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Das K-Town im evangelischen Gemeindezentrum in der Weststadt. Foto: Renate Hoyer

Hanau

Gemeinde im Pilotprojekt

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Stadtteilkirche will selbst als Investor agieren. Wohnungen sollen auf dem Gelände des maroden Gemeindezentrums entstehen.

Das Gemeindezentrum verkaufen oder selbst auf dem 6600 Quadratmeter großen Gelände bauen und vermieten? Mit Ersterem könnte die evangelische Kirchengemeinde Kesselstadt gut 1,7 Millionen Euro einstreichen, letzteres wird nun in einer Machbarkeitsstudie untersucht. Damit wird die Gemeinde Pilotprojekt in der Landeskirche Kurhessen-Waldeck. Bislang galt das Prinzip, dass zu große oder im Unterhalt zu teuer gewordene Immobilien verkauft werden. Der Gemeindevorstand in Kesselstadt hat sich mit diesem Weg schwergetan. Denn mit dem Verkauf wäre auch die Zukunft des Jugendzentrums samt seiner mehrfach ausgezeichnete Box-Abteilung in der Weststadt eine offene geworden. Die Weststadt gilt in Teilen als Problemquartier.

Aus den 1970er Jahren stammt das Gemeindezentrum in der Weststadt, die ein Jahrzehnt zuvor am westlichen Stadtrand als Retortenstadt auf Äckern hochgezogen wurde. Das Haus der Friedenskirche ist mittlerweile für die von 8000 auf 3000 Mitglieder geschrumpfte Gemeinde viel zu groß und damit zu teuer geworden. Die bauliche Substanz ist in die Jahre gekommen. Bei Regen müssen Eimer unter die undichten Stellen im Dach positioniert werden, die Heizung arbeitet längst nicht mehr zuverlässig. Die Gemeinde kann sich nur noch Notreparaturen leisten, um das Haus und damit vor allem das Juz „K-Town“ vor der Schließung zu retten, das pro Jahr 19 000 Kontakte verzeichnet. Das unter fachlichen Training geführte Box-Gym besuchen bis zu 80 Jungen und Mädchen am Tag.

„Ein Mitglied im Gemeindevorstand hat die Idee eingebracht“, sagt Pfarrerin Ute Engel. In Rheinland-Pfalz könnten Kirchengemeinden die Option „bauen und vermieten“ nutzen. „Mit dieser Lösung müssten wir nicht unser Tafelsilber veräußern und mit dem Grundbesitz bleibt der Einfluss im Stadtteil erhalten“, sagt Engel. Ohnehin würde der Gemeinde vom Verkauferlös nur ein Fünftel bleiben, der Rest ginge an die Landeskirche.

Merten Rabenau, ebenfalls Pfarrer der Friedenskirche und Projektbetreuer, kann von konkreten Bebauungsplänen noch nicht berichten. „Es ist noch zu früh, alles hängt von der Machbarkeitstudie ab, die den Rahmen setzt“, sagt er. Das Areal liegt zwischen einem Hochhaus und Bungalowbebauung. „Fünfgeschossige Häuser wird es wohl nicht geben“, so Rabenau. Mit dem Wohnungsbau soll der soziale Aspekt berücksichtigt werden, jedoch ebenso die Vermietung an ältere Menschen. Die Gemeinde versucht hierzu Einrichtungen in der Stadt ins Boot zu holen. Erste Gespräche habe es gegeben, sagt Rabenau.

Wie ein neues Jugendzentrum in das Vorhaben integriert werden kann, ist ebenfalls noch offen. Möglicherweise werde das Gebäude eine Mehrfachnutzung erhalten. So könnte dort das Weststadtbüro, die von der Kirche getragene Beratungsstelle im Quartier, untergebracht werden. Derzeit befindet sich das Domizil des Büros in einem gemieteten Ladenlokal am Kurt-Schumacher-Platz.

Ein Jahr hat es von der Idee und bis zur schriftlichen Zustimmung der Landeskirche gedauert. „Der Kirchenvorstand steht nach anfänglichen Bedenken nun hinter dem Projekt. Es handelt sich um Millionensummen, mit denen wir nicht immer zutun haben“, so Rabenau zu den Bedenken. Die Mieteinnahmen müssen ausreichen, um die Hypothek und die Betriebskosten für das neue Jugendhaus zu bestreiten.

Von der Landeskirche war mit Verweis auf die angelaufene Machbarkeitsstudie keine Stellungnahme zu erhalten. Die Kesselstädter Gemeinde geht davon aus, dass das Ergebnis der Studie in einem halben Jahr vorliegt.

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