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Gegen den Ärztemangel

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Von: Gregor Haschnik

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Junge Nachfolger finden ältere Hausärzte aus dem Main-Kinzig-Kreis nur schwer oder gar nicht.
Junge Nachfolger finden ältere Hausärzte aus dem Main-Kinzig-Kreis nur schwer oder gar nicht. © dpa

In den Kommunen mangelt es an Hausärzten. Und die Lage wird sich drastisch verschärfen, da Ärzteschaft überaltert - weniger als die Hälfte sind jünger als 50. Der Kreis will ein Gesundheitsnetz schaffen und bewirbt sich für Förderprogramm der Landesregierung.

Alte und kranke Menschen müssen weite Wege zurücklegen, damit sie behandelt werden. Ärzte schieben lange Schichten und haben trotzdem Probleme, ihre Notdienste zu besetzen. Vor allem im östlichen Teil des Main-Kinzig-Kreises mangelt es in manchen Kommunen schon heute an Hausärzten. Und die Lage wird sich wohl drastisch verschärfen: Nach Prognosen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) werden in zwei Jahren 56 von 253 niedergelassenen Hausärzten ihre Praxis abgeben (mit 65 Jahren), 2025 werden es demnach 165 von 253 sein. Die Ärzteschaft vergreist: Nach den aktuellsten Zahlen, die von der KV vorliegen, sind lediglich 109 Hausärzte jünger als 50, 144 älter (Stand 2010). Und nur 15 Ärzte sind unter 40.

Land fördert Gesundheitsnetze

Deshalb will der Kreis ein dichtes regionales Gesundheitsnetz knüpfen und hat sich für ein Programm der Landesregierung beworben, das den Aufbau solcher Netze fördert. Ziel sei es, die gesundheitliche Versorgung in der Nähe des Wohnortes zu sichern und zu verbessern. Dazu sollen alle wichtigen Akteure im Gesundheitsbereich vernetzt werden. Neben den Main-Kinzig-Kliniken, niedergelassenen Ärzten und dem Gesundheitsamt sollen sich auch Interessengruppen beteiligen. Mit Hilfe von Kooperationen soll das Netz vor allem den Ärztemangel auffangen. Wegen des demografischen Wandels sollen Themen wie Pflege, Demenz und Palliativmedizin eine besondere Bedeutung im geplanten Gesundheitsnetz bekommen. Gesundheitsdezernent Matthias Zach (Grüne) hofft, dass zwei Jahre lang jeweils 150 000 Euro aus Wiesbaden in den Main-Kinzig-Kreis fließen. Auf den Kreis selbst, so Zach, würden zunächst Kosten zukommen, die etwa in der Höhe der Fördersumme lägen. Um ein möglichst stabiles Netz zu schaffen, will der Kreis mit dem Ärztenetz Spessart zusammenarbeiten. Dort haben sich bereits 2005 35 Haus- und Fachärzte zusammengeschlossen. Ihr Einsatzgebiet reicht von Schlüchtern über Bad Orb bis Gelnhausen und Freigericht. Auf Konferenzen sollen sich künftig alle Partner regelmäßig austauschen, die Lage in den Kommunen analysieren und gemeinsam Lösungen finden. Der Ärztemangel ist schon lange ein Thema im Kreis, es gab bereits Initiativen für eine bessere Vernetzung. Dennoch spitzt sich die Situation offenbar langsam zu. Jüngst sammelten Ortsgruppen des Sozialverbandes VdK, die im östlichen Main-Kinzig-Kreis zuhause sind, mehr als 4000 Unterschriften, um auf den Mangel aufmerksam zu machen. Die Listen überreichten sie den Bundestagsabgeordneten Sascha Raabe (SPD) und Peter Tauber (CDU).

Situation spitzt sich zu

Willi Heinrich, stellvertretender Bezirksvorsitzender im Hausärzteverband, sagt: „Der Kreis tut einiges, um dem Mangel entgegenzuwirken.“ Als Beispiel nennt Heinrich den Ausbildungsverbund der Main-Kinzig-Kliniken und der Hausärzte. Dabei werden Nachwuchskräfte gezielt gefördert und auf eine Tätigkeit als Arzt in ländlichen Gebieten vorbereitet. Den neuen Vorstoß des Kreises begrüße er, sagt Heinrich. Er hoffe aber, dass dies nicht mehr Bürokratie bringe und „Doppelstrukturen schafft“. Eine Praxis im Main-Kinzig-Kreis könne auch mit vermeintlich kleinen Maßnahmen attraktiver gemacht werden, so Heinrich: „Zum Beispiel indem man die Gründung von Gemeinschaftspraxen erleichtert und fördert oder die Abrechnung vereinfacht.“ In jedem Fall müsse der Mangel mit allen Kräften bekämpft werden: „Wenn die älteren Ärzte nicht noch ein paar Jahre dranhängen, kriegen wir schon bald große Probleme.“

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