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Gelnhausen: Natur auf Zeit ist gut fürs Gewissen

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Temporäre Blühinseln helfen Insekten. Aber nur kurz. Langfristig lindern sie nur Gewissenbisse.

Sicherlich, alles Grün hilft, um das massenhafte Insektensterben zu verlangsamen und somit gleichfalls das Darben etwa von Fledermaus oder Igel mit ein paar Happen mehr zu lindern. Das trifft unbestritten ebenso für „Main-Kinzig blüht“ und „Natur auf Zeit“ zu, mit dem sich die Bahn en passant ein grüneres Image erkauft, über das Betroffene und Naturverbände bei Neubaustrecken, um Minutenvorteile zu erringen etwa auf der Verbindung Gelnhausen-Fulda/Würzburg, ganz anders denken werden.

„Natur auf Zeit“ klingt aber auch gnädig: So lange der Mensch den Platz nicht braucht, wird die Natur dort - in diesem Fall kontrolliert - toleriert, und das ist eine der großen Ursachen am Schwinden der Insekten und der von ihnen lebenden Tiere. Intensivackerbau, ungebremstes Versiegeln von Landschaften mit Gewerbe- und Wohngebieten sowie Verkehrswegen, die Freizeitnutzung lassen sich dazu aufzählen. Auch für den Main-Kinzig-Kreis!

Dass vom Bund gesteckte Ziel, den täglichen Flächenverbrauch bis 2020 auf 30 Hektar zu reduzieren, wird wohl nicht erreicht. 2018 verschwanden pro Tag noch 49 Hektar - knapp 70 Fußballfelder - unter Asphalt und Beton. Das Bundesumweltamt befürchtet sogar eine Trendwende, wenn der Gesetzgeber der Forderung von verschiedenen Seiten folgt, die Bebauung von Außenbereichen zu vereinfachen. So betrachtet sind die künstlichen Blühinseln nicht nur für Insekten, sondern ebenso eine Beruhigungspille gegen das schlechte Gewissen.

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