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Fünf Jahre Job-Sicherheit

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Norma in Maintal
Norma in Maintal © Renate Hoyer

Beim Metallgewinde-Hersteller Norma in Maintal herrscht wieder Hochkonjunktur. Der Eigentümer, Finanzinvestor 3i, will das mit einem Börsengang versilbern.

Von Jörg Andersson

Ein halbes Dutzend Maschinen spucken im Sekundentakt unaufhörlich Schellen aus. Neun Millionen Stück pro Woche. Rund 500 Millionen im Jahr. Das auf den ersten Anschein nach einfach anmutende Gehäuse sei eine „komplexe Blechkonstruktion, bei der es auf hundertstel Millimeter ankommt“, sagt Christian Haart und deutet auf die filigranen Teile einer münzgroßen Federbandschelle.

Dann schweift der Blick des technischen Geschäftsführers durch die langgezogene Fabrikhalle. Wenige Menschen sind zu sehen und doch sind die Kapazitäten ausgeschöpft. Sechs Tage pro Woche laufen die Maschinen, produzieren 700 Mitarbeiter von Norma in Maintal im Vier-Schicht-Betrieb rund um die Uhr Schneckengewinde und Auspuffschellen, Verbindungselemente und Benzinleitungen. Zwei Jahren nach der Krise herrscht im Unternehmen, das sich vom Automobilzulieferer zum kompletten Industrieausrüster gewandelt hat, Hochkonjunktur. „Die Auftragslage ist gut“, berichtet Haart.

Auch in der Belegschaft ist die Stimmung wieder besser Nur wenige Wochen nach einer Protestkundgebung Anfang November haben sich Unternehmensleitung, Betriebsrat und Gewerkschaft kurz vor Jahresende auf eine Betriebsvereinbarung geeinigt, die Tarifzugehörigkeit und den Standort Maintal bis Ende 2015 garantiert. „Damit sind die Arbeitsplätze relativ sicher, eine gute Ausbildung festgeschrieben“, bestätigt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Thomas Kaltenschnee.

Zuletzt hatte die Arbeitnehmervertretung andere Befürchtungen, weil das Jahrzehnte unter dem Namen Rasmussen firmierende Werk 2006 von der Gründerfamilie an den britischen Finanzinvestor 3 i verkauft wurde. Der formte im Zusammenschluss mit der schwedischen Unternehmen ABA die Norma Group, die nach weiteren Übernahmen weltweit operiert.

Aktuell bereitet Norma den Gang an die Börse vor – was zusätzliche Ängste vor einem Weiterverkauf profitabler Sparten oder Auslagerungen schürte. Personalchef Stephan König weist derartige Zusammenhänge zurück. „3i kann man nicht mit anderen Finanzinvestoren über einen Kamm scheren und als Heuschrecke geißeln“, sagt der Mann, der seit 2007 am Sitz der Holding in der Edisonstraße in Maintal Verantwortung trägt. Laut Geschäftsführer Haart stand das Werk in Maintal nie zur Disposition. Vielmehr habe man in die Produktionsanlagen und das technische Wissen der Facharbeiter investiert. Fortbildung, Bachelor-Ausbildung an der FH und befristete Vollarbeitsplätze für knapp 100 Leiharbeiter seien Ausdruck einer verantwortungsvollen und langfristigen Unternehmensplanung, fügt Jens Wahl hinzu, der vom Familienunternehmen Woco in die Norma-Geschäftsführung kam.

Äußerlich wirkt das Betriebsgelände in Maintal mit seinem aus Waschbetonplatten erstellten Verwaltungsgebäude alles andere als modern. Doch auf dem 15 Hektar großen Gelände um die vier Hallen hat sich eine ausgefeilte, hochspezialisierte Produktion etabliert.

Die meisten Mitarbeiter sind Elektriker, Schlosser oder Werkzeugmacher. Die automatischen Abläufe werden über Kontrollbildschirme bewacht. An vielen Stellen dokumentieren die Beschäftigten die Zufriedenheit der Kunden und Verbesserungsvorschläge. Die Werkssprache ist Englisch.

„Die günstigsten Schrauben produzieren wir selbst“, schwärmt Christian Haart (48) von den Qualitätsstandards und der hohen Fertigungstiefe im Betrieb. Eine spezielle Wellfeder ist eines von 300 patentierten Norma-Produkten.

70 Mitarbeiter feilen in der Abteilung Werkzeugbau an Sondermaschinen Marke Eigenbau. Zu ihnen zählen auch 32 Anlagen in der Kunststoffspitzerei. Über ein Rüsselsystem werden sie mit bis zu 25 speziellen Granulatmischungen gespeist. So entstehen komplette Komponenten – etwa für Benzintanks, deren Teile verschweißt werden können, um Schadstoff-Emissionen zu minimieren.

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