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Gedenken in Erlensee: Tafel erinnert an Opfer des Anschlags in Hanau

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Von: Gregor Haschnik

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Cousine Zlateva (2.v.l.) setzt sich für das Gedenken ein. M. Müller
Cousine Zlateva (2.v.l.) setzt sich für das Gedenken ein. M. Müller © Monika Müller

Cousine von Kaloyan Velkov, der beim rassistischen Anschlag von Hanau ermordet wurde, enthüllt Gedenktafel

Ich kannte Kaloyan, seit ich mich kannte“, sagt Vaska Zlateva. Kein Mensch habe sie so gut verstanden wie ihr zwei Jahre jüngerer Cousin. Und dann „wurdest du grausam ermordet, in den besten Jahren deines Lebens“, fügt sie mit bebender Stimme hinzu. Wie acht weitere Menschen, die einfach „zur falschen Zeit am falschen Ort waren“. Zlateva weiß: „Ich werde diese Nacht nie vergessen.“ Die junge Frau hält kurz inne. Kurz darauf enthüllt sie auf dem Erlenseer Rathaus-Platz die Gedenktafel für Kaloyan Velkov.

Velkov arbeitete als Lastwagenfahrer und in der Hanauer Bar La Votre. Hier wurde er am 19. Februar 2020 aus rassistischen Motiven ermordet, ebenso wie die anderen Opfer von Hanau: Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtovic, Vili Viorel Paun, Fatih Saraçoglu, Ferhat Unvar. Am Freitag haben Angehörige und Bürger:innen in Erlensee, wo der aus dem bulgarischen Mestra kommende Velkov wohnte, besonders an den 33-Jährigen erinnert und Blumen und Kerzen niedergelegt. Zlateva bezeichnete den Gedenkort als wichtiges Zeichen der Erinnerung und Mahnung.

Am Donnerstag war am Roten Platz in Dietzenbach ein Denkmal für Sedat Gürbüz vorgestellt worden, das seine Eltern initiiert hatten. In Hanau gibt es unter anderem eine Gedenkstätte für Vili Viorel Paun. Der Wettbewerb für ein großes Mahnmal für alle Opfer läuft noch.

Velkov kam 2017 nach Deutschland und lebte im selben Haus wie seine Cousine und seine Mutter. Er wollte für seine Familie eine neue Existenz aufbauen: Auch seine Frau und sein Sohn, der im Grundschulalter ist, wohnten hier, kehrten aber bereits vor dem Anschlag nach Bulgarien zurück. Nach dem Mord konnte auch die Mutter nicht mehr bleiben und folgte ihnen.

Erlensees Erste Stadträtin Birgit Behr (CDU) knüpfte nach dem 19. Februar Kontakt zu Zlateva und hielt ihn. Die Cousine erzählte ihr viel über Kaloyan. Er habe viel gelacht und andere zum Lachen gebracht, so Behr. Habe gutes Essen geliebt und intensiv im Fitnessstudio trainiert. „Mit sechs Schüssen wurde er aus dem Leben gerissen“, sagte die Stadträtin. Ein unfassbarer Verlust für die Familie, Zlateva leide nach wie vor sehr darunter – und an den Umständen.

Laut Bürgermeister Stefan Erb (SPD) solle die Gedenktafel zeigen, dass die Betroffenen nicht alleingelassen würden. Er appellierte, „dagegenzuhalten“, wenn die Würde von Menschen verletzt wird, auch in Gesprächen in kleiner Runde. Stadtverordnetenvorsteher Uwe Laskowski (SPD) erinnerte, dass die Tat „einen Vorlauf“ hatte, zu dem Hetze in sozialen Medien gehörte. Und kritisierte, dass die Gefahr durch Rechtsterrorismus zu wenig beachtet worden sei.

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