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Die Saisongärten sind was für echte Pflanzenfreunde.

Nidderau

Ganz nah dran am Bauernhof

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Auf dem Hof Buchwald kann man als Pächter von Saisongärten selbst ernten. Die Gärten dienen den Leuten jedoch nicht ausschließlich zur Selbstversorgung. Viele kommen auch zur Entspannung.

Zucchini würden unterschätzt, sagen Rainer und Silke Vogel lachend, ebenso Kürbisse. „Manchmal haben die Leute nach der Ernte den ganzen Kofferraum voll mit dem Gemüse – damit kann man dann zu Hause die ganze Nachbarschaft versorgen“, ergänzt Silke Vogel. Das Ehepaar führt den Hof Buchwald, wunderbar gelegen auf einer kleinen Anhöhe über Nidderau-Windecken. Dort wird nach den Richtlinien der ökologischen Landwirtschaft gearbeitet, zertifiziert nach den Vorgaben des Verbandes Naturland.

Seit 2010 verpachten die beiden Landwirte sogenannte Saisongärten. Nach einer Idee der Supermarktkette Tegut stellt Rainer Vogel den Mietern parzellierte Ackerflächen zur Verfügung, die bereits mit 23 Kulturen, von Kartoffeln über Kohl bis Mangold, eingesät sind. Die Mieter der Parzellen kümmern sich ab Mai bis in den Herbst um ihre Fläche und können alles ernten, was ihr Ackerstück hergibt. Und das sei eine ganze Menge, sagt Rainer Vogel. Eine 40 Quadratmeter große Fläche könne eine vierköpfige Familie locker das ganze Jahr mit Gemüse versorgen, besonders, wenn etwas für den Winter konserviert werde.

Die Gärten dienen den Leuten jedoch nicht ausschließlich zur Selbstversorgung. „Viele kommen auch her, weil es für sie Entspannung pur ist, auf dem Feld zu arbeiten, es ein Gegengewicht ist zu dem Leben in der Stadt, zur Hektik des Alltag“, erzählt seine Frau.

Außerdem hielten sie Kontakt zum Hof, hätten Silke Vogel sogar dazu überredet, das Fleisch aus der Schweinezucht direkt zu vermarkten. Von dem Acker aus ist es nur ein Katzensprung zu dem modernen Schweinestall, der gut einsehbar auf dem Hof steht. Dort tummeln sich die Tiere, machen einen entspannten Ausdruck. Die Saisongärtner können ihnen zuschauen, können sehen, dass es den Tieren gut geht und wollen deshalb das Fleisch direkt vor Ort kaufen.

Viel anders wird es mit den Eiern auch nicht sein: Erst vor wenigen Tagen haben die Vogels rund 170 Hühner angeschafft, die in einem sogenannten Hühnermobil auf einer Wiese leben. Der bewegliche Stall kann beliebig auf einer Grünfläche platziert werden. So bekommen die Tiere immer frisches Futter, wenn ihr Stück Wiese abgefressen ist und die Grasnarbe bleibt erhalten.

Lern- und Begegnungsort für Kinder

„Die Menschen, die zu uns auf den Hof kommen, setzen sich so automatisch mit der ökologischen Landwirtschaft und ihren Chancen und Schwierigkeiten auseinander“, erzählt Rainer Vogel. Dem ein oder anderen sei sicher vor dem Anmieten eines Saisongartens noch nicht klar gewesen, welche Bedingungen für welches Gemüse die besten sind. Doch während der Saison könne jeder dabei zusehen, welche Faktoren Einfluss auf den Anbau haben. So komme es zum Beispiel eben vor, dass das Wachstum von Zucchini und Kürbis unterschätzt würde – „im nächsten Jahr pflanzen die Leute dann meist weniger“, so Silke Vogel.

Dass es dem Ehepaar Freude macht, neben dem Anbau eigener Lebensmittel auch Wissen über die ökologische Landwirtschaft zu vermitteln, merkt man schnell. Gemeinsam mit Otto Löber, Pfarrer in Nidderau und aktiv in der Flüchtlingshilfe, und dem Freundeskreis Hof Buchwald betreiben sie den Hof als Lernort Bauernhof, auf dem Kinder Neues über die Landwirtschaft lernen. „Es ist immer wieder schön zu sehen, mit welcher Begeisterung die Kinder bei der Sache sind und über was sie sich alles Gedanken machen“, berichtet Vogel.

Doch nicht nur hiesige Kita- und Schulkinder sollen Anschluss bekommen an das Leben auf dem Bauernhof: Sieben Parzellen der Saisongärten haben die Familie Vogel und der Freundeskreis Hof Buchwald einigen der in Nidderau untergebrachten Flüchtlinge zur Verfügung gestellt.

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