klärwerk

Der Ausbau der gemeinsamen Abwasseraufbereitung von Schöneck und Niederdorfelden wird noch teurer.

Als die Gruppenklärwerksanlage Schöneck-Niederdorfelden ursprünglich geplant wurde, gingen die Verantwortlichen noch von einer Gesamtbevölkerungszahl für beide Gemeinden von höchstens 20 000 Einwohnern aus. Zu dem Zeitpunkt hatte Schöneck knapp 10 000 und Niederdorfelden knapp 2500 Einwohner. Doch der enorme Bevölkerungsanstieg im gesamten Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main und damit auch in den beiden Gemeinden Schöneck und Niederdorfelden führte auch bei den Versorgungseinrichtungen zu einer Neukalkulation.

Vergrößert und dabei auch modernisiert werden musste die Gemeinschaftsanlage auf jeden Fall. Das hatte das Regierungspräsidium Darmstadt den beiden Kommunen bereits vor etwa vier, fünf Jahren zu verstehen gegeben. Doch wie groß sollte geplant werden? „Wir sind bei den ersten Schätzungen von einem Kostenrahmen von rund 5,5 Millionen Euro für die Erweiterung ausgegangen“, erinnert sich Niederdorfeldens Bürgermeister Klaus Büttner (SPD). Nach Hinzuziehung eines Gutachters verdoppelten sich Anspruch und Kosten sehr schnell. „Plötzlich waren wir deutlich über elf Millionen und bewegten uns immer noch im Rahmen einer Entwurfsplanung, also einer Schätzung“, ärgert sich Büttner auch heute noch über die Kostenexplosion. Aber da beide Kommunen neue Wohngebiete planten, war eine Erweiterung der Kläranlage unumgänglich.

Jüngst bekam der Niederdorfelder Verwaltungschef erneut Post aus der Nachbargemeinde. Die Erweiterungskosten würden noch einmal um fast 900 000 Euro auf nunmehr 12,3 Millionen Euro steigen. Zeitgleich beantragte seine Schönecker Amtskollegin Cornelia Rück (SPD) in der Schönecker Gemeindevertretung die Billigung dieser Kostensteigerung. Bisher beruhten die Kosten lediglich auf Schätzungen, so die Bürgermeisterin. Die neuerlichen Zahlen hingegen fußten auf exakten Berechnungen. Im Übrigen hätten die Gemeinden keinen Handlungsspielraum, da nicht nur die Maßnahme vom Regierungspräsidium vorgeschrieben sei, sondern es darüber hinaus auch noch größere Tiefbauarbeiten und den Austausch eines Reaktors im Faulbehälter angeordnet habe. Der Antrag wurde von der Schönecker Gemeindevertretung einstimmig gebilligt.

STANDORT

Das Gruppenklärwerk, eigentlich zuständig nur für die beiden Gemeinden Schöneck und Niederdorfelden, beschäftigt tatsächlich drei Kommunen. Denn die Anlage liegt auf Karbener Gebiet, genauer gesagt in der Gemarkung Rendel.

Für den Bau des Klärwerks wurde
zwischen den drei Kommunen ein langfristiger Pachtvertrag geschlossen, der auch eine Vergrößerung der Anlage ohne weiteres zulässt.

Der Brief aus Schöneck enthielt allerdings nicht nur die Ankündigung des neuerlichen Preisanstiegs, sondern auch einen weiteren Beschluss der Schönecker Gemeindevertretung. Danach soll über die Kostenaufteilung zwischen den beiden Gemeinden neu nachgedacht werden. Bisher hatte man sich darauf geeinigt, dass die Erweiterungskosten ähnlich dem Bevölkerungsverhältnis, also 75 Prozent Schöneck und 25 Prozent Niederdorfelden, aufgeteilt werden sollen. Doch damit sind die Schönecker Parlamentarier nun nicht mehr einverstanden. Die Bevölkerungszunahme in Niederdorfelden erfolge schneller als in Schöneck. Der Verteilerschlüssel müsse deshalb neu festgelegt werden, so die Forderung aus Schöneck.

Gegen neue Verteilung

Das wiederum sehen die Niederdorfelder Gemeindevertreter ganz anders. Sie wollen von der Aufteilung nicht ablassen. Auch Büttner verweist darauf, dass die jeweilige Einwohnerzahl nicht das alles entscheidende Kriterium für die Kostenaufteilung sein dürfe, sondern dass vielmehr auf die Einleitungsmenge und die Qualität des eingeleiteten Abwassers Wert gelegt werden müsse. Niederdorfelden verfüge im Gegensatz zu Schöneck nämlich über ein Trennsystem und deshalb werde Regenwasser direkt in die Nidder abgeleitet.

Auch sei für die Verteuerung allein Schöneck verantwortlich, weil die Abwassermenge inzwischen höher kalkuliert werde als bisher. Deshalb wehrt sich Büttner auch gegen die Übernahme weiterer Kosten. „Hier läuft offensichtlich die Planung aus dem Ruder“, sagt er. Die Gespräche zwischen den beiden Rathauschefs sind für diesen Monat geplant.

Von Jürgen W. Niehoff

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