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Geld mit Kompost

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Kompost ist zu einem wichtigen Geschäftsteil  des Hofguts Bayha geworden.
Kompost ist zu einem wichtigen Geschäftsteil des Hofguts Bayha geworden. © Sascha Rheker

Die Landwirte im Main-Kinzig-Kreis erschließen sich neue Einkommensquellen. So baut das Hofgut Bayha sein Lager für Grünabfall aus.

Von Jörg Andersson

Auf dem Hofgut Bayha stehen schwere Baumaschinen. Planierraupen haben eine Wiese für neue Lagerhallen eingeebnet. „Hier war unser Stall“, sagt Agrar-Ingenieurin Sabine Schmidt und deutet auf eine Fläche, auf der sich noch die Betonfundamente im Boden abzeichnen. Das Landwirt-Ehepaar aus Linsengericht hat sich aus der Tierhaltung verabschiedet. Mitte der 90er Jahre verkauften die Schmidts ihre einst 80 Kühe, 2008 war es auch mit der Rinder-Aufzucht vorbei.

Während die Milchviehbauern unter dem Preisverfall ächzen, haben sich die Hofbetreiber vor den Toren Altenhaßlaus ein zweites Standbein aufgebaut. Eine der ersten Kompostierungsanlagen, der sie während des Studiums begegnete, hat Sabine Schmidt auf die Idee gebracht. Mittlerweile macht der Hof mit 200 Hektar Anbaufläche und 40 Hektar Grünland die Hälfte seines Geschäftes mit Bodendünger, Grünschnitt und Gartenlandwirtschaft.

Die Lage des Hofes an einer Kreisstraße in unmittelbar Nähe eines Autobahnanschlusses habe sich als ideal erwiesen, sagt Lothar Schmidt. Zugleich ist das Geschäft mit Erde, Humus oder Abdeckmulch kräftig gewachsen. „Früher haben sie Rinde für den Fuhrlohn erhalten, heute wird sie mit täglichen Notierungen wie Öl gehandelt“, erzählt der 49-jährige gelernte Kaufmann. Reihenweise decken sich Gärtner bei ihm ein, den Kubikmeter Pflanzenerde aus Eigenproduktion für 90 Euro oder den Schüttraummeter Humustorf für 80. „Kein Vergleich zum billigeren Baumarktbeutel“, versichert der Hofbetreiber, der auf herkömmliche Art vor allem Winterweizen, Winterraps und Mais, auch für Biogas, anbaut. Oder auf knapp zehn Hektar „Miscanthus“, auch Chinaschilf genannt, den Kleingärtner besonders für ihre Erdbeer- und Zucchinifelder zu schätzen wissen.

Die Stimmung in der Landwirtschaft hat seit einem Jahr wieder deutlich verbessert, generell schon seit 2003. Trotz der Wetterkapriolen von Kälte über Hitze bis Nässe ist der Kreisbauernverband Main-Kinzig mit dem „bisherigen Verlauf der Getreideernte nicht völlig unzufrieden“ , wie der Vorsitzende Bruno Wörner am Donnerstag in Altenhaßlau bilanziert. Während Sonderkulturen wie Erdbeeren und Spargel im kalten Frühsommer durchweg schlecht wuchsen und die Erträge um mindestens 20 Prozent unter dem Durchschnitt lagen, liefen Wintergerste und Raps als bedeutende Anbaufrüchte der Region gar nicht schlecht, wie Börner berichtet. Probleme bereite da schon eher der Grünschnitt.

„Gut gewirtschaftet hat, wer seine Ernte nicht früh mit einem Kontrakt abgesichert hat“, bemerkt Wörner mit Blick auf die gestiegenen Preise bei Raps und vor allem beim Weizen, mit 7500 Hektar Anbaufläche die wichtigste Frucht im Kreis.

Trockenheit und Ernteausfälle in Russland haben die ohnehin schwankenden Rohstoffmärkte angeheizt. In nur sechs Monaten haben sich die „Weizennotierungen nahezu verdoppelt“, verdeutlicht Jens Pleger von der Raiffeisen-Warenzentrale Altenhaßlau.

Immer bedeutender für die Ernteerträge sind Termingeschäfte. In diesem „Lernprozess“ haben die Landwirte „Schmerzensgeld gezahlt“, so Pleger. Den richtigen Zeitpunkt für Geschäftsabschlüsse abzupassen ist schwer. „Da man ihn nur selten trifft, muss man die Entscheidung irgendwann abhaken“, berichtet Rudi Trageser. Er hat mit 150 Tonnen fast die Hälfte seiner Weizenernte im Voraus verkauft. „Bis April waren wir zufrieden“, sagt der Landwirt aus Waldrode. „Als dann die Preise weiter in die Höhe schossen, wusste es im Familienkreis natürlich nachher jeder besser.“

Aktuell treibt Trageser die Sorge über die Weizenqualität um. Wind und Feuchte haben dem Getreide zugesetzt. Bei zu schlechter Qualität hätte er weitere Probleme mit seinen Lieferverträgen. Nach dem Regen hoffen die Bauern auf ein trockenes Wochenende, das aber kaum reichen wird, um die Ernte ganz einzufahren.

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